Mietaufschub: Mieter schützen – nicht Vermieter in die Pleite treiben

+
Der Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke warnt angesichts des Mietenmoratoriums der Bundesregierung vor Anarchie auf dem Wohnungsmarkt.

Haus & Grund: Das Mietenmoratorium der Bundesregierung ist keine Maßnahme des Mieterschutzes, sondern treibt Vermieter in die Pleite. Nicht jeder Vermieter kann das leisten, nicht jeder Mieter ist bedürftig.

Kassel. „Wir haben von Beginn an vor diesem Gesetz gewarnt. Ohne einen Fonds, der die Mietzahlungen übernimmt, stehen Millionen private Vermieter vor dem finanziellen Aus“, sagte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke in Berlin. Wenn große Unternehmen wie Adidas, Deichmann und andere jetzt reihenweise ihre Ladenmieten nicht mehr bezahlten, sei das ein Dammbruch. Die Folgen würden nicht nur in der Immobilienwirtschaft verheerend sein, sondern weit darüber hinaus.

Warnecke machte die Bundesregierung und in erster Linie das SPD-geführte Bundesjustizministerium für diese Entwicklung verantwortlich. Er warf zudem den Konzernen vor, ihre Position der Stärke gnadenlos auszunutzen. „Wenn die Bundesregierung dieses Gebaren nicht umgehend stoppt und dafür sorgt, dass Verträge eingehalten werden müssen, haben wir über kurz oder lang Anarchie auf dem Wohnungsmarkt“, warnte der Verbandspräsident. Er betonte, dass in der jetzigen Situation Solidarität gefordert sei.

„Viele Vermieter, die dazu finanziell in der Lage sind, zeigen sich solidarisch gegenüber ihren Mietern. Aber nicht jeder Vermieter kann das leisten und nicht jeder Mieter ist per se bedürftig. Wo es Probleme gibt, muss das Gespräch gesucht werden. Und wenn Mieter krisenbedingt nicht zahlen können, muss der Staat einspringen – und zwar schnell“, forderte Warnecke.

Fakten über private Vermieter

66 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland werden von insgesamt 3,9 Millionen privaten Kleinvermietern angeboten. Sie stammen aus allen sozialen Schichten. 39 Prozent sind Rentnerhaushalte, die dringend auf Mieteinnahmen angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. 14 Prozent der privaten Vermieter sind Freiberufler, die häufig durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten. Und 22 Prozent der privaten Vermieter haben ein durchschnittliches Nettohaushaltseinkommen, das unterhalb des Medians der Bevölkerung liegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Auf bedrohliche Lage aufmerksam gemacht: Busunternehmen aus Kassel demonstrierten in Wiesbaden

In Wiesbaden hat die Busreisebranche mit einer Demo auf ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. Mit 110 Reisebussen, darunter auch viele aus dem Landkreis Kassel, …
Auf bedrohliche Lage aufmerksam gemacht: Busunternehmen aus Kassel demonstrierten in Wiesbaden

Camper dürfen wieder in Kassel übernachten

Gute Nachrichten für Camping-Fans: Nachdem der für Anfang April geplante Saisonbeginn aufgrund der Corona-Epidemie verschoben werden musste, kann der Kasseler …
Camper dürfen wieder in Kassel übernachten

Zeugen gesucht: Dieb beklaut Sportgeschäft am Königsplatz

Am Samstagabend flüchtete ein ertappter Ladendieb aus dem Sportgeschäft am Königsplatz und soll dabei wild um sich geschlagen haben, um im Besitz der Beute zu bleiben.
Zeugen gesucht: Dieb beklaut Sportgeschäft am Königsplatz

Tankstelle überfallen: Maskierter droht mit Spritze

Am Sonntagnachmittag überfiel ein maskierter Täter eine Tankstelle in der Kasseler Innenstadt. Unter Vorhalt einer Spritze erbeutete er Bargeld und konnte anschließend …
Tankstelle überfallen: Maskierter droht mit Spritze

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.