Mit dem Buschtaxi durch Westafrika: Thomas Bering reiste 7.000 Kilometer von Cádiz nach Conakry 

Wieder zurück im kalten Nordhessen: Thomas Bering.
+
Wieder zurück im kalten Nordhessen: Thomas Bering.

Die Liste der Ziele, die Thomas Bering bereist hat, ist lang und wird wegen seines „Nomaden-Gens“ – wie er schmunzelnd meint – ständig erweitert.

VON HELMUT KRÜMLER

Kassel. Besonders die weniger populären Plätze unserer Erde wecken seine Neugierde. In seinem neuen Buch „Im Schatten – Mit dem Buschtaxi durch Westafrika“ beschreibt er eine ungewöhnliche Reise entgegen den Migrationsströmen. Der gebürtige Hofgeismarer legt 7.000 Kilometer von Cádiz in Spanien bis nach Conakry in Guinea zurück, meist im Buschtaxi, seltener im Bus oder auf Eselskarren, noch mal gut fünfhundert Kilometer zu Fuß.

Besonders die weniger populären Plätze unserer Erde wecken seine Neugierde. In seinem neuen Buch „Im Schatten – Mit dem Buschtaxi durch Westafrika“ beschreibt er eine ungewöhnliche Reise entgegen den Migrationsströmen.

Insgesamt dreieinhalb Monate ist Thomas Bering in sieben westafrikanischen Ländern unterwegs, mit kleinem Gepäck: einer kleinen Digitalkamera sowie einem Rucksack für Kleidung, Bücher und Schreibutensilien. Die zahlreichen Zwangspausen nutzt der 56-Jährige, um seine Eindrücke gleich festzuhalten.

Der Trip durch Westafrika ist beileibe nicht seine erste Tour, „ich reise quasi schon mein Leben lang, ermöglicht durch Urlaub plus Abbau von angehäuften Überstunden oder durch Auszeiten“, erzählt der gelernte Bankkaufmann und selbstständige Finanzdienstleister, Doch bei der Reise nach Westafrika ist fast alles anders, als bei den vorherigen Reisen: „Schon die Motive waren gänzlich andere“, erinnert sich Thomas Bering. „Mich trieb weniger der Wunsch, landschaftliche Schönheit, eine großartige Tierwelt, spannende Metropolen, ein reiches Kulturerbe oder kulinarische Highlights kennenzulernen. Die Motivation war eher eine Reise ins Unbekannte zu machen. Quasi den weißen Fleck auf der Karte kennenzulernen, in dem Wissen, dass das Meiste, das sonst gewöhnlich zum Aufbruch lockt, dort vielleicht nicht zu finden ist“.

Besonders die weniger populären Plätze unserer Erde wecken seine Neugierde. In seinem neuen Buch „Im Schatten – Mit dem Buschtaxi durch Westafrika“ beschreibt er eine ungewöhnliche Reise entgegen den Migrationsströmen.

In der Tat: In Westafrika erlebt der Nordhesse sehr viel weniger komfortable „Erholungsoasen“, dafür viel mehr unmittelbare authentische Begegnungen mit den Menschen und deren Lebensbedingungen. Thomas Bering: „Als Reisender führst Du dort in vielen Facetten eher das Leben der Menschen vor Ort als anderswo, da selten eine luxuriöse, komfortable Ausweichmöglichkeit, wie beispielsweise ein komfortables Hotel oder ein Privattaxi, lockt. Und wenn die Bevölkerung vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre guckt, hast auch Du meist kein Wasser und keinen Strom“.

Speziell vorbereitet auf die Tour hat sich der Weltenbummler nicht. „Von meinen Reisen, weiß ich, dass weniger Gepäck meistens mehr ist. Sicherlich war ich grob orientiert, will manches im Vorfeld aber auch nicht ganz so genau wissen. Es muss immer Raum für Überraschungen und Spontaneität bleiben“. Ein guter Reiseführer sei aber immer im Gepäck, um kurzfristig benötigte Infos griffbereit oder Background-Informationen verfügbar zu haben. „Speziell für Westafrika habe ich mich im Vorfeld mit der Visa-Situation auseinandergesetzt. Gerade für eine Überlandreise durch mehrere Länder sind einige Visa scheinbar schwer bis unmöglich zu bekommen. Die gängige Visa-Praxis in den Konsulaten vor Ort ist aber oft eine andere als auf den offiziellen Websites“.

Besonders die weniger populären Plätze unserer Erde wecken seine Neugierde. In seinem neuen Buch „Im Schatten – Mit dem Buschtaxi durch Westafrika“ beschreibt er eine ungewöhnliche Reise entgegen den Migrationsströmen.

Und wie sieht es mit der Angst aus? Schließlich ging in Regionen, aus denen es sonst nur Berichte über politische Instabilität, Bürgerkrieg, Armut, Elend und Ebola gibt. „Vorsicht ja, Angst nein, denn dann dürfte ich die Reise ja gar nicht antreten“, lacht Thomas Bering und berichtet, dass er abgesehen vom Straßenverkehr, eigentlich nichts Bedrohliches erlebt habe. „Aufgrund eines Missverständnisses bin ich bei meiner Ankunft nachts in einer wirklich gruseligen, menschenleeren Gegend Conakrys gelandet, die ich nicht einfach mit dem nächsten Taxi verlassen konnte. Aber da ging es wohl eher um gefühlte, als um echte Gefahr.“ Auch manch nächtlicher Heimweg in rabenschwarzer Nacht, von keinem noch so kleinen Licht erhellt, sei stark gewöhnungsbedürftig.

