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MT macht Drei-Tore-Rückstand wett: 20:19-Sieg über Lemgo

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Von: Ulf Schaumlöffel

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Kai Häfner genügten vier Treffer, um als bester Melsunger Schütze notiert zu werden.
Kai Häfner genügten vier Treffer, um als bester Melsunger Schütze notiert zu werden.  © Foto: ALIBEK KAESLER

Vor 4.237 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle feierte die MT Melsungen beim 20:19 (12:9)-Sieg gegen den TBV Lemgo einen ganz hart erkämpften positiven Jahresabschluss.

Kassel Vor 4.237 Zuschauern in der Kasseler Rothenbach-Halle feierte die MT Melsungen beim 20:19 (12:9)-Sieg gegen den TBV Lemgo einen ganz hart erkämpften positiven Jahresabschluss. Spannend von Anfang bis Ende, zwischenzeitlich gestaltet als Wechselbad der Gefühle, beendet mit einer grandiosen Kampfmoral der Rot-Weißen. Die nach drei Toren Halbzeitvorsprung und einem ebenso hohen Rückstand Mitte der zweiten Hälfte zum Schluss unwiderstehlich zurückkam. Herausragend auf beiden Seiten die Torhüter, bescheiden die Torjäger: Kai Häfner genügten vier Treffer, um als bester Melsunger Schütze notiert zu werden. Bei den Gästen war Niels Versteijnen (5) am treffsichersten.
 
Das Lazarett der MT lichtete sich gegen Ende des Jahres noch ein wenig, so dass „nur noch“ die Langzeitverletzten Finn Lemke, Timo Kastening, David Mandic und Domagoj Pavlovic der Partie von der Tribüne aus folgten. Alle anderen, also auch Ivan Martinovic, waren einsatzbereit. Weniger heftig, dafür an empfindlicher Stelle, sahen sich die Lemgoer nach dem Ausfall von Stammtorhüter Urh Kastelic (Meniskusriss) getroffen. Fanden aber in dem mazedonischen Nationalkeeper Borko Ristovski ebenso namhaften wie starken Ersatz.
 
Der überließ den Platz zwischen den Pfosten allerdings Finn Zecher, an den die MT aus dem 2021er DHB-Pokalfinale gar keine gute Erinnerung hatte. Der allerdings gegen den ersten Wurf von Arnar Freyr Arnarsson absolut chancenlos war – 1:0 (1.). Es ging also gut los für die Gastgeber, denn Nebojsa Simic, diesmal mit dem Vorzug gegenüber Adam Morawski, verbuchte sofort seine erste Parade auf dem Konto. Und konnte sich in der Folge erst einmal auf seine von Arnarsson und Gleb Kalarash gut organisierte Abwehr verlassen.
 
Die zwang den TBV durch geschicktes Verschieben und aufmerksames Stopfen aller Lücken bei nahezu jedem Angriff ins passive Spiel oder aber zum Wahrnehmen von Halbchancen. So hatte Nebojsa Simic keinerlei Schwierigkeiten mit dem Versuch von Isaias Guardiola und Tim Suton, vorn machten Kai Häfner und Julian Fuchs jeweils ziemlich kurzen Prozess: 5:2 (9.). Insgesamt wenig Tore also, was sowohl an Finn Zechers Blitzreaktion gegen Julian Fuchs von außen lag, als auch am gehaltenen Siebenmeter von Nebojsa Simic gegen Samuel Zehnder. Nach beiderseits zähem Ringen waren die Gäste durch Jan Brosch wieder auf 6:5 dran (17.).
 
Trainer Roberto Garcia Parrondo wechselte im Rückraum komplett durch. Es kamen Andre Gomes beziehungsweise in der Defensive für ihn Julius Kühn, Ivan Martinovic und Elvar Örn Jonsson. Der im Innenblock der Deckung Rogério Moraes an die Seite gestellt bekam. Völlig neues Spiel also und neue Aufgaben für Lemgo, was Florian Kehrmann zur ersten Auszeit zwang; zu schwer taten sich seine Spieler mit dieser neuen Situation. Bekamen dann jedoch durch Zeitstrafen eben gegen dieses neue Innen-Duo innerhalb von nur 16 Sekunden plötzlich viel Platz (22.).
 
