Nach Kritik: Uni Kassel veröffentlicht Gutachten zum Gendern jetzt doch

Universität Kassel
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Die Universität Kassel hat mit Verspätung ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten veröffentlicht.

Sollen Studierenden Punkte abgezogen werden wenn sie nicht gendern? Die Universität Kassel wollte ein Gutachten dazu zunächst nicht öffentlich machen, lenkte nun aber ein.

Kassel Die Universität Kassel hat mit zweiwöchiger Verspätung dass von ihr in Auftrag gegebene Gutachten zum Gendern veröffentlicht. Die Arbeit des Kölner Rechtswissenschaftsprofessors Michael Sachs soll die Frage klären, ob Studenten Punkte abgezogen werden können, wenn sie zum Beispiel kein Gendersternchen verwenden.

Denn etwas Ähnliches war zuvor passiert. Weil ein Student der Uni Kassel in seiner Studienarbeit das generische Maskulinum verwendet hatte, bekam er bei einer Teilaufgabe einen Punkt abgezogen. Am 8. Dezember kommentierte die Uni Kassel, sie fühle sich nach „früheren Einschätzungen bestätigt“. Das ganze Gutachten veröffentlichte sie aber nicht.

Das tat die Universität Kassel erst jetzt und begründete dies so: „Wir nehmen ein großes öffentliches Interesse an dem Gutachten zur Verwendung geschlechtergerechter Sprache in universitären Prüfungsleistungen wahr. Nach Rücksprache mit dem Gutachter, dem Kölner Prüfungsrechtler Prof. Dr. Michael Sachs, veröffentlichen wir es heute (20.12.) mit seiner ausdrücklichen Zustimmung auf unserer Homepage.“

Prof. Sachs Gutachten kommt zu dem Schluss, Hochschuldozenten unter bestimmten Voraussetzungen den Gebrauch gendergerechter Sprache vorschreiben können, er erkenne aber keine „allgemeine Notwendigkeit“, zum Beispiel Gendersternchen zu verwenden. „Eine allgemein anerkannte Notwendigkeit, ja auch nur Zulässigkeit (insbesondere gegenüber Kriterien der grammatischen Richtigkeit, der Verständlichkeit von Texten) der Verwendung „gendergerechter Sprache“ ist nicht festzustellen“, heißt es in dem Gutachten. „Die Bewertung ihrer (Nicht-)Berücksichtigung bei der Prüfung scheidet unter dem Aspekt der Einhaltung allgemeiner Grundvoraussetzungen für Prüfungsleistungen aus.“

Demnach kann den Studenten nicht generell vorgeschrieben werden zu gendern. Weiter heißt es zur Verwendung „gendergerechter Sprache“ als Bewertungskriterium jenseits der Festlegungen des Prüfungsstoffs:  „Als allgemeine Grundvoraussetzung, die bei Prüfungsleistungen auch ohne normative Festlegung zur Bewertung berücksichtigt werden kann, ist die Verwendung „gendergerechter Sprache“derzeit –im Gegensatz zur Einhaltung von Formalien, der Beherrschung von Rechtsschreibung und sonstigen sprachlichen Fähigkeiten (Grammatik, Ausdruck) –(noch) nicht einzustufen, weil sie sich bisher –jedenfalls außerhalb bestimmter beruflicher Betätigungsfelder –nicht als vergleichbarer Standard durchgesetzt hat.“

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