"Nicht alle Händler können sechs Tage die Woche verkaufen"

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Kassel. Händler und Betreiber diskutierten über Zukunft von Markthallen. In Kassel bleiben die kurzen Öffnungszeiten ein Reizthema.

Kassel. "Markthallen sind kein Auslaufmodell": Dieses positive Fazit zog Andreas Mannsbarth, Geschäftsführer der Kasseler Markthalle, am Montag. Gemeinsam mit Betreibern und Beschickern aus ganz Deutschland, den Niederlanden und Dänemark hatte er im  IHK-Haus der Wirtschaft über die Situation der Markthallen diskutiert. Der persönliche Kontakt zwischen Verkäufern und Käufern, der Erlebnischarakter und vor allem die große Auswahl an frischen, regionalen Produkten sind das Pfund, mit dem die Markthallen wuchern müssen, so Andreas Mannsbarth. "So werden wir es auch in Zukunft schaffen, uns gegenüber Onlinehandel und Supermärkten zu behaupten".

Selbsterzeuger können nicht jeden Tag vor Ort sein

Eine Herausforderung  für die meisten Betreiber sind die Öffnungszeiten.  Auch in Kassel werden diese immer wieder diskutiert: Während andere Markthallen an allen Werktagen geöffnet haben, ist Einkaufen im historischen Marstall nur donnerstags, freitags und den halben Samstag möglich.  Andreas Mannsbarth begründet dies mit der Besetzung: Von den 70 Standbetreibern in Kassel  sind mehr als die Hälfte Selbsterzeuger. "Anders als professionelle Händler, die gerne an sechs Tagen verkaufen würden, können sie das nicht leisten", so Mannsbarth.

Braucht es QR-Codes?

Diskussionsbedarf auch beim Thema "Veränderte Lebensgewohnheiten". Während einige Händler QR-Codes an der Ware oder digitale Leitsysteme ablehnen, zeigten sich andere Konferenz-Teilnehmer aufgeschlossen. "Die technische Umsetzung der Produktinformation kann jedenfalls nicht schaden", erklärte Claudia Busch, die sich an der Uni Kassel mit dem Marketing regionaler Lebensmittel beschäftigt. Die Markthallen dürften die nachwachsenden Zielgruppen nicht ausschließen. Diese hätten zwar immer das Smartphone in der Hand, würden aber trotzdem Kontakt und Gespräche suchen, so Busch.

Ein Beispiel, dass sich Innovation und Markthalle sehr wohl zusammenpassen, ist Rotterdam. Hier eröffnet am 1. Oktober die modernste Markthalle Europas – Food-Courts, Events  und Kochschulen inklusive. Erwartet werden  5 bis 7 Millionen Kunden und Besucher pro Jahr. Zahlen, mit denen die Kasseler Markthalle nicht mithalten kann. Vorerst bleibt es bei Überlegungen, bauliche Veränderungen vorzunehmen. So könne etwa die obere Etage die ganze Woche über öffnen und dort neue Stände geschaffen werden; die untere Etage mit Ständen von Selbsterzeugern könnte in der zweiten Wochenhälfte geöffnet werden.

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