Den sie sofort zu nutzen wussten. Niels Versteijnen glich zum 8:8 aus (23.), mehr Ungemach verhinderte Nebojsa Simic gegen Lukas Hutecek. Immer noch in doppelter Unterzahl machte Andre Gomes gar die neuerliche Führung klar (25.). Treffer blieben einstweilen dennoch absolute Mangelware, weil sich Simic und Zecher mit ihren Rettungstaten gegenseitig hochschaukelten. Erst zwei Minuten vor der Pause stellte Ivan Martinovic mit dem 10:8 erstmals auf zweistellige Torausbeute, Julian Fuchs legte sogar zum 11:8 nach. Lemgo blieb bei neun stehen, weil Samuel Zehnder zwölf Sekunden vor dem Pausenpfiff traf, nach einer schnellen Auszeit Parrondos machte Martinovic dann praktisch mit der Sirene doch noch das Dutzend zum Halbzeitstand voll.
 
Nach dem Wechsel dauerte es nur Sekunden, bis Lukas Hutecek erstmals traf. Und auch die nächsten Erfolge von Arnar Freyr Arnarsson sowie Tim Suton und Samuel Zehnder ließen nicht lange auf sich warten. Völlig verändertes Bild also im zweiten Durchgang, nach gerade einmal zweieinhalb Minuten hatte es bereits viermal geklingelt und die Blau-Weißen waren auf 13:12 herangerückt (33.). Danach war zwar wieder harter Abwehrkampf angesagt, der aber von Lemgo weitaus erfolgreicher geführt wurde. Tim Suton drehte die Begegnung mit dem 13:14 (37.) erstmals in Richtung TBV, Roberto Garcia Parrondo reagierte flugs mit einer Auszeit.
 
Nichts war übrig von der Stabilität in der Hintermannschaft aus dem ersten Durchgang, vorn regierte ebenfalls die Nervosität ob der neuen Situation. Der nächste Ballverlust, der nächste Gegenstoß, der nächste Treffer: Jan Brosch völlig frei zentral vom Kreis: 13:15 (37.). Zum Glück ließ sich Lemgo etwas anstecken, von der Melsunger Bank kamen eindeutige Signale: als ein Pass des TBV jenseits der Bande landete, sprang Adam Morawski höchstselbst über die Bank nach hinten und feuerte seinen Kollegen Simic bei Übergabe des Leders an der Seitenlinie lautstark an. Indes, es nutzte nur partiell. Das Spiel der Nordhessen nach vorn blieb fahrig und fehlerbehaftet, Nebojsa Simic dagegen glänzte mit einer Monsterparade gegen den völlig freien Gedeon Guardiola (14:15, 42.).
 
Er allein konnte es aber nicht richten, dazu brauchte es schon auch noch Impulse vorn. Einen lieferte Kai Häfner mit prima Zweikampfverhalten im Alleingang über Halbrechts zum 15:16 (46.). Weniger erfolgreich war Arnar Freyr Arnarsson, der mit viel Platz um sich herum an Finn Zecher scheiterte. Derlei Geschenke nahm Niels Versteijnen dankend an und erhöhte per Doppelpack auf 15:18 (48.). Lemgo obenauf, Melsungen in Not. Es fehlten die zündenden Ideen, das 16:18 durch Elvar Örn Jonsson per Aufsetzer aus der zweiten Reihe entsprang bei angezeigtem passivem Spiel eher der Not zum Abschluss denn geregelter Vorbereitung, danach scheiterte Florian Drosten auf dem Weg zum Anschluss am immer stärker gewordenen Finn Zechel (51.).
 
