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Nach Schicksalsschlag: Gudensbergerin engagiert sich für Kinder in Westafrika

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Von: Lisa Aretz

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Zweite Heimat: Die Schüler und Schülerinnen des Collége Protestant sind Kimberly ans Herz gewachsen.
Zweite Heimat: Die Schüler und Schülerinnen des Collége Protestant sind Kimberly ans Herz gewachsen. © Kimberly Müller

2017 änderte sich das Leben von Kimberly Müller nach einem Schicksalsschlag schlagartig und heute engagiert sie sich für Kinder im westafrikanischen Togo.

Kassel 2017 änderte sich das Leben von Kimberly Müller schlagartig: Am 26.Juli starb ihr Vater Thomas bei einem Hubschrauberabsturz in Mali. Noch vor seinem Tod hatte der Vater zu seiner Tochter gesagt: „Wenn du helfen willst, dann tue doch etwas für die Kinder in Afrika.“ Nach dem Tod des Vaters wurde dieser Satz noch präsenter und heute engagiert Kimberly sich für Kinder im westafrikanischen Togo. Bei einer Hinterbliebenenreise konnten Kimberly, ihr Bruder und ihre Mutter sich noch vom Vater verabschieden. Zurück in Deutschland beschloss Kimberly, die in Kassel Französisch und Geschichte studiert, aktiv zu werden. Über mehrere Monate hinweg informierte sie sich bei etlichen Organisationen über Reisen und Hilfen in Westafrika, doch kein Angebot entsprach ihren Vorstellungen. Schließlich erzählte sie einer Professorin an der Universität Kassel von ihren Plänen. Diese wiederum stellte Kontakt zu einem Bekannten her, der seit über 40 Jahren bei einer Familie in der togoischen Hauptstadt Lomé lebt und sich im Verein Togo-Freunde Hannover engagiert.

Im Februar 2019 war es dann endlich soweit: Kimberly reiste erstmals zu der Familie nach Togo und absolvierte ein Praktikum am Collége Protestant, der mit etwa 1300 Schülern größten Schule im Land. „Meine Gefühle und Gedanken in den ersten Wochen alleine in Togo sind schwer in Worte zu fassen. Es war ein Kulturschock. Das Bild, dass das Fernsehen oder die Werbung einem von Afrika vermitteln möchten, ist nicht mit der Realität zu vergleichen.“ beschreibt die Studentin ihre ersten Eindrücke. Auch die togoischen Lebensbedingungen machen Kimberly anfangs zu schaffen. Temperaturen von 29 bis 37 Grad mit 80 bis 95 Prozent Luftfeuchtigkeit, Ventilatoren die gelegentlich den Geist aufgaben wenn der Strom ausfiel, eine Toilette, aus der regelmäßig Kakerlaken und Mäuse krochen und beim Duschen musste stehts darauf geachtet werden, dass kein Wasser in den Mund kommt, da es verunreinigt ist. „Ich war überwältigt und eingeschüchtert. Doch diesen anfänglichen Schock habe ich überwunden. Heute ist Westafrika meine zweite Heimat und die Familie und die Schüler des Collége Protestant sind mir ans Herz gewachsen.“

Mit den ersten Eindrücken im Gepäck machte sich Kimberly nach ihrer Rückkehr nach Deutschland auf die Suche nach Spenden für fehlende Schulbücher in Geschichte und Erdkunde. Sie kontaktiert Schulen, hält Vorträge zu ihren Erlebnissen, bietet Workshops an um deutschen Schülern die Kultur in Togo näherzubringen und organisiert einen kleinen Weihnachtsbasar. So konnte sie 2020 die fehlenden Schulbücher erwerben und dem Collége Protestant übergeben.

Jeder Euro hilft: Teile des Schulgebäudes sind einsturzgefährdet und Räume verschimmelt. kimberly müller
Jeder Euro hilft: Teile des Schulgebäudes sind einsturzgefährdet und Räume verschimmelt. © Kimberly Müller

Doch damit waren die großen Misstände an der Schule nicht behoben. Räume sind verschimmelt, Teile des Schulgebäudes sind einsturzgefährdet und funktionierende Sanitäranlagen gibt es kaum noch, 700 Mädchen teilen sich eine einzige Toilette. So beginnt Kimberly weiter Spenden zu sammeln. Ziel ist es das alte marode Schulgebäude durch einen Neubau zu ersetzen. Persönlich war es ihr außerdem wichtig das Neubauprojekt einem togoischen Architekten zu übergeben. So stieß sie auf Abraham Komlanvi Semanyo. Dieser fertigte Bauzeichnungen und Kostenvoranschläge an.

So liegen die Kosten für den Neubau bei etwa 105.000 Euro, 20 Prozent werden vom Verein „Togo-Freunde Hannover e.V.“ übernommen. Derzeit liegt der Spendenstand bei circa 27.500 Euro. „Oft denkt man, dass kleine Spenden nicht helfen. Allerdings sind von den 27.500 Euro circa 5000 durch „kleinere“ Beiträge von 1 bis 20 Euro eingegangen. So abgedroschen wie es sich anhört, aber jeder Euro hilft.“ Um die erforderlichen Spenden zu generieren hält Kimberly weiter Vorträge an Schulen, diskutiert mit Schülern über die Unterschiede zwischen Deutschland und Togo, bietet Workshops an, reist jedes Jahr im Februar und März nach Togo und organisiert Benefizveranstaltungen. Für den 24. September organisierte sie nun ein Benefizsportfest am alten Sportplatz in Gudensberg.

Das Programm reicht von Good Morning Yoga, Stretching und Afrika Dance über Bogenschießen und einen Vortrag über das Collége Protestant. Für die anwesenden Kinder wird außerdem Kinderschminken, eine Fußballwand, Kinderyoga und kleine Spiele angeboten. Und auch für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt. So gibt es afrikanisches Essen, Eintöpfe, verschiedene Getränke, Kaffee und Kuchen zur Auswahl. Alle gesammelten Spenden fließen in das Neubau-Projekt.

Weitere Informationen zu Kimberlys Engagement und ihrer Geschichte können außerdem unter www.togoliebe.de eingesehen werden.

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