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NABU will Schäfer auf die Rückkehr der Wölfe vorbereiten

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Von: Rainer Hahne

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Kann über die ‘schnelle Eingreiftruppe Herdenschutz’ kaum noch lachen: Schafzüchter Hubert Dissen.	
Foto: Soremski
Kann über die ‘schnelle Eingreiftruppe Herdenschutz’ kaum noch lachen: Schafzüchter Hubert Dissen. Foto: Soremski © Lokalo24.de

Nordhessen: Die "Schnelle Eingreiftruppe Herdenschutz", initiiert vom NABU, soll Schäfer bei der Abwehr gegen Wölfe helfen.

Kassel. Schafzüchter Hubert Dissen kann nur noch den Kopf schütteln. Der Naturschutzbund (NABU) will die letzten Schäfer auf die Rückkehr der Wölfe vorbereiten.

Zur Vorbereitung der Rückkehr hat die NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf eine Schulung für ehrenamtliche Herdenschützer im Nationalen Naturerbe "Weinberg Wetzlar" veranstaltet.

"Mit unserer ‚Schnellen Eingreiftruppe Herdenschutz‘ möchten wir Schafhalter dabei unterstützen, sich auf die Rückkehr des Wolfs nach Hessen optimal vorzubereiten", erklärt Ausbildungsleiterin Isa Rössner. Die ehrenamtlich aktiven Herdenschützer helfen auf Anfrage von Schafhaltern beim fachgerechten Aufbau von Schutzzäunen gegen mögliche Wolfsübergriffe.

Im Mittelpunkt der Fortbildung standen die Aspekte Nahrungsbedarf, Wiederkehr des Wolfs nach einem Jagderfolg, Anzahl jagender Wölfe pro Familie und typisches Verhalten an Schutzzäunen. Im Praxisteil der Fortbildung übten sich die Teilnehmer anschließend darin, unter fachkundiger Anleitung selbst einen wolfssicheren Zaun aufzustellen. "Viele Teilnehmer waren davon beeindruckt, was man beim Zaunbau alles berücksichtigen muss, um Wölfe von der Herde fernzuhalten", so Rössner. Mit einem optimierten Herdenschutzzaun sei es aber möglich, den Schutz von Wölfen und Schafen weitgehend in Einklang zu bringen.

Soviel Theorie und Praxis steht Hubert Dissen sprachlos gegenüber. "Ja, glauben die denn allen Ernstes, es reicht, einmal die ‘Schnelle Eingreiftruppe Herdenschutz’ anzurufen und mit denen einen Zaun zu bauen?"

365 Tage sei man mit den Schafen unterwegs. Zäune werden ständig gebaut. "Ein wolfsdichter Zaun ist eine immense Zusatzbelastung. Zwei Stunden Mehrarbeit sind das mindestens. Und an vielen Stellen ist so ein Zaun gar nicht machbar."Dissen ist sauer. Für ihn ist das nur eine Ablenkung. In Hessen werde bisher nämlich kein Cent Entschädigung gezahlt, wenn ein Wolf ein Schaf töte. Bisher ist das noch nicht passiert. "Rund um uns herum sind die Wölfe bereits. In Norddeutschland hat ein Rudel bereits ein 600 Kilo schweres Rind gerissen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis bei uns was passiert."

Dann könne man ja die Fragen stellen, ob der Schäfer einen wolfsdichten Zaun gebaut habe. Und ob es wirklich ein Wolf gewesen sei. Und brauche im Zweifel nicht zu bezahlen.

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