Neue Hoffnung nach Krebsdiagnose: Stammzelltransplantation rettete Christian Stieg

+
Christian Stieg hat dank der Spende eine neue Chance auf ein gesundes Leben.

Der Tag, der Christian Stieg neue Hoffnung schenkte, war ein heißer Mittwoch im vergangenen Juli. An diesem Tag bekam der 36-Jährige Stammzellen eines anonymen Spenders – sie werden sein Leben retten.

Kassel. Im Herbst 2017 erhielt der Heiligenröder die Diagnose, die seinen Alltag auf den Kopf stellt: Lymphdrüsenkrebs. Der 14 Zentimeter-große Tumor (ein Lymphom) sitzt hinter der Lunge. In seinem Fall ist eine Operation nicht möglich, sodass die Ärzte es zunächst mit Chemotherapie versuchen. Der sonst so gesellige Hobbyhandballer wird unter Quarantäne gestellt, muss seinen geliebten Sport aufgeben. „Die erste Chemotherapie hatte zum Glück wenig Nebenwirkungen“, berichtet Christian Stieg. Anfang 2018 erholt er sich und kann wieder kleine Spaziergänge in Gesellschaft unternehmen. Nach der Chemotherapie sollte eigentlich eine abschließende Bestrahlung folgen.

Einzige Chance: Transplantation

Doch in der Erholungsphase wächst der Tumor, nimmt ihm erneut Stück für Stück die Luft. Nach einer sofortigen Überweisung in die Uniklinik Göttingen wird eine zehntägige stationäre Chemotherapie durchgeführt. „Das Resultat war die minimale Verkleinerung des Tumors und eine starke Beschädigung des Gehörs.“ Im Mai 2018, nach einer erneuten Chemotherapie mit einer anderen Zusammensetzung, die den Tumor zwar erneut minimal verkleinert, jedoch nicht komplett zerstört, wissen die Ärzte nur noch einen Rat: eine Stammzelltransplantation soll das alte Immunsystem durch ein neues ersetzen, welches den Tumor am Wachsen hindern soll. „Mein Körper war allein nicht in der Lage, den Tumor zu besiegen. Die Stammzellspende war die einzige Möglichkeit, meine Überlebenschance vom einstelligen Prozentbereich auf rund 30 Prozent zu steigern. Im Klartext bedeutet das, dass ohne medizinische Unterstützung mein Überleben sehr unwahrscheinlich war und ich innerhalb eines halben Jahres gestorben wäre. Mein Leben lag also in den Händen eines Fremden.“ Nach einer Wochen des Wartens dann die hoffnungsvolle Nachricht: Es wurde ein potenzieller Stammzellenspender gefunden. 45 Tage verbringt Stieg in der Uniklinik in Göttingen, unterzieht sich einer hochdosierten Chemotherapie, die so intensiv behandelt, dass sein gesamtes Knochenmark und im Idealfall auch alle erkrankten Zellen zerstört werden sollen.

„Am 18. Juli erhielt ich die Stammzellen. Nach vier, fünf Tagen begann mein Körper das neue Immunsystem zu bilden und damit verbunden traten Nebenwirkungen wie Herzrasen, Schüttelfrost und Fieber auf. Nahrung und Flüssigkeit erhielt ich über Infusionen, da ich sonst nichts bei mir behalten konnte“, erzählt der Heiligenröder. Anschließend darf er nach Hause, seine Eltern unterstützten ihn immens, denn die Wohnung und jede Nahrung muss möglichst keimfrei sein. Wöchentliche Kontrollen beim Arzt stehen nun auf der Tagesordnung, sein Zustand bessert sich allmählich. Dank der Stammzellenspende erhält er die neue Chance auf ein gesundes Leben und kurz vor Weihnachten zusätzlich ein besonderes Geschenk: einen Brief seines anonymen Spenders. Es ist eine Frau, die ihm schreibt, dass es für sie nur ein kleiner Eingriff war, der solch große Auswirkungen hatte. Sie würde es immer wieder tun und – wie im Fall des 36-Jährigen – ein Leben retten. Persönlich kennenlernen dürfen sich beide erst nach Ablauf der gesetzlichen Frist von zwei Jahren. Mittlerweile ist der 36-Jährige wieder fitter, die regelmäßigen Kontrollen beim Arzt zeigten erst kürzlich erstaunliches: Der Tumor wird kleiner.

„Der aktuelle Stand ist, dass das restliche Tumorgewebe inaktiv und rückläufig ist. Meine Ärzte sind zufrieden mit dem allgemeinen Verlauf und zuversichtlich, dass die Heilung uneingeschränkt möglich ist“, blickt Christian Stieg optimistisch in seine Zukunft, die er dank seiner Spenderin erhalten hat.

"Hilf Igor" - Mit einer großen Typisierungsaktion am 3. März hofft Gastronom Igor einen passenden Spender zu finden. Mehr dazu hier.

Wie einfach es ist, als Spender Leben zu retten, erzählt Kasseler Sebastian Menge hier.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mail aus dem Krankenhaus: Das Virus zeigt seine hässliche Fratze

Die Corona-Pandemie hält die Welt in Atem. Bei allen Nachrichten und Vorkehrungen scheint die Bedrohung doch so weit weg. Bis es neben einem einschlägt, wie es EXTRA …
Mail aus dem Krankenhaus: Das Virus zeigt seine hässliche Fratze

Gesetzliche Sonderregelung: Zum Kurzarbeitergeld dazuverdienen

Der Gesetzgeber hat aufgrund der aktuellen Krise die Hinzuverdienstmöglichkeiten zum Kurzarbeitergeld gelockert: Wer in systemrelevanten Branchen und Berufen …
Gesetzliche Sonderregelung: Zum Kurzarbeitergeld dazuverdienen

Den richtigen Riecher gehabt: Kasseler Polizeihund "Hancock" spürt Drogen auf

Bei einer Verkehrskontrolle spürte der Hund im Handschuhfach eines VW Golfs knapp 100 Gramm Marihuana auf.
Den richtigen Riecher gehabt: Kasseler Polizeihund "Hancock" spürt Drogen auf

documenta mietet ehemaliges Kaufhaus in Kassel

1999 wich die beliebte "Kaufhalle" der "Sportarena" im Gebäude an der Ecke Königsstraße/Treppenstraße. Seit zwei Jahren steht die Immobilie leer. Und hat nun einen …
documenta mietet ehemaliges Kaufhaus in Kassel

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.