Nichts für schwache Nerven: Zu Besuch bei Plastinator Gunther von Hagens Teil 1

Zu Gast im Plastinarium in Guben: Gunther von Hagens und Sohn Rurik von Hagens führen durch die Körperwelten.
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Zu Gast im Plastinarium in Guben: Gunther von Hagens und Sohn Rurik von Hagens führen durch die Körperwelten.

Gunther von Hagens und Sohn Rurik zeigten uns ihr Plastinarium in Guben und gaben Einblicke in die privaten Räumlichkeiten mit besonderer Deko und geheimen Hinterzimmern.

ACHTUNG! Die nachfolgenden Bilder können für sensible Betrachter eventuell verstörend wirken.

Durchklicken auf eigene Gefahr!

Kassel/Guben. Pro Woche bringt das ‚Bodymobil‘ drei Verstorbene nach Guben ins Plastinarium nahe der polnischen Grenze. Zu Lebzeiten haben die Körperspender sich dafür entschieden, sich der Plastination von Gunther von Hagens zur Verfügung zu stellen. „Wir haben genügend Leichen im Keller“, erzählt Sohn Rurik von Hagen, der 2011 ins Unternehmen seines Vaters eingestiegen ist.

Zu Gast im Plastinarium in Guben: Gunther von Hagens und Sohn Rurik von Hagens führen durch die Körperwelten.

Über 19.200 Lebende wie Tote finden sich in der Körperspender-Kartei. ‚Dr. Tod‘, wie er auch genannt wird, hatte 1997 die erste Körperwelten-Ausstellung mit menschlichen Plastinaten in Deutschland gezeigt – ein Aufschrei ging durch die Gesellschaft. Mittlerweile hat sich das Publikum beruhigt, nur noch selten regt sich Widerstand. Die Wander-Ausstellungen geben Einblicke in unseren eigenen Körper, zeigen beispielsweise, wie sich Stress oder das Rauchen auf den Organismus auswirkt.

Die meisten Plastinate dienen einem wissenschaftlichen Zweck, 95 Prozent gehen an Ärzte und Unis in die ganze Welt. Nur rund fünf Prozent der Verstorbenen werden in den Ausstellungen der Körperwelten zu sehen sein. 2019 konnte der 50 Millionste Besucher begrüßt werden. Doch bis ein Plastinat fertig ist vergehen rund 1.500 Arbeitsstunden und ein Jahr. So lange dauert das von Gunther von Hagens patentierte Plastinationsverfahren, bei dem das menschliche Zellwasser durch Kunststoff ersetzt und so ewig haltbar gemacht wird.

Zu Gast im Plastinarium in Guben: Gunther von Hagens und Sohn Rurik von Hagens führen durch die Körperwelten.

Rund 70 Plastinatoren arbeiten in Guben an den Körpern, die nach einer Formalin-Injektion nicht mehr verwesen und anschließend im Aceton-Bad und mit Kunststoff imprägniert werden. Auch Gunther von Hagens selbst, gezeichnet von seiner Parkinson-Krankheit, arbeitet noch oft in seinem eigenen Labor in Guben und forscht an verbesserten Kunststoffen. Und ab und an führt er auch Pressevertreter in seine privaten Räume, zeigt seine Kakteen-Aufzucht oder das erst kürzlich in der alten Tuch- und Hutfabrik gefundene Stasi-Zimmer.

Eine Herzenssache: Ab 21. Februar können Kasseler die Ausstellung rund um das Symbol der Liebe in der documenta-Halle besuchen.

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