Nach tödlichen Polizeischüssen auf 66-Jährigen: Witwe berichtet über ihr tragisches Schicksal

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Unfassbar: Einige der am Freitag aufgestellten Trauergestecke wurden kurze Zeit nach Aufstellung geklaut.

"Mein Egon sah aus, als wäre er hingerichtet worden. Ich sah eine Schusswunde im Kopf und das ganze Gesicht war blau. Zwei weitere Einschusslöcher entdeckte ich an seinen Beinen", berichtet Bärbel W.

Kassel. „Wie soll ich all das nur schaffen. Wie soll ich das ganze Leid ertragen. Ich weiß echt nicht mehr weiter“, so Bärbel W. Die Witwe des von der Polizei mit mehreren Kugeln erschossenen Mannes weiß nicht mehr weiter. Ist völlig verzweifelt. Der Mensch, den sie liebte, wurde abrupt aus ihrem Leben gerissen.

Einschusslöcher in Kopf und Beinen

„Als ich meinen Mann am Freitag in der Leichenhalle gesehen habe, bin ich zusammen gebrochen. Mein Egon sah aus, als wäre er hingerichtet worden. Ich sah eine Schusswunde im Kopf und das ganze Gesicht war blau. Zwei weitere Einschusslöcher entdeckte ich an seinen Beinen. Den Oberkörper wollte mir die Bestatterin nicht zeigen – wahrscheinlich wegen der Obduktion.“, berichtet die Kasselerin unter Tränen. Ich habe beim Bestatter noch geschrien: „Egon, mach die Augen auf und komm mit nach Hause. Ich kann es einfach nicht glauben, dass er nicht mehr da ist.“ Die Kasselerin weiß auch nicht, von was sie die Beerdigung bezahlen soll: „Ich lebe von 630 Euro Rente im Monat, wie soll ich das machen?“ „Ich habe der Polizei in meinem Zorn auch gesagt, dass die das bezahlen sollen, die das verursacht haben. Um ihre Trauer auszudrücken, stellten Witwe und Anwohner bereits letzten Freitag Trauergestecke auf und hängten Bilder an den Zaun des Wohnhauses. Doch auch in der Trauer wurden sie gestört: Im Lauf des Nachmittags wurden Blumen und Kerzen von Unbekannten geklaut. „Was gibt es nur für Leute!“

„Wir sind 24 Jahre miteinander verheiratet, nächstes Jahr hätten wir Silberhochzeit gefeiert.“ Doch dazu sollte es nicht kommen. Für Bärbel W. kam die Horrornachricht nachts um 1 Uhr: „Die Polizei klingelte mich aus dem Schlaf und sagte, dass mein Mann einen Unfall gehabt hätte. Ich fragte noch, in welchem Krankenhaus er denn nun sei? Dann sagten die Beamten, dass sie mir eine traurige Nachricht übermitteln müssten. Mein Mann sei erschossen worden.“ Laut Berichten von Staatsanwaltschaft und Polizei kam es in Vellmar im Zuge einer Verkehrskontrolle gegen 20 Uhr im Bereich Weideweg/ Kasseler Straße zum Einsatz der Dienstwaffe durch Polizeibeamte auf den Mann, der mit einem Messer bewaffnet war.

Der Kasseler soll bei der Polizeikontrolle Widerstand geleistet und das Messer gezogen haben. Daraufhin schossen mehrere Polizisten auf den Mann. Er wurde verdächtigt, betrunken einen Unfall verursacht und sich danach vom Unfallort entfernt zu haben. Der Alkoholisierte sollte zu einer Blutentnahme zu einer Polizeistation gebracht werden. Dagegen wehrte er sich mit dem Messer. Bärbel W. berichtet: „Egon war nachmittags in unsere Wochenendhütte nach Vellmar gefahren, um sie fit zu machen. Denn ab März verbringen wir immer dort die Zeit. Eigentlich wollte er abends gegen 19 Uhr wieder da sein. Ich habe mich noch gewundert, bin aber davon ausgegangen, dass er mit Freunden zusammen ist.“

 Die Witwe berichtet zum Unfallgeschehen: Auf der Rückfahrt hat er einen Alleinunfall verursacht, fuhr ein Straßenschild um und landete im Graben.“ Als er seinen Chef anrief, damit der ihn rausziehen konnte, sei auch schon die Polizei gekommen. „Ich weiß nicht, was da abgelaufen ist. Mein Mann ist nicht aggressiv.“ Ein Messer habe er immer dabei gehabt, weil er im Garten oft Blumen und kleine Äste schneide.

Wo sind Sie, Herr Polizeipräsident?

Kommentar von RAINER HAHNE

Sehr geehrter Herr Stelzenbach, in Ihrem Bereich ist ein Rentner, ein Kleingärtner, von drei ihrer Beamten erschossen worden. Er soll sie mit einem Messer angegriffen haben. Sie müssen mir jetzt nicht erklären, warum drei Beamte einen einzelnen Rentner nicht überwältigen können. Ich möchte etwas anderes wissen: Warum erklären Sie nicht auf einer Pressekonferenz, was passiert ist? In so einem krassen Fall erwarte ich, dass Sie sich öffentlich vor, neben oder hinter Ihre Beamten stellen. Stattdessen wird der Fall abgegeben. In Fulda wurde vor zwei Jahren ein Flüchtling mit 13 Schüssen getötet. Warum? Bis heute keine Antwort. So geht das nicht!

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