MT-Derbyserie gerissen: Melsungen verliert in Wetzlar

Handball Bundesliga, HBL, HSG Wetzlar - MT Melsungen
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Arnar Freyr Arnarsson (li.) und Kai Häfner stoppen Wetzlars Olle Forsell Schefvert.

Die beeindruckende Serie der MT Melsungen von sieben Hessenderby-Siegen in Folge ist gerissen. Denn am Sonntag, dem 14. Spieltag in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga, behält die HSG Wetzlar mit 31:28 (16:15) die Oberhand. Vor 884 Zuschauern in der Wetzlarer Rittal Arena hatten die Gastgeber in den beiden Rückraumschützen Stefan Cavor (8 Tore) und Lenny Rubin (7) ihre stärksten Akteure. Bei der MT Melsungen überzeugten vor allem Torwart Nebojsa Simic (15 Paraden) und als treffsicherste Schützen Kapitän Kai Häfner (6 Tore) und Timo Kastening (6 Tore, davon zwei Siebenmeter). 


Handball. Das Match begann so, wie Derbys beginnen müssen, mit einem schnellen Schlagabtausch. Noch keine Minute ist vorüber, da steht es 1:1. Beide Kontrahenten haben ihren jeweils ersten Vorstoß erfolgreich abgeschlossen – Emil Mellegard für Wetzlar, Kai Häfner für Melsungen. Die ohne Finn Lemke und Tobias Reichmann angereisten Nordhessen sind also genau wie die Gastgeber vom Start weg hellwach.

Das bestätigt bei der MT auch sogleich Nebojsa Simic, der Lenny Rubin, dem aktuell führenden Torschützen in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga, den ersten Wurf abkauft. Den folgenden schnellen Melsunger Angriff kann Wetzlar nur aufgrund eines siebenmeterreifen Fouls an Timo Kastening beenden. Der Gefoulte tritt selbst an und bringt seine Farben mit 1:2 nach vorn. 

Die nächsten Minuten gehen in flottem Wechsel weiter, die HSG gleicht aus, die MT legt vor oder umgekehrt. Nach einer Parade von Nebojsa Simic gegen den frei vor ihm auftauchenden Olle Forsell Schefvert und einem weiteren Treffer von Kai Häfner liegt die MT erstmalig mit zweien vorn (4:6, 7. Min.). Eine Führung, die sie aber nur bis zum 5:7, nach einem herrlichen Schlagwurftreffer von Elvar Örn Jonsson, aufrechterhalten kann (9.). Denn im Gegenzug schraubt sich wieder Lenny Rubin hoch, trifft aus der “zweiten Etage” zum Anschluss.

Erstmalig nach gut 20 gespielten Minuten wendet sich das Blatt zugunsten der Hausherren. Nach erneuter Glanztat von Nebojsa Simic, diesmal gegen Ivan Srsen, und dem 9:9 durch Elvar Örn Jonsson, sorgen Ex-MT’ler Felix Danner und Adam Nyfjall für eine Zwei-Tore-Führung Wetzlars. In der verbleibenden Spielzeit bis zum Pausenpfiff schaffen es die Grünweißen, tonangebend zu bleiben. Die MT kann in dieser Phase maximal jeweils den Anschluss herstellen, aber nicht mehr egalisieren.

Dabei war die Chancenverwertung in diesem ersten Durchgang absolut im normalen Rahmen, genauso, wie die noch gegen Hamburg zu beklagende Fehlerquote. Es waren eher einzelne Ausreißer, die zu diesem knappen Pausenrückstand führten. So musste man nach einem unglücklichen Wurf und einem Ballverlust einen Gegentreffer und nach einer schellen Wetzlarer Mitte einen dritten ins jeweils verwaiste Tor hinnehmen.  

Was die erste Spielhälfte aber auch schon gezeigt hat: Wetzlar wollte Melsungen mit einer aggressiven Abwehr aus dem Konzept bringen. Die Ballhalter wurden attackiert, aus der Grundformation rückte man ihnen teilweise auch schon 10 Meter vor dem Tor eng auf den Leib. Dadurch gelang es zum Beispiel, die Kreise von Julius Kühn arg einzuengen.

So knüpft die HSG mit Wiederanpfiff an ihr Spiel aus den ersten 30 Minuten nahtlos an. Die MT versemmelt ihren ersten Vorstoß, postwendend markiert Olle Forsell Schefvert das 17:15. Julius Kühn antwortet im Gegenzug mit dem 17:16. Die Vorarbeit hatte Nebojsa Simic mit einer Parade gegen Lenny Rubin geleistet. Kurz darauf entzaubert der Melsunger Schlussmann auch HSG-Spielmacher Alexander Feld. Die MT ist wieder am Drücker.

