Musizieren per Videochat: Lehrende der Musikschule Harleshausen unterrichten online

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Haben auf Online-Musikunterricht umgestellt: (v.li.) Elli Ittner, Susanna Weber, Gesche Arndt und Anika Dietel.

Coronabedingt mussten in der Musikschule Haleshausen zunächst sämtliche Unterrichtsstunden ausfallen. Über die Lockerungen sind die Lehrenden, die komplett auf Online-Unterricht umgestellt haben, noch verunsichert.

Kassel. Für gewöhnlich erfüllen harmonische Melodien das Wohnhaus im Krauthof 6B. Seit Ende März ist es in den Räumlichkeiten der dortigen ‚Musikschule Harleshausen e.V.‘ jedoch sehr still geworden, sämtliche Lehrstunden mussten zunächst abgesagt werden. „Schon vor den Versammlungsbeschränkungen wollten fünf Familien aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus nicht mehr kommen und haben mir abgesagt“, erzählt Gesche Arndt, die unter anderem den Gruppenunterricht und die musikalische Frühförderung für Ein- bis Zweijährige mit deren Eltern gestaltet. Da habe sie bereits große finanzielle Einbußen für sich und ihre Kollegen befürchtet.

„Überwältigt war ich allerdings, als mir dann zahlreiche Eltern während unserer Schließung versicherten, dass sie weiterhin die Unterrichtsbeiträge zahlen möchten“, sagt Gesche Arndt. Unterstützt wurden die sechs Lehrenden aber auch von ihrem Vermieter, Harleshausens Ortsvorsteher Reinhard Wintersperger. Da die Räumlichkeiten den gesamten April über leer stehen, verzichtet er zugunsten der Musikschule auf die Monatsmiete. Aus der Not heraus haben die Lehrenden außerdem ihr Unterrichtsangebot komplett umgestellt und musizieren derzeit digital über verschiedene Videochat-Anbieter mit den Schulkindern. Die Erfahrungen im virtuellen proben von Gitarre, Klarinette, Geige oder Klavier fallen dabei ganz unterschiedlich aus.

„Alle meine Kollegen geben sich die größtmögliche Mühe. Der Online-Unterricht funktioniert aber nicht mit Gruppen, sondern nur im Einzelunterricht“, betont Gesche Arndt. Ebenfalls ein gemeinsames Spielen der Lehrenden mit den Schülern sei nicht möglich, da die Übertragung von Ton und Bild oftmals verzögert sei. Gerade für Gesangslehrerin Susanna Weber ist die nicht zufriedenstellende Klangqualität ein großes Problem. „Manchmal ist die Qualität des Tons schwer hörbar und es ist daher schlecht einzuschätzen, ob es am Spiel des Schülers oder der Übertragung liegt“, ergänzt Elli Ittner. Die Klarinettenlehrerin sieht aber auch einige Vorteile im digitalen Musikunterricht: „Unser Kontakt zu den Eltern und Schülern ist dadurch nicht abgerissen und die Kinder wirken in ihrem häuslichen Umfeld wesentlich konzentrierter beim Unterricht.“

Seit Kurzem ist das persönliche Musizieren bei einer stark begrenzten Personenanzahl offiziell wieder gestattet, die Lehrenden der Musikschule Harleshausen sind über die Lockerungen allerdings verunsichert. „Nach mehreren Anrufen beim Gesundheitsamt habe ich erfahren, dass wir zu sechst musizieren dürfen. Wir können aber nicht genau sagen, wie wir das nun wieder umsetzen sollen“, erklärt Gesche Arndt. Mit den personellen und räumlichen Gegebenheiten sei der Unterricht auf diese Weise kaum durchführbar. Ihre Früherziehungsgruppen teilt die Flötistin mit dem Einverständnis der Eltern derzeit auf und unterrichtet jeweils drei Kinder zusammen in der Schule. Auch wenn sich schrittweise wieder an persönlichen Unterricht heran getastet wird, bleiben einige von Gesche Arndts Kollegen vorerst beim digitalen Musikunterricht.

Gemeinsam blicken die studierten Musiker aber schon hoffnungsvoll auf den 20. September. Dann soll das große Lehrerkonzert, das Anfang Mai wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, mit verschiedenen Ensemble-Beiträgen in der Kapelle am Stockweg nachgeholt werden.

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