Mordfall Knorrstraße: Angeklagter gesteht Tat - zuvor fühlte er sich von Geistern verfolgt

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Am Tatort: Polizisten suchen in der Knorrstraße nach Hinweisen zum Mord an Shpetim Aloci.

Maurice K. muss sich vor dem Kasseler Landgericht wegen Mordverdacht verantworten. Dass er auf Shpetim Aloci geschossen habe, bestritt er am ersten Prozesstag nicht. Maurice K. erklärte, er habe bei der Tat unter Drogen gestanden, unter Verfolgungswahn gelitten und zuvor Geister gesehen.

Kassel. Eigentlich sei er ein feinfühliger Mensch. Deshalb sei er umso erstaunter, dass er die vielen Schüsse gar nicht wirklich wahrgenommen habe. Das verlas der Anwalt von Maurice K. (27), der sich jetzt wegen des Mordes an Shpetim Aloci vor dem Kasseler Landgericht verantworten muss. Er soll am 1. August 2019 gegen 0:30 Uhr den 21-Jährigen mit sieben Schüssen getötet haben. Der Angeklagte stritt am ersten Prozesstag nicht ab, auf Aloci geschossen zu haben. Sein Drogenkonsum war ebenfalls Thema in der Verhandlung, bei der es auch teilweise um Geister, Schattenwesen und wirre Verschwörungstheorien ging, an die Maurice K. noch vor einem Jahr glaubte.

Die Staatsanwaltschaft wirft Maurice K. vor, heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt zu haben. Der Angeklagte soll sich am 29. Juli mit Shpetim Aloci und einem gemeinsamen Freund im Langen Feld in Kassel getroffen haben, um dort mit einer Walther P22 zu schießen.

Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen Maurice K. und Shpetim Aloci, weil sich der Angeklagte weigerte, an einem Rap-Battle teilzunehmen. Zwei Tage später kam es nachts zu einem erneuten Treffen mit dem gemeinsamen Freund. Zuvor soll der Angeklagte schon gedroht haben: „Wenn er etwas Falsches sagt, bringe ich ihn um.“ Die beiden sollen sich dann Chips, Kakao und Durstlöscher an der Elan-Tankstelle auf der Frankfurter Straße gekauft und sich auf eine Bank in der Knorrstraße gesetzt haben. Als Shpetim Aloci den gemeinsamen Freund anrief, weil er dazu kommen wollte, soll der Angeklagte die Walther P22 gezogen haben.

Der gemeinsame Freund soll den 21-Jährigen noch telefonisch gewarnt haben, nicht zum Treffen zu erscheinen. Laut Staatsanwaltschaft nahm Shpetim Aloci die Warnung aber nicht ernst und wollte sich mit dem Angeklagten versöhnen. In der Knorrstraße schoss Maurice K. dann gegen 0:30 Uhr mindestens sieben Mal, die Projektile trafen Shpetim Aloci in der Hand, am Gesäß, am Oberkörper und am Rücken.

Die Schüsse sollen gegen 0:30 Uhr am 1. August 2019 in der Knorrstraße gefallen sein und hatten einen großen Polizeieinsatz ausgelöst.

Maurice K. schilderte die Ereignisse ein wenig anders. Er sprach aber nicht selbst, sein Anwalt Mustafa Üstün verlas die sieben Seite lange Einlassung für seinen Mandanten. Beim Treffen am Langen Feld habe Aloci ihm und seiner Familie gedroht, hieß es. Aloci habe auch sexuelle Andeutungen gemacht und ihn als „Wichser“ bezeichnet. Das spätere Opfer soll sich bei dem Treffen mit der Pistole an der Hand verletzt und ihn dann aufgefordert haben, sein Blut von der verletzten Hand zu trinken. In besagter Nacht habe er mit dem gemeinsamen Freund Marihuana und Spice geraucht. Shpetim habe ihm zuvor erneut gedroht. Zu der Zeit habe er sich verfolgt gefühlt – nicht nur von Shpetim Aloci.

Als er dem späteren Opfer mit der Waffe in der Knorrstraße gegenüber stand, sei er sich sicher gewesen, dieser habe ebenfalls eine Waffe dabei und wolle ihn töten. Sein Freund hätte ihn dann aufgefordert zu schießen, aus Reflex hätte sich ein Schuss gelöst. Er habe einen zweiten Schuss abgegeben weil er glaubte, Shpetim Aloci würde zurückschießen. Die weiteren Schüsse könne er sich nicht erklären. Er floh, habe aber noch gesehen, wie der gemeinsame Freund den am Boden liegenden Shpetim gefilmt habe. Wenig später wurde er in der Wohnung seiner Ex-Freundin festgenommen. Wie Maurice K. an die Waffe gelangte, soll im weiteren Verlauf des Prozesses geklärt werden.

Geister und Verschwörungstheorien

Er sei zu dieser Zeit nicht er selbst gewesen, hieß es in der Einlassung des Angeklagten. Er habe Drogen wie Kokain, Marihuana und Spice konsumiert, Schulden gehabt und das Studium lief schlecht. Bei der Befragung durch eine Sachverständige gab Maurice K. an, häufiger starke Muskelkrämpfe gehabt zu haben. Er fühlte sich von Menschen, aber auch Schattenwesen und Geister verfolgt und glaubte, alle Handlungen seien vorherbestimmt. Zudem sah er für ihn bestimmte Zeichen an Hauswänden und war empfänglich für sämtliche Verschwörungstheorien.

Die nächste Verhandlung ist für Freitag, 15. Mai, angesetzt.

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