Mobbing von der MHK? Streit um Schlosscafé-Pachtvertrag

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Kassel. Seit 37 Jahren ist das Ehepaar El Ahl Pächter des Schloss-Cafés. Jetzt wurde von der MHK überraschend gekündigt. Und man streitet vor Gericht.

Kassel. Es ist ein ungewöhnliches Jubiläum, das Astrid und Mahmoud El Ahl in drei Jahren mit ihrem Schlosscafé in Bad Wilhelmshöhe begehen möchten: 40 Jahre würde das deutsch-ägyptische Gastronomenpaar dann schon die Gäste aus Nah und Fern mit ihrer freundlichen Art am Eingang zum Bergpark bewirten. Ob es dazu kommt, ist derweil offen: Ihr Vermieter, die Museumslandschaft Hessen-Kassel hat den beiden überraschend zum Jahresende 2013 gekündigt. Nun stehen sich die Parteien vor Gericht gegenüber. Das Schlosscafe bleibt jedoch bis auf Weiteres geöffnet.

Schon einmal, im Jahr 2008, hatte der Plan der MHK, den beliebten Gastronomen zu kündigen, für einen Aufschrei in der Kasseler Stadtgesellschaft geführt. Der Plan damals: Man wolle das Gebäude einer Gesamtsanierung unterziehen. Dazu kam es nicht, die Mittel aus dem 200-Millionen-Museums-Paket waren bei anderen Projekten weitaus dringender benötigt. Man machte die wichtigsten Arbeiten (Trockenlegung Keller, neue Terrasse) und verständigte sich in einem Vertrags-Zusatz auf eine jährliche Pachtverlängerung mit den El Ahls. Zehn Jahre lang, bis 2018, wolle jährlich prüfen, ob die Gesamtsanierung begonnen werden kann. Erst wenn das der Fall sei, solle das Pachtverhältnis gelöst werden.

Doch es kam anders. Im Jahr 2011 wollten die El Ahls ins Lokal investieren – die Bank verlangte eine Pachtsicherheit. Die Eheleute wollten sich daher mit der MHK auf eine Fünf-Jahre Verlängerung verständigen. Doch MHK-Direktor Prof. Dr. Bernd Küster schlug anderes vor, wie El Ahls Rechtsanwalt Jürgen Heyner berichtet: "Bis 2015, keinen Tag länger”, sei als Frist gesetzt worden. Dann müssten die El Ahls auch aus der Wohnung über dem Lokal ziehen. Wohlgemerkt: Dafür ist ein anderer Mietvertrag gültig.Man einigte sich nicht, bei den Schlosscafé-Pächtern ging mal also von einer jährlichen Vertragsverlängerung aus – solange nicht die Generalsanierung in Sicht ist."Der Pachtvertrag mit der Familie El Ahl ist zum 31.12.2013 offiziell ausgelaufen”, teilte MHK-Sprecherin Lena Pralle auf EXTRA TIP-Anfrage knapp mit. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, wolle man sich nicht weiter dazu äußern. "Im Juli wird eine Entscheidung erwartet”, stellt Lena Pralle dann mehr Informationen in Aussicht. Dem Vernehmen nach soll die MHK nicht mit der "konzeptionelle Ausrichtung” des Cafés zufrieden gewesen sein. "Dabei haben wir doch jeden machbaren Vorschlag unseres Verpächters einer Blaupause gleich umgesetzt”, versichert Mahmoud El Ahl.

Auf einmal war  der Parkplatz dicht

Vor vollendete Tatsachen wurden die Schlosscafé-Pächter schon vor einigen Wochen gestellt: Die Zufahrt zu den elf zum Objekt gehörenden Parkplätzen war mit einem Schloss versperrt. Neuer Besitzer: Die Eheleute Jochinger, die zur Zeit das benachbarte Schloss-Hotel für seine Eröffnung nach umfangreichen Umbaumaßnahmen in wenigen Tagen vorbereiten. Nach EXTRA TIP-Informationen hatte das Hessische Finanzministerium bereits im Juni 2012 einen Erbbaurechtsvertrag mit den Schlosshotel-Eigentümern geschlossen, ihnen die über Jahrzehnte zum Café zugehörigen Flächen übereignet.

Was damit in Zukunft geschehen soll, ist offen. Für eine Stellungnahme waren Monika und Gerhard Jochinger nicht zu erreichen.

ZWISCHERUF

Undurchsichtiges Treiben

Es mag Gründe geben, weshalb sich ein Vermieter von einem Gastronomen trennt.1. Er zahlt seine Miete nicht.2. Er feiert wilde Flatrate-Saufparties oder anderes, das zu Beschwerden führt.3. Sauberkeit oder Freundlichkeit lassen zu wünschen übrig.Alle drei Punkte darf man getrost vergessen, wenn es um die überraschende Kündigung des Pachtvertrages mit der Familie El Ahl im Schlosscafé geht. Ein Vorzeige-Betrieb, der seit 1977 besteht, allen Widrigkeiten wie langen Baustellenphasen erfolgreich getrotzt hat. Beliebt ist bei Kasselern und Gästen aus aller Welt. Es stellt sich also die Frage, was die wahren Gründe sind, die das Land Hessen – vertreten durch die MHK – dazu bewegen, diese langjährige Partnerschaft platzen zu lassen. Doch dazu schweigt man. Klar ist währenddessen, wie ernst es das Land bei den Verhandlungen gemeint haben kann – wenn jetzt herauskommt, dass man hinter dem Rücken des Pächters die zum Objekt gehörigen Parkflächen einfach abzwackte. Das ist kein guter Stil. Wenn der Vermieter das Land Hessen ist, müsste man anderes erwarten dürfen. Oder etwa gerade dann nicht?

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