Mobilitätswende made in Kassel: Start-up Veload fertigt Schwerlastenräder für die Stadt

Veload
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Mühelos soll die Fahrt mit dem Veload stets sein - auch wenn man mal bis zu 200 Kilogramm Gepäck transportiert.

Klimafreundlich in der Stadt mit schwerem Gepäck unterwegs sein, dabei keine Abstriche beim Ladevolumen machen und das alles ohne Auto? Klingt im ersten Moment unmöglich, ist es aber nicht. Das Kasseler Unternehmen Veload fertigt Schwerlastenräder und bietet eine Alternative zum Auto oder Kleintransporter.

Gehören Sie eher zum Team Auto? Oder sind Sie im Team Fahrrad? Dazwischen scheint es ja kaum etwas zu geben, also muss man sich schon entscheiden. Das Thema Mobilitätswende wird viel und heiß diskutiert. Das wohl häufigste (und nicht unbegründete) Argument für das Auto und gegen das Fahrrad und auch Lastenrad in der Stadt: „Mehr als meine Einkäufe bekomme ich damit nicht transportiert und meinen Umzug schon mal gar nicht!“

Die Antwort darauf hat das Kasseler Start-up Veload, das Schwerlastenräder herstellt und damit das Auto in der Stadt überflüssig macht. „Die Frage, die wir uns gestellt haben, lautete: Wie kann man in der Stadt große Dinge ohne Auto transportieren?“, sagt Fabian Berger von Veload. Die Antwort geben sie jetzt mit ihren Schwerlasträdern, von denen schon ein paar durch Kassel und auch eins durch Nürnberg fährt.

Gefertigt wird natürlich in Kassel: Annette Holl, Fabian Berger und Alex Wehfritz in der Werkstatt.

2019 als studentisches Projekt gestartet, ging das Unternehmen Veload 2021 an den Start und fertigt jetzt im Science Park Schwerlastenräder mit Elektroantrieb. Dort arbeiten Fabian Berger, Alex Wehfritz und Anette Holl gerade am nächsten Veload Modell, dass noch diese Woche fertig sein soll. Dabei ist nicht jedes Veload gleich, die Anforderungen sind aber immer dieselben: „Es sollen immer zwei Personen mitfahren können, es muss mühelos sein, eine Europalette draufpassen und 200 Kilogramm transportieren können“, erklärt Berger.

„Die Plattform Bauweise im „Kofferraum“ wird standardmäßig verbaut, dann wird zusammen mit dem Kunden entschieden, wie man die Waren, Bauteile oder Produkte am besten verstauen kann.“ Die Kunden? Richtig, denn gerade bei Unternehmen ist das Interesse an einem Veload groß. „Es ist nicht unser Ziel, dass jede Privatperson ein Schwerlastenrad besitzen sollte, wir verfolgen mit Blick in die Zukunft eher den Sharing-Ansatz, bei der die Räder auch ausgeliehen werden können und ständig in Bewegung sind“, sagt Fabian Berger.

Ein Schwerlastenrad von Veload kostet dabei um die 10.000 Euro. Rechtlich gilt das Veload als Pedelec, kann also überall abgestellt werden, wo auch Fahrräder und E-Bikes abgestellt werden dürfen. Und wenn der Gehweg zu schmal ist, dann sucht man sich einen „richtigen“ Parkplatz und zieht einen Parkschein – auch das geht. Man muss das Veload auch nicht versichern oder einen PKW-Führerschein besitzen. Gefahren werden darf auf der Straße und auf Fahrradwegen.

Bislang sind die Schwerlastenräder in Kassel und Nürnberg im Einsatz: Für ein Foto machen Annette Holl, Alex Wehfritz und Fabian Berger eine kurze Pause im Nordstadtpark. 

Noch in Planung sind Veload-Modelle mit Solarmodulen, über die der Akku während des Parkens geladen wird. Momentan dauert ein kompletter Ladevorgang fünf Stunden, die zwei mitgelieferten Akkus haben zusammen eine Reichweite von rund 100 Kilometern. Die verbaute Technik des Velaods orientiert sich am herkömmlichen Fahrrad, da musste das Rad nicht neu erfunden werden, was aber auch einen praktischen Vorteil hat. „Wir bieten einen Reparatur- und Wartungsservice, aber theoretisch könnte auch jede Fahrradwerkstatt bei Problemen helfen.“

Das neuste Modell von Veload.

Über das Radio die neusten Hits hören geht nicht, da ist das Auto noch klar im Vorteil. „Eine Frage stellen wir uns immer wieder: Wie nah wollen wir dem Auto kommen? Fest steht auf jeden Fall, dass wir das Auto nicht kopieren, sondern die Vorteile des Fahrrads beibehalten wollen“, sagt Fabian Berger.

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