Das nervt nicht nur die Einsatzkräfte: Ständig Fehlalarm - Wirbel um Baustelle von Beiseförther Chemiefirma

Das Unternehmen wartet derweil auf eine Genehmigung vom Regierungspräsidium, das Firmengrundstück zum „Sondergebiet Hygiene“ umwandeln zu können. Und steht damit in der Kritik.

Malsfeld. Jedes Mal, wenn die Sirenen ertönen, erschrecke ich mich fürchterlich“, so ein Beiseförther Rentner. Grund dafür: Innerhalb der letzten zwei Wochen schlugen bei der Beiseförther Chemiefirma Dr. Schumacher zweimal die Feuermelder Alarm. Grund hierfür sind Staubaufwirbelungen. Ausgelöst wurden diese bei den derzeitigen Bauarbeiten auf dem Firmengelände.

Malsfelds Bügermeister Herbert Vaupel berichtet auf Anfrage: „Die ausführende Baufirma ist daran schuld. Deren Mitarbeiter vergessen immer eine Schutzkappe auf die Brandmelder zu stecken. Deswegen wird immer der Fehlalarm ausgelöst.“ „Das geht jetzt schon seit über zwei Jahren so“, berichtet ein Schumacher-Mitarbeiter. Weil er Angst um seinen Arbeitsplatz hat, möchte er anonym bleiben. Sagt aber ganz klar: „Wenn die bei den Bauarbeiten mal Wasser sprühen würden, käme es nicht zu so vielen Fehlalarmen.“ „Zum Glück sind es nur Fehlalarme. Aber die gehen einem echt auf den Geist. Wir sind schon genug durch den Baulärm geschädigt. Da wäre es doch schön, wenn man sonst mal seine Ruhe hat“, berichtet ein Sprecher der Interessengemeinschaft Malsfeld.

Die Anwohner prangern ebenfalls an: Beim Schichtwechsel der Mitarbeiterwird die Straße ins Dorf oft zur Rennpiste.

Insgesamt musste die Feuerwehr schon sieben Mal ausrücken. Im Jahr 2018 viermal, in 2019 dreimal. Das Bündnis kämpft schon lange gegen die Ausweitung des Produktionsstandorts. „Wir haben nichts gegen das Unternehmen an sich. Aber die Ausweitung des Produktionsstandorts im Dorf hätten Gemeindevertreter gar nicht genehmigen dürfen. So ein Chemiebetrieb gehört ins Industriegebiet.“ Durch die Ausweitung sei ein Dorfidyll zerstört worden. Hinzu komme: Durch die großen Luft- und Wärme-Gebläse-Anlagen gebe es ohnehin schon rund um die Uhr Lärm. Von Nachbarn ist zu hören, dass die Bauarbeiten auch sonn- und feiertags weitergehen. Das bedeutet: Man kommt nie zur Ruhe. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind ebenfalls genervt: „Wenn es heißt, Alarm bei Dr. Schumacher, sagen manche schon, dass sie gar keine Lust haben, sich zu melden und dorthin zu fahren. Aber natürlich müssen wir ja hinfahren. Es ist gar nicht auszudenken, wenn es dort mal wirklich brennen sollte. Aber durch die ständigen Fehlalarme geht die Aufmerksamkeit bei den Feuerwehrleuten zurück“, berichtet ein Mitglied der freiwilligen Wehr.

Das Unternehmen wartet derweil auf eine Genehmigung vom Regierungspräsidium, das Firmengrundstück zum „Sondergebiet Hygiene“ umwandeln zu können. Und steht damit in der Kritik. Zum Thema gab es bereits schon viele Versammlungen im Dorf (Der EXTRA TIP berichtete). Bekommt das Unternehmen die Umwandlung zugesagt, darf der Chemiebetrieb seine Produktionszeiten und Kapazitäten ausweiten. „Das heißt dann noch mehr Verkehr“, so der Interessengemeinschaftssprecher. Der Verkehr belastet jetzt schon die Straßen. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Bündnis auch der Verkehr beim Schichtwechsel der Mitarbeiter. Da werde die Strecke vom Firmenparkplatz ins Dorf zur Rennpiste. Und auf Vorfahrtsregeln nicht geachtet.

Schweigegeld angeboten

Weil das Unternehmen Angst hat, die Genehmigung nicht zu bekommen, versucht es laut EXTRA TIP-Infos gerade alles, um aufmüpfige Dorfbewohner zum Schweigen zu bringen. Anwohner bekommen sogar sogenannte „Nachbarvereinbarungen“ angeboten, in denen steht, dass sie eine fünfstellige Summe bekommen, wenn sie sich „nicht mehr kritisch zu dem Erweiterungsvorhaben äußern“ oder „den Widerstand gegen das Vorhaben nicht mehr aktiv unterstützen“ (entsprechende Unterlagen liegen dem EXTRA TIP vor). „Das sind doch harte Bandagen, mit denen das Unternehmen vorgeht, oder?“, so ein Anwohner. Ein Nachbar hat laut EXTRA TIP-Infos eine solche Vereinbarung schon unterschrieben. Wie sich andere verhalten werden, bleibt abzuwarten.

Gerade wird auf dem Gelände ein Hochregallager erweitert.

Die IG Malsfeld setzt sich weiterhin dafür ein, dass das geplante „Sondergebiet Hygiene“ nicht zur Umsetzung kommt. Hierbei setzt man sowohl auf einen offenen Dialog mit den Gemeindegremien als auch mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Gemeinde Malsfeld selbst. Am 19. August werden die finalen Planungsunterlagen auf der Gemeindehomepage (www.malsfeld.eu) offengelegt. Ein Sprecher der IG sagt weiter: „Bei Interesse als auch zur Unterstützung und Mitarbeit, kann sich jede/r gerne mit der IG Malsfeld auf Facebook als auch per mail unter ig.malsfeld@gmx.net in Verbindung setzen.“

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