Obelisk bewegt

Völker: 100.000 Euro wurden schon gespendet

Kassel. Der Oblisk auf erregt die Gemüter in Nordhessen. Der EXTRA TIP hat darüber mit Kulturdezernetin Susanne Völker gesprochen.

ET: Warum haben Sie bekannt gegeben, was der Obelisk kosten soll?

Völker: Bekannt gegeben wurde der Preis auf Wunsch des Künstlers Olu Oguibe. Er möchte einen Preis erzielen, der ihm in Würdigung des Kunstwerkes als angemessen erscheint. Er hat sich aber von vorn herein zu einem offenen Prozess bekannt. Er geht damit auch das Risiko ein, dass dieser Preis diskutiert wird.

ET: Hat er auch damit gerechnet, dass von einigen nur der Materialpreis errechnet wird?

Völker: Nein. Denn der Wert eines Kunstwerkes bemisst sich nicht am Materialwert, sondern setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Der Erfolg des Künstlers, der auf der documenta ausgestellt hat und Preisträger des Arnold Bode-Preises 2017 ist, spielt ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass er ein international etablierter Künstler ist.

ET: Wird diese Diskussion im Ausland verfolgt?

Völker: Die documenta ist die größte und wichtigste Ausstellung der zeitgenössischen Kunst. Alles, was rund herum passiert, wird im Ausland interessiert beobachtet. Das gilt auch für den Ankauf von Kunstwerken. Der Versuch, den Wert eines Kunstwerkes über den Materialpreis zu bestimmen, dürfte in der Kunstwelt auf völliges Unverständnis stossen.

ET: Welchen Wert hat dieses Kunstwerk inhaltlich für Kassel?

Völker: Der Obelisk ist ein ganz wichtiges Symbol für die documenta 14, die so politisch war wie schon lange keine mehr. Er steht für das Schwerpunktthema Migration, Humnismus, Menschlichkeit. Die Aussage der Inschrift „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ finden wir nicht nur in der Bibel, sondern auch im Grundgesetz oder in Kants „Kritik der praktischen Vernunft“. Gastfreundschaft ist darüber hinaus ein Grundprinzip von Zivilisationen auf der ganzen Welt.

ET: Hätten Sie mit soviel Gegenwind gerechnet?

Völker: Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk war das Ziel des Künstlers. Dabei legt die Diskussion um den Obelisken aus politische Einstellungen offen.

ET: Passt dieses Kunsterk auf den Königsplatz?

Völker: Der Obelisk wurde für den Königsplatz geschaffen. Er soll seine Botschaft der Menschlichkeit mitten unten die Menschen tragen. Nicht mehr als herrschaftliches Symbol wie früher, sondern als Medium, das die Sorgen und Nöte auch der Ärmsten der Armen transportiert.

ET: Der Oberbürgermeister hat sich bisher in dieser Diskussion noch nicht zu Wort gemeldet.

Völker: Der Ankauf des Obelisken ist ein gemeinsames Anliegen. Schließlich hat nur Kassel die Möglichkeit, auf Dauer die Sichtbarkeit der documenta durch die Außenkunsterke im Stadtbild zu erhalten und die Stadt mit jedem Kunstwerk noch fester mit der documenta zu verknüpfen. Der Obelisk und die Diskussionen, die er entfacht hat, stehen für die docuemnta 14 wie kein anderes Kunstwerk. Jeder Bewohner Kassels kann mit einer Spende – egal in welcher Höhe – seinen Beitrag für den Erhalt des Kunstwerks leisten.

Spende

Und so können Sie sich beteiligen: Kassel documenta-Stadt. IBAN: DE 16 5205 0353 0000 0110 99. BIC: HELADEF1KAS Spendenzweck: Obelisk und Name und Anschrift des Spenders. Bei Nichtankauf wird die Summe zurück überwiesen. Bisher sind rund 100.000 Euro zusammen gekommen.

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