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Metze: Wilderer hat wieder zugeschlagen

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Schlimmer Anblick. Dem Rehbock wurde der Kopf abgetrennt. © Privat

Sammelt er Trophäen? Kopf von „Perückenrehbock“ abgetrennt

Niedenstein. Bereits im Sommer 2019 berichten wir von einem mutmaßlichen Wilderer, der im Gebiet Metze und den umliegenden Dörfern (Kirchberg, Wichdorf, Ermetheis) sein Unwesen trieb. Jagdpächter Arndt Kemper, dessen Jagdaufseher Stefan Kugler sowie Jost Weber – damals Berufsjäger beim Kasseler Holzhandelsunternehmen Jordan – hatten einen Rehbock und Wildschweine gefunden, deren Abschuss nach ihrer Ansicht auf das Konto eines Wilderer ging.

Jetzt – anderthalb Jahre später ist abermals ein totes Tier aufgetaucht, von dem Arndt Kemper sagt: Dessen Tod kann nur ein Wilderer verursacht haben. „Denn“, so Kemper, „dem Rehbock wurde der Kopf abgeschnitten. Der Rumpf war nicht angeknabbert oder angefressen... es war ein glatter Schnitt.“ Gefunden worden war das Tier am Mittwoch, 9. März, gegen 11 Uhr am Ortseingang von Metze – aus Gudensberg kommend. „Angesichts dessen, dass das Tier noch nicht steif war, ist davon auszugehen, dass es in der vorherigen Nacht getötet wurde. Kemper hat Strafanzeige gestellt bei der zuständigen Polizeistation in Fritzlar.

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Der Jagdpächter. Arndt Kemper hat bei der Polizeistation in Fritzlar Strafanzeige gestellt. © Privat

1.000 Euro Belohnung

Und er behält die Belohnung aufrecht, die er schon vor zwei Jahren ausgelobt hat. „Jedem, der uns Hinweise geben kann, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, zahle ich 1.000 Euro“, sagt Kemper.

Und der Metzer hat einen Verdacht: „Vermutlich handelt es sich bei dem Rehbock um einen Perückenbock (siehe EXTRA INFO). Wir hatten nämlich ein solchen in unserem Revier. Und der ist jetzt verschwunden. Köpfe von Perückenböcken sind bei Jagdtrophäensammlern sehr beliebt. Und sie bringen viel Geld – manche über 1.000 Euro.“

Gerade wegen der schrecklichen Bluttat von Kusel – Ende Januar hatte ein Wilderer dort zwei Polizisten erschossen – hat der jetzige Vorfall von Metze mehr Aktualität denn je. „Über die Beweggründe des Wilderers können wir nur mutmaßen. Ob er geschossenes Wild abtransportiert oder einfach nur aus Spaß tötet, wissen wir nicht“, hatte Kemper schon 2019 gesagt, „das ist letztendlich aber auch völlig egal. Wilderei ist kein Kavaliersdelikt. Dieses Subjekt gefährdet Menschenleben.“ Und wie weit der Wilderer gehen würde, wenn er denn erwischt würde, das will sich Kemper gar nicht vorstellen.

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EXTRA INFO

Perückenbock

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Der Verdacht. Bei dem getöteten Tier könnte es sich um einen sogenaannten Perückenbock handeln. © StromBer aus Wikipedia

Ein Perückenbock ist ein männliches Reh (Rehbock), das wegen des Ausfalls der Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron (durch Krankheiten, Verlust oder Verletzung der Testikel) nicht mehr in der Lage ist, ein einwandfreies Geweih zu bilden. Die Knochensubstanz des Geweihes und insbesondere der Bast (die während der Geweihbildung das Geweih versorgende Haut) wuchern und das Wachstum kommt nicht zum Stillstand, so dass sich Gebilde formieren, die äußerlich an eine Turmfrisur oder Allongeperücke erinnern. Die Wucherungen können sich über das gesamte Haupt erstrecken und die Augen des Tieres bedecken. Das Tier ist in seiner Lebensweise, auch in der Nahrungsaufnahme, stark behindert und meistens nicht fortpflanzungsfähig. Quelle: Wikipedia

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