„Mein Papagei könnte noch leben“: Peter Koch wirft Feuerwehr vor, Hilfe verweigert zu haben

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Nach 32 Jahre ist seine Schulter leer. Peter Koch sagt: „Die Feuerwehr hat meinen Riko auf dem Gewissen“.

Kassel. Über 32 Jahre lang lebte Peter Koch mit seinem Papagei Riko in Rothenditmold zusammen. Nun ist sein geliebter Vogel tot. Die Schuld dafür gibt er der Kasseler Feuerwehr.

„Ich werfe der Feuerwehr unterlassene Hilfeleistung vor. Riko könnte noch leben“, berichtet Koch. Letzte Woche hatte Koch beim Verlassen der Wohnung vergessen, dass Riko noch auf seiner Schulter saß. „Als ich es bemerkte, hatte ich die Haustür schon geöffnet. Aus Schreck durch den Straßenlärm flog Riko schlagartig auf einen Baum in der Nähe. Wir haben alles versucht ihn dort wieder herunter zu locken. Aber er kannte ja diese Situation nicht und hatte Angst. Er ist immer weiter nach oben geklettert. Er traute sich nicht zu uns zu fliegen.“ Da der Tierfreund keine hohe Leiter hatte und man für den hohen Baum eine Drehleiter benötigte, um an den Vogel zu kommen, rief Koch bei der Feuerwehr an.

„Am Telefon sagte man mir, dass es kein Notfall sei und die Wehr nicht ausrücken werde. Angeblich seien so die Vorschriften.“ Stellt sich natürlich auch die Frage, ob der Vogel nicht weggeflogen wäre, wenn die Feuerwehr angerückt wäre? Koch ist sich sicher: „Wenn ich mit der Drehleiter nach oben gegangen wäre, hätte ich ihn einfangen können. Riko wäre wieder auf meine Schulter geflogen.“

 "Als es dunkler wurde, reagierte Riko immer nervöser. Und ist zuletzt einfach in die Dunkelheit über die Häuser hinweg geflogen Wir haben ihn noch gesucht, aber nicht gefunden."

„Zwei Tage später fanden Passanten dann Riko tot auf der Straße. Die Leute, die ihn gefunden haben, haben ihn mitgenommen und über Facebook wurde nach den Besitzern gesucht.“ Koch kann den Verlust nur schwer verkraften und macht deshalb der Feuerwehr den Vorwurf. Für Koch war Riko nicht nur ein Vogel, sondern wurde über den Lauf der Jahre für ihn wie zu einer Bezugsperson. „Für Riko war ich das natürlich auch.“ Er kann nicht verstehen, warum die Feuerwehr ihm nicht geholfen hat. „In Ahnatal wurde letztes Jahr eine Katze von der Feuerwehr aus einem Baum gerettet, warum wurde das auch nicht für Riko getan?“

Das sagt die Feuerwehr: „Kein Notfall“ 

Auf EXTRA TIP-Anfrage bei der Feuerwehr teilte Einsatzleiter Thomas Schmidt mit, dass die Feuerwehr natürlich ausrücke, wenn Tiere in Lebensgefahr seien. Dass sei bei dem Vogel aber nicht ersichtlich gewesen. Hinzu komme: Es sei schwierig, einen entflogenen Vogel einzufangen. „Herr Koch rief bei uns an und wollte, dass wir ihm eine Drehleiter zur Verfügung stellen, damit er hoch klettern kann – aber das geht natürlich nicht.“ So habe man ihm geraten, dass er sich doch Hilfe bei einem Dachdecker suchen solle. Einen Vogel vom Baum zu holen, sei ohnehin schwierig: „Beim Geräusch der Drehleiter hätte sich der Vogel sicher erschreckt und wäre weg geflogen.“ Schmidt stellt nochmal klar: „Bei Lebensgefahr für das Tier kommt die Feuerwehr natürlich. Egal, um welche Tierart es sich dabei handelt.“

Koch merkt an: Das für den Vogel Lebensgefahr besteht, haben wir der Feuerwehr gesagt. Aber das spielte für sie keine Rolle, bestanden darauf es sein kein Notfall. Sie haben uns bei mehrfachen Telefonaten emotionslos abserviert. Am Anfang schien sogar der Feuerwehrmann davon auszugehen, dass sie ausrücken werden, weil er sagte: "Das wird aber teuer für sie". Ich hätte den Einsatz natürlich bezahlt. Ich fragte, wie teuer es denn werden könne, er lies mich warten und kam dann wieder mit ungefähr dem Satz: "Das ist kein Notfall wir rücken nicht aus"... Davon ist die Feuerwehr auch später nicht mehr abgewichen... Dachdecker konnten wir leider keine erreichen...(es war Samstag). Natürlich kann man Vögel mit einer Drehleiter retten. Darüber gibt es genug Berichte im Internet, wie Feuerwehren dies getan haben. Wie die Feuerwehr behaupten kann, dass ausgerechnet ein Papagei, im Winter mit Regenankündigung nicht in Lebensgefahr ist, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Im Übrigen hat in einem RTL-Interview ein Papageienexperte bestätigt, dass Riko kaum eine Chance hatte zu mir herunterzufliegen... Ich bin an die Öffentlichkeit gegangen, weil ich nicht will, dass andere Menschen hier in Kassel auch so von der Feuerwehr im Stich gelassen werden. Ich habe das also nicht für mich getan, denn meinem Riko kann man jetzt nicht mehr helfen...

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