„Nur keine Panik“: Verkehrsexperte rät zu Klagen gegen Autohersteller

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Viele Deutsche wollen wegen drohender Fahrverbote ihre älteren Dieselautos loswerden.

Sie haben einen Diesel und denken darüber nach, ihn so schnell wie möglich zu verkaufen? Keine Eile, rät ihnen Professor Holzapfel.

Kassel. Der Dieselskandal hat Deutschlands Autofahrer geweckt. Feinstaub und Stickoxide sind DAS Thema geworden. lokalo24 sprach mit dem Verkehrsexperten Professor Dr. Helmut Holzapfel.

 

lokalo24: Fahren Sie einen Diesel?

Holzapfel: Nein!

Warum nicht? 

Die Schadstoffwerte, die mir bekannt waren, waren nicht so unbedingt vertrauenserweckend. Die Politik hatte Grenzwerte festgelegt. Die Autoindustrie nichts dagegen unternommen, weil sie der Ansicht waren, die neuen Motoren schaffen das sowieso. Das war ein Trugschluss, insbesondere im Winter, wenn sich bei einigen Marken ab 10 Grad die Abgasreinigung abschaltet, angeblich, um den Motor zu schonen.

Lässt sich an zu hohen Schadstoffwerten mit Nachrüstungen etwas ändern? 

Bei manchen Motoren lässt sich viel mit einer Software erreichen. Bei anderen ist eine Nachrüstung mit Hardware unumgänglich notwendig. Dabei wird auch die Abschaltung im Winter ausgeschaltet und ist kein Problem mehr.

Wie beurteilen Sie neue Dieselmotoren? 

Neue Fahrzeuge nach dem Standard Euro 6 d temp sind klimaverträglich und realtiv umweltfreundlich, Sie sollten auch langfristig in den Städten zugelassen werden. ET: Was raten Sie Besitzern älterer Dieselfahrzeuge? Holzapfel: Da, wo durch die Autoindustrie betrogen wurde, würde auch ich zu einer Klage raten und eine Politik unterstützen, die die Autofirmen zu einer „freiwilligen“ Nachrüstung zwingt.

Würden Sie einen Diesel jetzt so schnell wie möglich verkaufen? 

Nein. Der Wertverlust wäre immens. Gerade in Nordhessen und auf dem Land ist das sowieso kein Problem. Anders sieht das aus, wenn man durch Stuttgart fährt.

Ist der Grenzwert bei Stickoxid zu niedrig wie zahlreiche Lungenfachärzte glauben? Grenzwerte sind immer ein Kompromiss. Die weit überwiegende Mehrheit aller Gesundheitsfachleute akzeptiert die aktuellen Grenzwerte. Der Beweis, wie gefährlich Stickoxid wirklich ist, wird sich aber nie führen lassen. Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise, dass eine Dauerbelastung insbesondere für Asthmatiker gefährlich ist.

Oft heißt es, so etwas wird immer nur in Deutschland verfolgt. Stimmt das?

Stimmt nicht. Gerade in Italien, in Mailand und Rom sind schon ganze Innenstädte über Wochen gesperrt worden. Das gilt auch für Skandinavien. Die Schadstoffwerte sind durch Sperrungen drastisch zurück gegangen. Wie gesagt: Es ist eine reine Gesundheitsfürsorge.

Die Lösung? 

Technisch ist eine Reinigung von Dieselabgasen auf diesem Standard ohne Probleme möglich. Spätestens in drei Jahren werden wir die Probleme nicht mehr haben.

Was empfehlen Sie Neuwagenkäufern?

Mit Hybridfahrzeugen, Dieseln auf neuestem Standard und sparsamen Benzinern ist man auf der sicheren Seite. Elektroautos werden mittelfristig eine gute Alternative. Da werden aktuell die Batterien und Motoren optimiert und die Ladeinfrastruktur aufgebaut. Und eins ist ganz wichtig: Kurze Strecken sollten sie zu Fuss gehen oder das Fahrrad/E-Bike nutzen. Wer hätte übrigens mit diesem Hype bei E-Bikes gerechnet. Bei SUVs, Lkws und Bussen sind Elektromoten und schweren Batterien noch keine Lösung.

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