Als Initialzündung in der Schlussphase diente, wie so oft, auch diesmal wieder eine Parade von Simic, der den per Kempa-Anspiel bedachten Niels Versteijnen spektakulär stoppte. Als wieder Versteijnen im nächsten Versuch im Spiel Sieben gegen Sechs nur den Pfosten traf, reagierte Ivan Martinovic am schnellsten und feuerte das Spielgerät vom eigenen Kreis aus zu 17:18 in die Maschen (51.) – gefolgt von der nächsten Rettungstat von Simic gegen Hutecek und dem Ausgleich durch Agustin Casado. Die Begegnung war plötzlich wieder offen.
 
Auf dem Anzeigewürfel unter der Hallendecke zeigte die Spieluhr 52 Minuten und 50 Sekunden an, da drohte das Dach darüber wegzufliegen. Nebojsa Simic hatte soeben den zweiten Siebenmeter des Spiels gegen Samuel Zehnder gehalten und damit einen wahren Orkan ausgelöst. Der an Intensität noch zunahm, als Aidenas Malasinskas in Unterzahl per Siebenmeter zum 19:18 (55.) die Führung zurückholte. Große Teile der Halle standen bereits jetzt und hüpften um die Wette, als Florian Drosten zum 20:18 einwarf (56.).
 
Lemgo kam allerdings nach seiner letzten Auszeit noch einmal zurück, war sogar zweimal auf dem Weg zum wiederholten Remis. Mit einem Feldspieler mehr war dann erst Simic auf dem Posten und im nächsten Versuch landete der Pass im Aus. Mit 40 Sekunden Rest auf der Uhr starteten die Hausherren in ihren vermeintlich letzten Angriff, der der entscheidende sein sollte. Er war es nicht, weil Agustin Casado an Finn Zechel scheiterte. Erst als Emil Buhl Laerke bei bereits abgelaufener Uhr mit dem finalen Freiwurf am Block der MT hängen blieb, waren die zwei hart erkämpften Punkte auf dem Konto der Nordhessen fix.
 
Stimmen zum Spiel
 
Roberto Garcia Parrondo: Wir sind sehr glücklich über diese zwei Punkte aus einem sehr engen Spiel gegen einen starken TBV Lemgo. Wir wollten das Jahr unbedingt mit einem Sieg beenden, das war unser wichtigstes Ziel. Unser Spiel war in der ersten Halbzeit recht gut, wir haben vor allem eine sehr gute Abwehr gespielt und sind verdient mit drei Toren Vorsprung in die Halbzeit gegangen. In der zweiten Hälfte waren wir dagegen 20 Minuten richtig schlecht. Zwar weiter ordentlich in der Abwehr, aber im Angriff mit zu vielen Fehlern. Es waren viele Chancen da, aber wir haben sie nicht reingemacht. In der Schlussphase hat die Mannschaft den Sieg dann unbedingt gewollt und nochmal richtig dafür gekämpft.
 
Florian Kehrmann: Glückwunsch an die MT zum Sieg. Bei einem Ausgang mit nur einem Tor spricht man nicht gern von einem verdienten Sieg, aber Handball ist nun einmal ein Ergebnissport. Trotzdem großes Lob an meine Mannschaft. Wir wussten, die mannschaftliche Geschlossenheit ist für uns eine Möglichkeit, hier etwas mitzunehmen. Gescheitert sind wir, weil wir drei, vier Bälle in der entscheidenden Phase nicht reingemacht haben. Das ist schade, denn ein Unentschieden wäre wohl das verdiente Ergebnis gewesen. Es waren Kleinigkeiten heute, sonst hätten wir es fast geschafft, die große MT zu schlagen.

Die nächsten Spiele:
So., 12.02.23, 16:05 Uhr, Bergischer HC – MT Melsungen, Uni Halle Wuppertal
Do., 16.02.23, 19:00 Uhr, MT Melsungen – SC DHfK Leipzig, Rothenbach-Halle Kassel

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