Elvar Örn Jonsson gewinnt das “1 gegen 1” gegen Adam Nyfjall und will abziehen. Doch der schwedische Kreisläufer, 102 kg schwer, greift dem MT-Spielmacher derbe in den Wurfarm – Disqualifikation nach 33 gespielten Minuten. Per Strafwurf erzwingt Timo Kastening den Ausgleich. 40 Sekunden später fängt der inzwischen in der Abwehr jeweils für Kai Häfner kommende Alexander Petersson ein verunglücktes Wetzlarer Zuspiel ab und bringt die MT mit 17:18 ins leere HSG-Gehäuse wieder nach vorn. 

Kann sich Melsungen jetzt etwas Luft verschaffen? – Nein. Denn Wetzlar erwiest sich weiterhin als hartnäckiger Konkurrent, gibt keinen Zentimeter Boden her und weiß auch im Angriff immer wieder Nadelstiche zu setzen. Etwa nach dem Timeout von Trainer Ben Matschke, als Lenny Rubin zum 19:19 ausgleicht – ungewöhnlich für den 2,04 Meter langen Distanzschützen, mit einem “Dreher” in der Nahwurfzone. Dem prompt Timo Kastening das 19:20 folgen lässt (37.).

Nach zwei Wetzlarer Treffern stellt Roberto Garcia im Angriff um auf “Sieben gegen Sechs”. Das fruchtet im übernächsten Vorstoß, in dem Marino Maric, jetzt zweiter Kreisläufer, herrlich bedient von Julius Kühn, zum 22:21 aufschließt. Womit der beiderseitige Abnutzungskampf seine Fortsetzung erfährt. Zwar zunächst mit leichten Vorteilen für die Gastgeber, aber die Rotweißen bleiben dran. Und belohnen sich sechs Minuten vor dem Ende mit der Führung zum 26:27. Yves Kunkel hatte einen Strafwurf verwandelt und kurz darauf konnte dessen Pendant auf der rechten Seite, Timo Kastening, nach einer “Simo”-Parade gegen Rubin, diesen knappen Vorsprung herstellen. Die Crunchtime versprach damit also weitere Derbyspannung.

Nachdem Sprungwurfschütze Stefan Cavor mit seinem achten Treffer ausgleicht und im Gegenzug ausgerechnet Kai Häfner, an diesem Abend effizientester MT-Werfer, mit einem Dreher am inzwischen für Till Klimke im Kasten stehenden Anadin Suljakovic scheitert, befördert Olle Forsell Schefvert das Spielgerät zum 28:27 ins leere MT-Tor (57.). Ein Treffer, der einem Nackenschlag gleicht, den die Nordhessen nicht mehr verdauen. Nach einem letzten Wetzlarer Timeout erzwingt Torjäger Lenny Rubin zwei Minuten vor dem Ende mit einem verdeckten Wurf zum 29:27 die Vorentscheidung. Die anschließenden drei Tore, zwei für die Grünweißen, eins für die Rotweißen, ändern nichts mehr an Wetzlars Hessenderbysieg, dem ersten nach sieben Niederlagen in Folge.

Kai Häfner auf SKY: In der Schlussphase hätte das Spiel nach beiden Seiten kippen können. Uns haben heute Kleinigkeiten gefehlt. Wir spielen eigentlich recht gut, versäumen es aber in einigen Situationen, jeweils das Tor zu machen. Die Handschrift unseres Trainers ist schon deutlich zu erkennen, wenngleich wir es noch nicht schaffen, das Niveau über 60 Minuten hinzukriegen. 

HSG Wetzlar – MT Melsungen 31:28 (16:15) 

HSG: T. Klimke (1.-52. Min., 7 Paraden / 25 Gegentore), Suljakovic (52.-60. Min.; 2 P. / 3 GT) – Feld 1, Srsen, Nyfjall 2, O. Klimke, Mirkulovski, Danner 4, Weissgerber, Holst 1, Forsell-Schefvert 4, Mellegard 3, Rubin 7, Novak 1, Cavor 8 – Trainer Ben Matschke.

MT: Simic (1.-60. Min.; 15 Paraden / 31 Gegentore), Heinevetter (n.e.) – Maric 1, Kühn 2, Kunkel 2/1, Jonsson 4, Arnarsson 3, Allendorf, Gomes 1, Kalarash, Häfner 6, Petersson 1, Fuchs, Kastening 6/2, Pavlovic 2 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

Schiedsrichter: Fabian Baumgart (Neuried) / Sascha Wild (Offenburg)

Zeitstrafen: 4 Min. – 6 Min. (Rubin, 02.:47 Min.; Nyfjäll, 32:48 Min. – Arnarsson, 11:59 und 24:52 Min., Kalarash, 13:20 Min.); Disqualifikation Nyfjäll, 32:48 Min.

Strafwürfe: 0/0 – 3/4 (Kastening scheitert an Suljakovic, 41:37 Min.)

Zuschauer: 884, Rittal Arena Wetzlar

Das nächste Spiel:
Do., 09.12.21, 19:05 Uhr, HBW Balingen-Weilstetten – MT Melsungen, Sparkassen-Arena Balingen 

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