Millionenloch bei der documenta - Pleite nur haarscharf abgewendet

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Zuletzt immer wieder abgetaucht: Der künstlerische Leiter der documenta 14, Adam Szymczyk. Sein Konzept der zwei Standorte soll verantwortlich für das finanzielle Desater sein.

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt: Das Ausstellungskonzept der documenta mit seinen zwei Standorten in Athen und Kassel, hat so viel Mehrkosten verursacht, dass nur durch Millionen-Bürgschaften von Stadt und Land eine Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden konnte.

Kassel. Die diesjährige documenta geht auf die Zielgerade, am Sonntag ist Schluss. Doch die Auswirkungen der Weltkunstschau werden noch Monate ein Thema sein, möglicherweise personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Denn die schlimmsten Befürchtungen und Warnungen von Kritikern im Vorfeld der Ausstellung sind wahr geworden: Das Konzept der zwei Standorte hat so viel Geld gekostet, dass die documenta zwischenzeitlich zahlungsunfähig war. Nur eine Bürgschaft von Stadt Kassel und Land Hessen in Millionen-Höhe hat die Insolvenz abgewendet und die Gläubiger zum Stillhalten bewogen.

Aktualisiert um 12.31 Uhr

Das sagt Oberbürgermeister Christian Geselle auf EXTRA TIP-Anfrage zur beinahe Pleite:

„Als Aufsichtsratsvorsitzender kann ich bestätigen, dass mich die Geschäftsführung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH Ende August 2017 über drohende finanzielle Engpässe informiert hat. Nachdem mir dies erstmals am 28. August 2017 mitgeteilt wurde, habe ich unverzüglich eine Sondersitzung des Aufsichtsrats für den 30. August 2017 einberufen. In dieser Sondersitzung stellte die Geschäftsführung die finanzielle Lage der Gesellschaft dar. Nach einem von der Geschäftsführung aktualisierten Liquiditätsplan ist die Liquidität der Gesellschaft zunächst bis Ende September 2017 gesichert. Der Betrieb der aktuell laufenden d14 ist bis zu ihrem planmäßigen Abschluss am 17. September 2017 in jedem Fall gewährleistet.

Als Gesellschafter haben die Stadt Kassel und das Land Hessen vereinbart, dass die Liquidität der Gesellschaft auch darüber hinaus sichergestellt wird. Dazu werden derzeit Sicherheitszusagen der Gesellschafter vorbereitet, damit die finanzielle Ausstattung der Gesellschaft wieder sichergestellt wird. Die Gesellschafter sind sich der herausragenden Bedeutung der documenta für die Stadt Kassel und Land Hessen bewusst. Die documenta ist für mich untrennbar mit Kassel verbunden. Wir wollen die Fortführung der documenta in Kassel als Ausstellung zeitgenössischer Kunst von Weltrang.

Ich lege als Vorsitzender des Aufsichtsrates großen Wert auf Transparenz bei der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. Deswegen wurde die Geschäftsführung beauftragt, einen ausführlichen Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft vorzulegen. Überdies hat der Aufsichtsrat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Sonderprüfung beauftragt. Der Aufsichtsrat wird beide Berichte analysieren, entsprechende Schlüsse daraus ziehen und die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informieren.“

Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, sagte derweil:

„Die wichtigste Nachricht ist, dass die reibungslose Durchführung der documenta 14 gesichert ist. Auf Einladung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Geselle, hat eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung stattgefunden, in der die Einholung eines Gutachtens durch eine externe unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beschlossen wurde. Bisher liegt der Bericht noch nicht vor. Erst dann können weitere Auskünfte erteilt werden. Klar ist aber, dass die documenta nicht geschädigt werden darf und auch weiterhin zur ersten Adresse und Anlaufstelle für Kunstfreunde aus aller Welt zählt.“

9.06 Uhr

In einen Mantel des Schweigens hüllt sich derweil der Aufsichtsrat, der ganz bewusst keinen Einfluss auf die künstlerische Ausrichtung von Austellungsmacher Adam Szymczyk genommen hat. Bei der Kontrolle der Finanzen hat er aber dann wohl auch die Dinge erstmal laufen lassen. Nun könnte das dicke Finanz-Loch die documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff zum Stolpern bringen. Aber auch der hochkarätig besetzte Aufsichtsrat muss sich fragen lassen, ob er seinen Aufgaben nachgekommen ist.  Eine Stellungnahme der documenta-GmbH zu der Finanzsituation und eventuell hinter den Erwartzungen zurückgebliebenen Besucherzahlen steht noch aus. Nach einem eilig einberufenem Meeting möchte man sich dazu äußern.

Im Aufsichtsrats der documenta sitzen: Oberbürgermeister Christian Geselle (Vorsitzender), Staatsminister Boris Rhein (stellv. Vorsitzender), Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann (stellv. Vorsitzende), Stadtverordneter Dr.Rabani Alekuzei, Stadtverordneter Marcus Leitschuh, MdL Karin Müller, Stadtverordneter Axel Selbert, Stadtverordneter Gernot Rönz, Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes Alexander Farenholtz, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes, Staatssekretärin Dr. Bernadette Weyland Staatsminister Axel Wintermeyer.

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