Die wirkliche Herausforderung bestehe vielmehr in vielen Gegenden in der Verkehrskultur auf den Straßen. „Wenn Dein Chauffeur das uralte, marode Vehikel, in das man mit zehn weiteren Passagieren gequetscht wird - die auf dem Dach nicht mitgezählt - , in Schwung bringt, um mit entspannter Haltung und leichtem Sinn - irgendwo zwischen Gottvertrauen und Fatalismus - zum Überholen ansetzt … ja, dann schließt man am besten die Augen, achtet nicht mehr auf die Straße oder wendet sich an höhere Mächte“. Weitere große Herausforderungen? „Geduldig stundenlang in der Sonne stehen und warten, dass sich irgendein Fahrzeug in Bewegung setzt. Auf langen Überlandfahrten gemäß dem kölschen Motto „Et hätt noch immer jot jejange“, dem Fahrer zu vertrauen. Stundenlang verschwitzt, schmutzverkrustet und eingeklemmt in einem überfüllten Vehikel auszuharren in dem Wissen, die nächsten 12 Stunden kein Wasser zum Waschen zu haben. Als ich mich krank fühlte, der Psyche einzuimpfen, dass es nichts Ernstes ist und dem Körper zu vertrauen, dass er das regelt“, fallen Thomas Bering gleich so einige Momente ein.

Der 56-Jährige durchreist den in Trümmern liegenden Senegal, Regionen, in denen die Sklaverei erst 2007 abgeschafft wurde, Regionen, in denen politische Instabilität,Bürgerkrieg, Armut und Elend herrschen, erlebt das allgegenwärtige Müllchaos, doch im Mittelpunkt seiner Erzählungen stehen die sehr persönlichen Geschichten von den Hoffnungsfrohen und all denen, die nicht aufgeben. Von den Menschen, die ihn mit ihrer bescheidenen, ehrlichen Art tief beeindrucken und ihm neue Facetten der Begriffe Reichtum, Wohlstand und Glück aufzeigen, dazu eine tiefe Demut vor den Möglichkeiten, die ein privilegiertes Leben in Westeuropa bietet. Als Vater eines Sohnes hat sich seine Komfortzone nach der Tour „teils auch unbewusst“, verändert. „Auf der Heimreise erinnere ich mich deutlich an meine Irritationen, als ich beim Zwischenstopp in Casablanca den Wasserhahn aufdrehte. Das war sehr ungewohnt. Unterschwellig ungläubig registrierte ich: Es kam verlässlich und zu jeder Tageszeit einfach immer wieder Wasser aus dem Hahn. Fuhr ich Taxi, bekam ich ein Auto für mich allein und hatte niemanden auf dem Schoß. Einfach verrückt! Im Nachhinein war spannend, wie schnell man sich an Komforteinbußen gewöhnt. So richtig ist mir das aber erst bei der Rückkehr in den Wohlstandsgürtel bewusst geworden“.

Und sein Fazit? „Nun ja, ich kann es wirklich nur bedingt empfehlen, selbst bei stoischer Bedürfnislosigkeit die gesamte Strecke durch Westafrika mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zu legen.“ Wie sieht es mit den weiteren rund 9600 Kilometer Küste von Conakry bis Kapstadt aus? Thomas Bering wird sie wohl auch bereisen, denn „Et hätt noch immer jot jejange“.

EXTRA INFO: Know-How Verlag

Thomas Berings Reiserlebnisbericht erschien unter dem Titel „Im Schatten – Mit dem Buschtaxi durch Westafrika“ im renommierten Reise Know-How Verlag in Bielefeld. Das Taschenbuch im hochwertigen Druck umfasst 300 Seiten mit zahlreichen, oft doppelseitigen Fotos und kostet 15 Euro. ISBN: 978-3-8317-3497-9

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

"Sie haben meinen Charly sterben lassen"
Kassel

"Sie haben meinen Charly sterben lassen"

Fuldabrück. Ohne Betäubungsspritze konnte Hanna Huber ihren Hund nicht zum Tierarzt bringen. Doch sieben Veterinäre lehnen Hausbesuche ab.
"Sie haben meinen Charly sterben lassen"
Geflüchtete Familien sollen in Baunatal neues Zuhause finden: Gemeinschaftsunterkunft wird reaktiviert
Kassel

Geflüchtete Familien sollen in Baunatal neues Zuhause finden: Gemeinschaftsunterkunft wird reaktiviert

Jede Woche kommen zwischen 20 bis 35 geflüchtete Personen nach Baunatal. Sie werden der Kommune von Gießen zugewiesen. Die Zahl der Zuweisungen haben sich in den letzten …
Geflüchtete Familien sollen in Baunatal neues Zuhause finden: Gemeinschaftsunterkunft wird reaktiviert
300.000 Euro Schaden: Geldautomat in Vellmar gesprengt - Täter flüchten mit schwarzem Audi
Kassel

300.000 Euro Schaden: Geldautomat in Vellmar gesprengt - Täter flüchten mit schwarzem Audi

Unbekannte haben am Donnerstagmorgen einen Geldautomaten in Vellmar gesprengt. Dabei entstand ein Schaden von rund 300.000 Euro, die Polizei sucht nach Zeugen. Ob die …
300.000 Euro Schaden: Geldautomat in Vellmar gesprengt - Täter flüchten mit schwarzem Audi
„Ich wollte die Tradition bewahren“: Manuel Held übernahm die Bäckerei Bernecker
Kassel

„Ich wollte die Tradition bewahren“: Manuel Held übernahm die Bäckerei Bernecker

„Ich wollte nicht, dass die Bäckerei von einem Filialisten übernommen wird und so die Tradition verloren geht“, erzählt der 29-jährige Manuel Held, der seit dem 1. …
„Ich wollte die Tradition bewahren“: Manuel Held übernahm die Bäckerei Bernecker

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.