Mies abgezockt: Alleinerziehende musste 663 Euro an Schlüsseldienst zahlen

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Anja M. mit der Rechnung des Schlüsseldienstes, gegen den sie mittlerweile Anzeige erstattet hat.

Kurz nicht aufgepasst und schon steht man vor der verschlossenen Wohnungstür. So passierte es Anja M., die von einem unseriösen Schlüsseldienst abgezockt wurde.

Baunatal.  Dass der Reformationstag am 31. Oktober ein Feiertag war, kam Anja M. aus Baunatal teuer zu stehen. Am Dienstagabend stand die alleinerziehende Mutter vor verschlossener Tür und wählt die Nummer des ersten Schlüsseldienstes, der bei der Google-Suche erschien. Doch leider gehörte diese 0800-Nummer zu einer großen Internetplattform, die Schlüsseldienste vermittelt, ob seriös oder nicht. Ein junger Herr mit Hauptsitz in Essen und Essener Wagenkennzeichen tauchte schließlich in ihrem Treppenhaus auf. Nach mehrmaligen Versuchen, die Tür zu öffnen, holte er sich telefonische Hilfe, zerbohrte das Schloss, bekam die Tür dennoch nicht auf und konnte schließlich nur mit Hilfe des Stiefvaters von Anja M. die Tür mit heftigem Druck und einer Schlüsselkarte öffnen. Kosten der Aktion: 663,42 Euro für die Arbeit einer guten halben Stunde. Allein der Ersatz für das erfolglos und damit unnötig demolierte Schloss soll 180 Euro gekostet haben. Hinzu kamen der Feiertagszuschlag von 100 Prozent, sodass die Einsatzkosten von 159 Euro mal zwei berechnet wurden.

Die überteuerte Rechnung zeigt den „kulanten Feiertagsaufschlag von ‘nur’ 100 Prozent“ und den überflüssigen neuen Zylinder für 180 Euro.

Der gesamte Monatslohn der Baunatalerin ist nun weg und sie völlig verzweifelt. „In meiner Not hab ich die Rechnung gar nicht genau hinterfragt. Erst am nächsten Morgen ist mir die enorm hohe Summe komisch vorgekommen.“ Auf Nachfrage bei dem Schlüsseldienst erhielt der EXTRA TIP die Antwort, dass die Rechnung völlig in Ordnung sei. Der Feiertagszuschlag sei gerechtfertigt und noch fair, würden doch andere Schlüsseldienste in solchen Fällen bis zu 250 Prozent aufschlagen. Der Name des vermeintlichen Retters soll dennoch nicht genannt werden. Anja M. versucht jetzt, wenigstens einen Teil des Geldes zurückzubekommen und hat Anzeige bei der Polizei erstattet. „Natürlich möchte ich den guten Mann für seine Dienste bezahlen, aber diesen hohen Betrag kann ich nicht akzeptieren.“

Wie man in der Notsituation richtig handelt und einen seriösen Schlüsseldienst findet, erklärt die Verbraucherzentrale. 

Tipps von der Verbraucherzentrale

- Hinterlegen Sie einen Notfallschlüssel bei Nachbarn oder Freunden, die in der Nähe wohnen.

- Suchen Sie sich schon im Voraus einen seriösen Schlüsseldienst in Ihrer Nähe und notieren Sie sich die Nummer auf einem Zettel, den Sie unter die Türmatte legen. So haben Sie im Ernstfall einen ortsansässigen Ansprechpartner parat und müssen nicht auf die Schnelle suchen.

- Schildern Sie am Telefon genau Ihr Problem. Ist die Tür nur zugefallen oder abgeschlossen? So kann der Monteur alles nötige Werkzeug einpacken und Sie einen Festpreis verhandeln.

- Unterschreiben Sie keine Blanko-Rechnung. Die ortsüblichen Gebühren für eine normale Türöffnung liegen bei 80 bis 100 Euro. Abends oder am Feiertag bei bis zu 160 Euro.

- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, bedrängen oder drohen. Bei einer Nötigung können Sie die Polizei rufen.

- Wenn man schon bezahlt hat, kann man sich an die Verbraucherzentrale Kassel wenden und über eine schriftliche Aufforderung und ein gerichtliches Mahnverfahren versuchen, das zu viel bezahlte Geld zurück zu verlangen – mit sehr guten Aussichten.

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