Meike S. soll als falsche Ärztin für den Tod von fünf Menschen verantwortlich sein

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Das Foto entstand im Jahr 2012. Damals wollte Meike W. Bürgermeisterin von Bad Emstal werden, im Vorfeld der Wahl führten wir mit ihr ein Redaktionsgespräch.

Größer als der NSU-Prozess? Verteidiger von Meike S. wollen jetzt rund 500 Patienten als Zeugen befragen lassen

Kassel. Meike S., früher hieß sie Meike W., steht aktuell in Kassel vor Gericht. Der Vorwurf: Als falsche Ärztin soll die heute 51-Jährige zwischen 2015 und 2018 für den Tod von fünf Menschen verantwortlich sein. Meike S. hatte damals am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar als Anästhesistin gearbeitet, ohne jemals Medizin studiert zu haben.

Der Prozess ist schon jetzt einer der größten in der Kasseler Justizgeschichte. Doch jetzt droht es, vollends aus dem Ruder zu laufen. Dr. Sven Schoeller und Thomas Hammer, die Verteidiger von Meike S. haben den Antrag gestellt, alle rund 500 Patienten der Frau als Zeugen zu hören. Die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Volker Mütze muss jetzt darüber entscheiden. Im 2018 beendeten NSU-Prozess hatte es 541 Zeugen und 46 Sachverständige gegeben.

Rückblick

Im Oktober 2019 war die falsche Ärztin, die fast vier Jahre lang am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar gearbeitet hatte, in Norddeutschland festgenommen worden. Dorthin war sie zwischenzeitlich verzogen, arbeitete an der Ostseeklinik Schönberg-Holm in Schleswig-Holstein. Die Liste der Vorwürfe, die man ihr nach ihrer Festnahme eröffnete, ist lang: Unter anderem der Verdacht des Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung, der Urkundenfälschung, des Betruges, des Missbrauchs von Titeln und des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz.

Der Vorwurf, der am schwersten wiegt: Meike W. soll durch fehlerhafte Anästhesien in fünf Fällen den Tod von Patienten verursacht haben. In elf weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein.

Rausgekommen war das Ganze weil der Landesärztekammer Schleswig-Holstein im Oktober 2018 aufgefallen war, dass Meike W. – wie sie damals noch hieß – bei ihrer Anmeldung als neues Kammermitglied eine gefälschte Arzt-Zulassung vorgelegt haben muss.

Zwischenzeitlich hatte Meike W. sogar zwei Doktortitel geführt: Den der Medizin, den sie nie erworben hatte, und den der Biochemie. Letzterer wurde ihr inzwischen aberkannt, weil sie auch dort geschummelt hatte.

Wollte Bürgermeisterin werden

2012 wollte Meike W. in Bad Emstal Bürgermeisterin werden – als Kandidatin der SPD. Allerdings erhielt sie nur 34,4 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Ralf Pfeiffer kam auf 59,5 Prozent und blieb Bürgermeister. Schon damals zeigte sie sich als schlechte Verliererin. Nach ihrer Niederlage sagte sie noch am Wahlabend: „Ich hatte gehofft, dass sich Bad Emstal für Intelligenz entscheidet. Mein Leben geht jetzt weiter, das von Bad Emstal nicht.“ Wie man sich irren kann.

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