Nachhaltig, lecker und gut fürs Klima: Urbaner Waldgarten entsteht am Wahlebach in Kassel

Der erste Baum wurde gepflanzt: Den urbanen Waldgarten unterstützen (v.li.) Umweltdezernent Christof Nolda, Robert Döller vom Kleingartenverein Forstgelände, Waldaus Ortsvorsteher Joachim Bonn, Projektverantwortliche Antonia Hille, Stefan Meier (Projektleiter des Bezirksverbands Berlin-Süden der Kleingärtner e.V.), Gartenamts-Leiterin Dr. Anja Starick und Dr. Jennifer Schulz der Uni Potsdam.
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Der erste Baum wurde gepflanzt: Den urbanen Waldgarten unterstützen (v.li.) Umweltdezernent Christof Nolda, Robert Döller vom Kleingartenverein Forstgelände, Waldaus Ortsvorsteher Joachim Bonn, Projektverantwortliche Antonia Hille, Stefan Meier (Projektleiter des Bezirksverbands Berlin-Süden der Kleingärtner e.V.), Gartenamts-Leiterin Dr. Anja Starick und Dr. Jennifer Schulz der Uni Potsdam.

Ein kleiner Wald mit Garten und vielen essbaren Früchten soll in Kassel-Waldau am Wahlebach entstehen. Der erste Baum konnte schon gepflanzt werden - Kasseler Bürger*innen dürfen sich gerne beteiligen.

Kassel „Der Klimawandel nagt am Grün unserer Stadt. Daher müssen wir aufpassen, dass die Natur um uns herum funktioniert. Gerade in schwierigen Zeiten ist dies umso schwieriger. Ein urbane Waldgarten bietet da eine optimale Unterstützung: er ist nachhaltig und nutzbar für uns Menschen“, erklärt Umweltdezernent Christof Nolda vor zwei Wochen in der Grünfläche Wahlebach in Kassel-Waldau. Neben Berlin zählt Kassel zu den ersten, die diese Form des Urban Gardening umsetzt. An einem weiteren Standort in Kassel – vermutlich in der Marbachshöhe – soll ein zweier Waldgarten entstehen. Dabei soll der Waldgarten nicht bloß optisch als Wald angelegt werden, sondern auch zum hineingehen einladen. Denn in dem Garten soll es auch Leckeres zu entdecken geben. „Es soll auch Natur geben, in die wir reingehen, sie bewusst wahrnehmen und sie schließlich aufessen. Damit unsere Waldgärten wie hier am Standort Wahlebach funktionieren, haben wir die hohe Kompetenz aus der gesamten Bundesrepublik mit an Bord. Dazu gehören die Universität Potsdam, das Umwelt- und Gartenamt Kassel sowie das Freilandlabor Britz und die Kleingärtner hier aus Waldau“ so Nolda. Das Projekt wird über sechs Jahre wissenschaftlich betreut und die Ergebnisse ausgewertet. „Hinterher sind wir schlauer und satter“, schließt Nolda.

Auch Gartenamts-Leiterin Dr. Anja Starick freut sich, dass der erste Schritt nun getan ist. „Es sind viele kleine Schritte bei diesem Gemeinschaftsprojekt nötig und es ist schön, dass wir den ersten kleinen Schritt mit der Pflanzung dieses Apfelbaumes gegangen sind. Idealerweise wird der Urbane Stadtgarten später aus 200 Pflanzen wie Bäumen, Sträuchern und Krautern bestehen – die man je nach Saison ernten kann. Wir treiben das Projekt in Kassel für Berlin voran, während uns die Experten aus Potsdam mit Beobachtungen und Beratung zur Seite stehen, sodass man hinter feststellen kann, was gut gelaufen ist, was der Ubane Waldgarten ökologisch gebracht hat und was man auf andere Städte übertragen kann.“ Der erste Baum am Wahlebach setzt das erste Zeichen, dass auf der Grünfläche am Wahlebach etwas geschiehz und die Uni Potsdam ist schon jetzt sichtbar mit der Messstation vertreten.

Er ist der erste Baum: Der Apfelbaum der Kultursorte Gravensteiner, die seit dem 17. Jahrhundert in Dänemark und Norddeutschland bekannt ist.

Dr. Jennifer Schulz vom Institut für Umweltwissenschaften und Geographie der Uni Potsdam wird mit ihrem Team die mikroklimatischen und biologischen Effekte auswerten.

„Wie entwickelt sich der Boden, aber auch die Gemeinschaft um diesen herum. Waldgärten sind noch nicht so bekannt wie beispielsweise Streuobstwiesen, die gerne genutzt und geerntet werden“, so Dr. Schulz. „Dieses Projekt ist eine wunderbare Zusammenarbeit nicht nur von Kassel und Potsdam. Es bindet auch die Menschen vor Ort sehr früh mit ein und sie können an dem Prozess aktiv mitwirken. Wie kann die Stadt mitentwickelt werden auf diesem Fleckchen Erde? Wir wollen die Bürger kontinuierlich mit einbeziehen.“ Die Projektverantwortliche Antonia Hille ergänzt dazu: „Wir gehen im Moment davon aus, dass wir im Sommer eine Planung und verschiedene Projektgruppe sowie eine Vorstellung haben wie der Waldgarten aussehen soll. Dann können im Herbst hoffentlich die Pflanzen gekauft und gesetzt werden. Bis es soweit ist soll es temporäre Aktionen wie Gemüse-Anbau oder Sensenkurse und andere Mitmach-Baustellen geben.“ Mehr dazu unter urbane-waldgaerten.de und www.kassel.de/urbane-waldgaerten.

Der Garten wird sich erst in einigen Jahren entwickeln und sein Bild als Waldgarten erhalten. Je größer die Bäume werden, umso mehr müssen die Sträucher angepasst werden. Noch ist noch nicht genau sagbar, wie viele Bäume es werden. Dies richtet sich auch nach den Wünschen der Mitmachenden. Gepflegt werden soll der Urbane Waldgarten am Wahlebach vermutlich von einer Treiberstruktur.

EXTRA INFO: Waldgärten sind Gemeinschaftsgärten

Anders als die klassischen Gemeinschaftsgärten bestehen die Urbanen Waldgärten aus vielen essbaren Pflanzen, die in mehreren Schichten übereinander wachsen - ganz ähnlich wie die Pflanzen im Wald. So werden als oberste Schicht Obst- und Nussbäume gepflanzt, darunter verschiedene Beerensträucher gesetzt und als unterste Schicht Gemüse und Kräuter angepflanzt.

Die Pflanzen in einem Waldgarten sollen über viele Jahre an Ort und Stelle wachsen und geerntet werden können. Die beiden zukünftigen Waldgärten in Kassel sollen ihren Standort ökologisch aufwerten und die biologische Vielfalt erhöhen, CO2 speichern und das Klima verbessern. Die Förderung der Nachbarschaftsgemeinschaft ist ein weiteres Ziel; alle sind willkommen beim gemeinsamen Gestalten, Gärtnern und Ernten. Ideen, Anregungen oder Fragen? Dann melden Sie sich unter kassel@urbane-waldgärten.de

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