Neue Dachmarke "Kultur in Hessen" ist Mogelpackung

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„Unser kulturelles Erbe hat großes Potential. Deshalb setzen wir uns gemeinsam für eine großzügige und umfassende Gestaltung der hessischen Kultur ein“, erklärt Kunst- und Kulturminister Boris Rhein bei der Präsentation der Info-Säulen, die ausnahmslos in Südhessen aufgestellt sind

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein hat im Nordwestzentrum die erste Info-Säule der neuen Dachmarke „Kultur in Hessen“ vorgestellt. EXTRA TIP Redaktionsleiter Victor Deutsch hält diese für eine Mogelpackung, weil sie nur die landeseigenen Einrichtungen bewirbt. 

Kassel/Wiesbaden.  Im Zeitraum von Juli bis November stehen in fünf großen Einkaufszentren im Rhein-Main-Gebiet – dem Nordwestzentrum, dem Isenburg-Zentrum, dem Main-Taunus-Zentrum, dem Hessen-Center sowie dem Skyline Plaza – Info-Säulen, um die Dachmarke „Kultur in Hessen“ und somit die einzelnen Kulturinstitutionen bekannter zu machen.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Die Info-Säulen sind eine gute Möglichkeit die Bürgerinnen und Bürger über Hessens Schätze zu informieren und ihnen Lust auf einen Besuch in unseren Kultureinrichtungen zu machen. Die ausgewählten Einkaufszentren im Rhein-Main-Gebiet werden täglich von rund 20.000 Kunden besucht. Von Juli bis November besuchen also rund 2,5 Millionen Menschen die Einkaufszentren und haben Gelegenheit, sich über die Dachmarke zu informieren.“

Mit der neuen Dachmarke „Kultur in Hessen“ wird in über 70 Jahren Hessen zum ersten Mal das Historische Erbe Hessens – die Museumslandschaft Hessen Kassel, das Landesmuseum Darmstadt, das Museum Wiesbaden, die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und das Dezentrale Archäologische Landesmuseum (Römerkastell Saalburg und Keltenwelt am Glauberg) – unter einer Dachmarke zusammengefasst.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Hessen hat mit seinen landeseigenen Museen, Burgen, Schlössern und Gärten viel zu bieten. Mit der neuen Dachmarke ‚Kultur in Hessen‘ möchten wir diese kulturelle Vielfalt noch bekannter machen und gleichzeitig dazu einladen, Hessens Schätze zu besuchen. Unser Ziel ist es, die Besucherzahlen unserer Museen, Burgen, Schlösser und Gärten zu erhöhen.“

 Um die neue Dachmarke „Kultur in Hessen“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, sind neben den Info-Säulen weitere zahlreiche Öffentlichkeitsmaßnahmen geplant.

Zwischenruf zur Mogelpackung "Hessen"

Kunstinteressierte aus der ganzen Welt schauen in diesen Tagen zur documenta nach Kassel. Aus der ganzen Welt? Nicht ganz. Denn in Wiesbaden hält man den Blick stur auf Südhessen gerichtet.

Warum also für die neue Dachmarke „Kultur in Hessen“ in der Nordhessenmetropole werben, wo dort gerade nur zehntausende Kulturinteressierte entlangschlendern? Dann doch lieber in den fünf großen Einkaufszentren im Rhein-Main-Gebiet werben.

Und so geschah es. Für fassungsloses Kopfschütteln dürfte auch die  Tatsache sorgen, dass die so aufwendig und auch kostspielig geschaffene „Dachmarke“ ein löchriges Dach für die Kultur im schönen Hessenland ist. Denn nur die landeseigenen Museen, Burgen, Schlösser und Gärten finden sich da wieder.

Wie schön wäre es doch, wenn – am Beispiel Kassels bleibend – auch die vielfach ausgezeichnete Grimmwelt, das besondere Museum für Sepulkralkultur oder etwa die documenta einen Platz gefunden hätten. Wer nun meint, sich auf der Internetseite über die „Kultur in Hessen“ informieren zu können, wird getäuscht.

 Es ist geradezu anmaßend, auf eine Präsentation der Schätze des Landes zu verweisen und die echten Perlen in der Kulturlandschaft einfach mal totzuschweigen, nur weil sie nicht in der Verwaltung des Landes stehen.

Hier wird dreist eine Mogelpackung aufgerissen, das eigene Süppchen gekocht und lächelnd serviert, während die engagierten Museumsmacher unter städtischer Obhut auf die leeren Teller starren. Das wird auch dem Besucher der Internetseite nicht schmecken.

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