Neuer Unverpacktladen: Kasselerinnen wollen "Nachfüllbar" eröffnen

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Samira Waldeck (li.) und Franziska Werner wollen durch die Eröffnung ihres Unverpacktladens ‚Nachfüllbar‘ den plastikfreien Einkauf in Kassel wieder ermöglichen.

Nordhessens erster Unverpacktladen 'Butterblume' musste nach nur einem Jahr wieder schließen. Franziska Werner und Samira Waldeck wagen jetzt einen neuen Anlauf, um abfüllbare Lebensmittel zu verkaufen.

Kassel. Ihren ersten Schritt in ein plastikreduziertes Leben machen Samira Waldeck und Franziska Werner unabhängig voneinander vor vier Jahren, als beide ihre herkömmlichen Zahnbürsten durch eine nachhaltige Variante aus Bambus ersetzen. Die beiden arbeiten gemeinsam im Kasseler Imbiss „Zum glücklichen Bergschweinchen“, leben vegan und haben vor Kurzem einen fundamentalen Entschluss gefasst:

Nachdem Kassels erster Unverpacktladen ‚Butterblume‘ im letzten Jahr schließen musste, wollen Samira und Franziska nun wieder ein plastikfreies Einkaufserlebnis in der Stadt etablieren. Voraussichtlich im März soll im nächsten Jahr mit der ‚Nachfüllbar‘ ihr eigenes Geschäft mit nachhaltigem, plastikfreiem Gesamtkonzept im Vorderen Westen öffnen.

„Kassel braucht so einen Laden, ich möchte selbst auch unverpackte Produkte einkaufen“, erzählt Samira. Ihr Bewusstsein in Sachen Plastikkonsum hat die 28-Jährige bereits entwickelt, als sie in einem Bio-Hotel ihre Ausbildung zur Köchin gemacht hat. „Bei der Verarbeitung dachte ich mir, dass ich so tolle Lebensmittel in den Händen halte und alle sind ausgerechnet in Plastik verpackt“, sagt Samira. Prägend sei für die Kasselerin im Anschluss vor allem das halbe Jahr gewesen, in dem sie durch Südostasien gereist ist.

„Dort habe ich erst einmal die Ausmaße der Umweltverschmutzung durch Plastikmüll gesehen“, erzählt sie weiter. Als in ihrem Kopf die Idee zur Nachfüllbar wächst, findet sie in ihrer Arbeitskollegin Franziska schnell eine Mitstreiterin, um das Projekt zu realisieren und gegen den Verpackungsmüll vorzugehen. „Ich bin vor sieben Monaten aus Hamburg hergezogen, habe dort immer unverpackt eingekauft und dann gemerkt, dass es so etwas hier in Kassel gar nicht gibt“, erzählt die ehemalige Barchefin Franziska.

Lebensmittel zum Abfüllen

Langjährig in der Gastronomie tätig und umgeben von Verschwendung, ist es Samira und Franziska wichtig, dass umweltbewusste Kasseler ab nächstem Jahr viele Grundnahrungsmittel verpackungsfrei bei den beiden bekommen können. „In der Nachfüllbar wollen wir ein Sortiment von über 150 Bio-Artikeln bieten. Fairtrade-Produkte versuchen wir dabei so gut es geht mit einzubeziehen“, sagt Franziska.

Nicht nur Plastikverpackungen sollen durch die Nachfüllbar Vergangenheit sein, sie soll Kasselern durch das Abfüllen der Grundnahrungsmittel auch die Rückkehr zum Ursprung des Konsums ermöglichen.

Aus großen Spendern können sich die Kunden im neuen Unverpacktladen dann nicht nur Nüsse, Reis, Linsen oder verschiedene Nudelvarianten abfüllen, sondern auch Getreidesorten zum selbst mahlen. Darunter Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern und Weizen. Tee, Öle, Zucker, Salz und weitere Gewürze komplettieren den Bestand. Frischprodukte stehen nicht auf dem Plan. Das Sortiment beinhaltet außerdem eine große Auswahl an regionalen Produkten wie Kaffee von ‚Röstrausch‘ aus Gudensberg oder Deodorant und Zahnpasta der Kasseler Marke ‚Ben & Anna‘. „Es wird von Reinigern über Waschmittel, bis hin zu Seifen auch Haushaltsprodukte und Hygieneartikel geben“, ergänzt Samira.

Das Aus der ‚Butterblume‘ in der Südstadt ruft dabei keine Ängste in den engagierten Frauen hervor: „Das Bewusstsein für die Umweltverschmutzung war damals weniger da, als jetzt zu Zeiten der Klimastreiks. In Geschäftsräumen im Vorderen Westen sehen wir außerdem einen klaren Standortvorteil“, erklärt Franziska dazu.

Räumlichkeiten haben die künftigen Inhaberinnen derzeit noch nicht angemietet, da zur Finanzierung des Projekts noch das Crowdfunding über die Internet-Plattform ‚Startnext‘ läuft. Nach nur einer Woche Laufzeit hatten Samira und Franziska das erste Fundingziel von 10.000 Euro und somit die Möglichkeit zur Geschäftsgründung erreicht. Über 200 Spender haben sich unter startnext.com/nachfuellbarkassel#starter bereits finanziell beteiligt. Bis zum 22. Dezember können Unterstützer noch in das Projekt ‚Nachfüllbar‘ investieren. Werden 20.000 Euro erreicht, können Samira und Franziska ein größeres Sortiment realisieren und sich eine Nussmahlmaschine zulegen. Mit dieser möchten die beiden dann eigenes Nussmus produzieren. Ab 30.000 Euro können die vorerst geplanten Plastikspender durch Glasgefäße ersetzt werden.

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