Nicht ausbildungsfähig: Wie Marcel B. dennoch eine Ausbildung bekam

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Marcel B. mit seinem Ausbilder Torsten v. Kielpinski. Endlich kann er seinem Traumberuf nachgehen.

Trotz der Rückmeldung, er sei nicht ausbildungsfähig, hat Marcel B. einen Ausbildungsplatz in seinem Traumberuf bekommen. Er erzählt, wie ihm das gelungen ist.

Kassel.  Traumberuf Maler und Lackierer. Schon als Kind wollte Marcel B. als Erwachsener diesen Beruf ausüben. Sein Leben verlief allerdings nicht, wie er es sich vorgestellt hat. Aufgewachsen in Brilon in Nordrhein-Westfalen, brach er als Jugendlicher die Schule ab und stand ohne einen Abschluss da. Er wusste nichts mit sich anzufangen und auch Maßnahmen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nahm er nicht wahr.

Der Wendepunkt

Mit Anfang 20 kam er dann mit seiner Familie nach Kassel und damit auch an einen Wendepunkt in seinem Leben: „Ich war damals unreif und in Kassel kam ich dann irgendwann zu der Einsicht, dass ich etwas ändern muss, damit mein Leben wieder in geregelten Bahnen verlaufen kann”, so der 28-Jährige. „Falsche Freunde haben mich zum Umdenken bewegt. Sie haben mir gezeigt, wie ich nicht werden will. Einem Freund wurde beispielsweise der Strom abgestellt”, berichtet der angehende Maler und Lackierer.

Schon früh interessierte ihn dieser Beruf. Als Kind half er seinem Vater ab und zu bei Malerarbeiten. Wenn er für Praktika in Betriebe geschickt wurde, die nichts mit seinem Traumberuf zu tun hatten, reagierte er schnell bockig. Nachdem sein Fallmanager des Jobcenters Kassel Lars Pröpper über den Berufspsychologischen Service klären ließ, ob er reif für das Nachholen des Hauptschulabschlusses ist, bekam er eine Rückmeldung, die seinen Traum hätte zerplatzen lassen können: Nicht ausbildungsfähig. Sein Fallmanager blieb jedoch zuversichtlich und sprach ihm Mut zu.

Fehler eingestehen

Um sein eigenes Leben ändern zu können, musste Marcel B. auch an sich arbeiten. Wenn er sich angegriffen gefühlt hat, hat er auch schon mal Praktika abgebrochen. „Mein Problem ist, dass ich mich oft persönlich angegriffen fühle. Ich musste lernen, damit umzugehen. Deswegen habe ich auf Empfehlung von Herrn Pröpper mit einem Verhaltenstraining begonnen. Mir ist bewusst, dass ich an mir arbeiten muss, um erfolgreich zu sein”, sagt Marcel B. Das Verhaltenstraining hat ihm geholfen, Kritik anzunehmen. „Ich bin jetzt viel zielstrebiger als früher und damit das so bleibt, mache ich diese Verhaltenstherapie. Ich möchte diese Ausbildung unbedingt schaffen”, erzählt der angehende Auszubildende. Aktuell setzt er das Erlernte bei einer Arbeitsangelegenheit in die Praxis um, wie es ihm sein Fallmanager empfohlen hat.

Im September beginnt er die dreijährige Ausbildung zum Maler und Lackierer bei Jafka, einem städtischen Unternehmen. „Ohne Motivation der Jugendlichen würde das alles gar nicht funktionieren. Marcel B. ist ein tolles Beispiel dafür, dass so etwas funktionieren kann”, sind sich Christian Nübling, Geschäftsführer Jobcenter Stadt Kassel, und Jürgen Hartrump, Geschäftsführer Jafka, einig. Demnächst erfüllt sich Marcel B. einen weiteren Traum: Er macht den Führerschein mit finanzieller Förderung durch das Jobcenter, denn: „Ein Maler ohne Führerschein ist wie eine Kerze ohne Docht.”

Extra Info zum Fallmanagement

Nachdem das Fallmanagement des Jobcenters Kassel 2011 aus Personalgründen zunächst eingestellt wurde, entschied man sich mit der Neuorientierung im Dezember 2015, ein Team für Fallmanagement in der Beschäftigungsförderung einzurichten. Das Team umfasst 12 Fallmanager, die etwa 950 Personen betreuen, sowohl Alleinstehende als auch ganze Familien. Im Fallmanagement sind weniger Kunden zu betreuen als im Vermittlungsbereich, weshalb sich Fallmanager intensiver und individueller um die Probleme ihrer Kunden kümmern können. Das Fallmanagement bietet Hilfesuchenden die Chance, zu erkennen, wo ihr Problem ist und wie man ihnen helfen kann. Die gesellschaftspolitische Vorgabe ist klar: Jeder Mensch ist wichtig. Niemand wird abgeschrieben.

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