Nach 70 Jahren: Adam Richter und Sohn Maschinenfabrik schließt

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Die Adam Richter und Sohn Maschinenfabrik in Hessisch Lichtenau schließt. Hoffnung gibt es nur für die Mitarbeiter der Richter Maschinenfabrik AG.

Hessisch Lichtenau. Nach 70 Jahren macht die Adam Richter & Sohn Maschinenfabrik in Hessisch Lichtenau endgültig die Tore dicht. Inhaber Axel Richter hat nur noch eine Hoffnung: "Die Mitarbeiter der Richter Maschinenfabrik AG wollen weitermachen.”  Ob es gelingt, entscheiden die Gerichte.

Vor Monatsfrist hatte Axel Richter allen Mitarbeitern beider Firmen die Kündigung übergeben müssen. Aufträge waren zwar noch da, doch das Geld für den Materialkauf fehlte.  Eine schwere Zeit für Richter, der mit 70 Jahren natürlich nicht

bereit war, auf einmal für Landesbürgschaften zu unterschreiben. "Dazu kam noch, dass von einem Tag auf den anderen 26 von 32 Schweißern urplötzlich todkrank waren und bis heute nicht wieder arbeiten können”, schüttelt Richter den Kopf.

Von Mitarbeitern enttäuscht

Den letzten Auftrag für die Adam Richter & Sohn Maschinenfabrik musste er von Lohnschweißern erledigen lassen.Verständnis dafür hat er nicht.  "Ich habe immer zum Teil weit über Tarif bezahlt. Und dann so etwas.”  Es seien zwar durchaus Interessenten da gewesen, um die Firmen zu übernehmen, doch die Krankenwelle habe jedes Interesse erstickt.Ganz anders war und ist die Stimmung in der Richter Maschinenfabrik AG. "Hier müssen wir kein Material kaufen”, erklärte Richter. "Wir erhalten die fertigen Rohteile und bearbeiten sie. Fräsen, bohren. Hier sind die Mitarbeiter auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, ihnen die Hallen und die Maschinen zu vermieten. Sie wollen weitermachen.”

Dazu ist Richter gern bereit. Man merkt ihm an, dass es ihm schwer fällt, die Adam Richter & Sohn Maschinenbau abzuwickeln. Schweigend geht er durch die schon leeren Hallen, in denen vor kurzem noch reges Leben herrschte. Draußen auf dem Vorplatz werden die letzten Stahlvorräte und der Schrott verladen und abgefahren.  Zu gern würde er es sehen, wenn es seinen Mitarbeitern gelingen würde, wenigstens die Richter Maschinenfabrik AG am Leben zu erhalten. Doch das wird schwer. "Dort sind auch Verwaltungsangestellte und Arbeitsvorbereiter, für die es keine Arbeitsplätze mehr gibt. Aber es besteht die Möglichkeit, dass die Truppe mit bis zu 25 Mann weitermachen könnte.”

"Die Planungen, die die Leute uns vorgelegt haben, sind in sich schlüssig”, hat auch Wirtschaftsprüfer Bornemann gesehen. "Die Finanzierung steht aber noch nicht. Das gilt insbesondere für die Betriebsmittelfinanzierung.”Die größte Hürde, so Bornemann, sei aber die Klärung der Frage, ob rund zehn Mitarbeiter der AG, deren Arbeitsplätze entfallen, trotzdem Anspruch auf einen Arbeitsplatz beim Übernehmer – sprich bei ihren ehemaligen Kollegen – haben.

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