1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Kassel

Mobilitätsexperte Prof. Holzapfel erklärt: Umweltzone ohne Effekt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Rainer Hahne

Kommentare

Eine Umweltzone dürfte von älteren Dieselfahrzeugen ohne grüne Plakette nicht befahren werden. 	Archivfoto: Sorems
Eine Umweltzone dürfte von älteren Dieselfahrzeugen ohne grüne Plakette nicht befahren werden. Archivfoto: Sorems © Lokalo24.de

Chefredakteur Rainer Hahne im Interview mit Verkehrswissenschaftler Prof. Dr. Helmut Holzapfel.

Kassel. Dürfen demnächst Besitzer älterer Dieselfahrzeuge nicht mehr nach Kassel? Im EXTRA TIP-Gespräch erklärt der Mobilitätsexperte Prof. Dr. Helmut Holzapfel, was mit der geplanten Umweltzone auf uns zukommt.

ET: Warum sind Sie gegen die Umweltzone?Holzapfel: Mittlerweile haben fast alle Fahzeuge eine grüne Plakette. Für die wenigen, die noch übrig geblieben sind, sollte man eine Ausnahmegenehmigung beantragen können. Vom Effekt her würde die Umweltzone nicht viel bringen. Viel Aufwand, wenig Ertrag.

ET: Warum wird überhaupt darüber nachgedacht?Holzapfel: Grund für die Überlegungen sind Gesundheitsprobleme durch Stickoxide. In Deutschland sterben mehr Menschen durch Stickoxide als durch Verkehrsunfälle – pro Jahr 7000. Besonders betroffen sind Kinder und Asthmatiker.

ET: Wie entstehen Stickoxide und was machen sie?Holzapfel: Es klingt unglaublich, aber Stickoxide sind die Folge besserer Verbrennung im Dieselmotor. Das gilt insbesondere für moderne Pkw. Lkw haben oft schon sogenannte Entstickungsanlagen, die mit Harnsäure funktionieren. Stickoxide heißen übrigens nicht umsonst so. Sie greifen die Lunge an und erschweren das Atmen.

ET: Die Umweltzone bringt in diesem Fall also nichts. Was wäre aus Ihrer Sicht die richtige Lösung?Holzapfel: Minister Dobrindt hat über Jahre geschlafen und Pkw-Hersteller wie VW haben die Gesetzeslücken genutzt und Fahrzeuge gebaut, die teilweise nur im Test die Stickoxide reduzieren. Mittlerweile gibt es Motoren, die alle neuen gesetzlichen Bestimmungen erfüllen. Und es gibt Methoden, ältere Fahrzeuge nachzubessern. Insbesondere VW hat es durch enorme technische Klimmzüge geschafft, ältere Motoren nachzubessern.

ET: Was muss also gemacht werden?Holzapfel: Wir müssen jetzt so schnell wie möglich dafür sorgen, dass die Fahrzeuge nachgebessert werden. Das ist auf jeden Fall billiger als die sinnlose Einrichtung einer Umweltzone. Und wie schon gesagt, für ältere Diesel sollte es noch für eine Übergangsfrist bis 2021 geben.

ET: Wer ist jetzt gefragt? Wer muss aktiv werden?Holzapfel: Garantiert nicht die Kommunen, sondern die Bundes- und Landesminister. Die Länder – im Fall Hessen die Umweltministerin Hinz – haben leider völlig sinnloserweise den schwarzen Peter den Städten – in Kassels Fall dem Baudezernenten Christof Nolda – zugeschoben. Die Bundes- und Landesminister sollten lieber darüber nachdenken, wie sie die Besitzer älterer Fahrzeuge Hilfen beim Übergang zukommen lassen können. Alles ist besser als die Einrichtung einer Umweltzone.

ET: Wie sollen demnächst saubere Autos gekennzeichnet werden?Holzapfel: Gekämpft wird von unabhängigten Fachleuten darum, dass saubere Autos mit einer blauen Plakette mit einer 5 gekennzeichnet werden.

Auch interessant

Kommentare