„Nicht mit uns“: Viel Solidarität für die angezeigten Frauenärztinnen aus Kassel

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Bekamen viel Zuspruch: (v.li.) Cornelia Krey von Pro Familia, Natascha Nicklaus und Nora Szasz, die mittlerweile angeklagten Kasseler Frauenärztinnen.

Die beiden angezeigten Frauenärztinnen Nora Szasz und Natascha Nicklaus hielten gemeinsam mit Cornelia Krey von Pro Familia einen Vortrag und erhielten viel Zuspruch.

Kassel.  Das Kafé Neu war brechend voll, viele Interessierte saßen auf Kissen, auf dem Boden, auf extra herangeschafften Klappstühlen. Grund für den akuten Platzmangel war am vergangenen Montagabend der Vortrag „Mein Körper, meine Entscheidung?“ von den beiden mittlerweile angeklagten Frauenärztinnen aus Kassel, Nora Szasz und Natascha Nicklaus (wir berichteten hier und hier) und Cornelia Frey von Pro Familia, die über die Strafbarkeit und die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen sprachen. Organisiert hatte die Veranstaltung Feminism Unlimited Kassel, die sich nicht nur für die beiden Kasseler Ärztinnen einsetzen, sondern auch die Welle, die seit der Verurteilung von der Gießener Ärztin Kristina Hänel und den Ereignissen der letzten Monate ins Rollen gebracht wurde, für echte Veränderungen nutzen wollen.

Gemeinsam für Veränderung kämpfen

Das Interesse am Vortrag war enorm, nicht nur von junge Frauen, sondern auch von zahlreichen Männern, Senioren, Verantwortlichen von anderen Beratungseinrichtungen und vereinzelt pensionierten Juristen, die sich von Cornelia Krey über die Geschichte des umstrittenen Paragrafen 218 und Schwangerschaftskonfliktberatungen, die Pro Familia anbietet, aufklären ließen. Anschließend schilderten Nora Szasz und Natascha Nicklaus, wie es zu den drei Anzeigen kommen konnte, welchen Rückhalt sie seit dem erhalten haben und wie es möglicherweise weitergeht.

In den nächsten drei bis vier Monaten werden beide Kasselerinnen vermutlich vor Gericht verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage der Gemeinschaftspraxis unter Ambulante Operationen Schwangerschaftsabbrüche angegeben haben. Dieser Hinweis reicht nach dem veralteten Paragrafen 218 offensichtlich aus, um als verbotene Werbung für Abbrüche zu gelten und strafrechtlich verfolgt zu werden. „Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, diese Information auf der Webseite zu lassen, damit Frauen die Möglichkeit haben, sich zu informieren und wissen, wo es Hilfe gibt. Wir wollen nicht, dass es Frauen in Notsituationen unnötig schwer gemacht wird“, erklärt Nora Szasz und erhält dafür Applaus von den Zuhörern. „Der Paragraf schränkt das körperliche Selbstbestimmungsrecht ein, Abbrüche werden nach wie vor in die Schmuddelecke gestellt und Ärzte angeprangert, die solche durchführen. Der juristische Weg ist qualvoll, die Politik muss eingreifen. Daher freuen wir uns umso mehr, dass so viele hier sind, uns unterstützen und dafür kämpfen, dass sich etwas ändert.“

EXTRA INFO: Doku-Filmvorführung zum Thema Abbruch

Ebenfalls von Feminism Unlimited Kassel organisiert, findet am Dienstag, 20.März um 19 Uhr eine Filmvorführung statt. Der Ort wird noch bekannt gegeben. Die Dokumentation „Eine Offenbahrung über drei Generationen“ von Stefanie Brockhaus beschreibt die Notsituation einer 24-Jährigen, die sich mit Mutter und Großmutter austauscht. Weitere Infos unter auf der Homepage oder der Facebook-Seite.

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