Obelisk-Künstler: "Stadt Kassel hat mir kein Angebot gemacht"

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Die Stadt wird den Obelisken auf dem Königsplatz nicht kaufen.

Viele hätten den Obelisken des Künstlers Olu Oguibe gerne dauerhaft auf dem Königsplatz gesehen. Doch daraus wird nichts: Die Stadt habe ihm noch nicht mal ein Angebot unterbreitet, beschwert sich der Arnold Bode-Preisträger.

Kassel.   Fünf Kunstwerke der documenta 14 werden für die Städtischen Kunstsammlungen in der Neuen Galerie angekauft. Das hat der Magistrat der Stadt Kassel Ende September 2017 beschlossen. „Die Arbeiten sind eine Auswahl aus den wichtigen Werken der documenta 14 und bilden einen Querschnitt der Themen des diesjährigen Ausstellung“, sagte Kulturdezernentin Susanne Völker. Mit dem Erwerb der fünf Kunstwerke der documenta 14 bewahrt Kassel die Erinnerung an die diesjährige Weltkunstschau. Stadträtin Völker wies darauf hin, dass auch mit der Überlassung von 2000 verbotenen Büchern vom Außenkunstwerk „The Parthenon of Books“ durch die Künstlerin Martha Minujín dieser herausragenden Arbeit und seiner Botschaft ab März 2018 ein dauerhafter Platz in der Kasseler Stadtbibliothek gegeben wird.

Absehen allerdings wird die Stadt vom Ankauf eines der Außenkunstwerke der documenta 14, von denen der Obelisk des diesjährigen Bode-Preisträger Olu Oguibe von der Öffentlichkeit favorisiert worden war. Der diesjährige Arnold-Bode-Preisträger hatte dem Vernehmen nach eine siebenstellige Summe als Preis für den Obelisken aufgerufen. Zum Vergleich: Für den Penone-Baum in der Karlsaue zahlte man nach der documenta 13 etwa halb so viel. Um die Stadtkasse nicht zu belasten wurde das Geld seinerzeit durch Spender aufgetrieben. Auf seiner Facebook-Seite äußert sich Olu Oguibe enttäuscht über die Haltung der Stadt Kassel: „Man hat mir niemals ein Angebot gemacht“, schreibt er. Dabei wäre er bereit, Kassel für den Obelisken preislich entgegenzukommen. Er nennt die gezahlte Summe für den Penone-Baum als Anhaltspunkt, stellt sein Werk in seiner Einzigartigkeit aber über die damals angekaufte Bronze-Plastik: „Bei einer Auktion in 2015 verkaufte Penone eine weitere Kopie des Werks für 1,35 Millionen Euro.“ Bis Mitte Oktober muss der Obelisk nun vom Königsplatz entfernt werden. Die Kosten für den Abbau werden mit 10.000 Euro beziffert. Der Künstler hofft weiter, dass sein Werk in Kassel auf dem Königsplatz stehen bleiben kann und schließt mit den Worten: „Die Stadt sollte ein marktübliches Angebot für den Obelisk machen und dann mit mir über einen Preis verhandeln. Das ist nur fair und richtig, und die Bürger von Kassel verdienen das.“

Diese Werke werden gekauft:

Susan Hillers „Lost and Found“: In den Werken der international renommierten Künstlerin spielt die Sprache eine wichtige Rolle. Konkret geht es in dem Video um 23 verschiedene Stimmen von Personen, die Sprachen sprechen, die vom Aussterben bedroht, bereits ausgestorben sind oder wieder zum Leben erweckt wurden. Die Arbeit kann für den Schwerpunkt der d14 stehen, an den Rand gedrängten Kulturen eine Stimme zu geben.

Susan Hillers „Lost and Found“

Olaf Holzapfels Modell „Trassen” sowie vier digitale Vorstudien: Holzapfel beschäftigt sich mit Grenzräumen und der traditionellen Technik des Fachwerks. Bei „Trassen“ handelt es sich um eine in der Karlsaue gezeigte Außenskulptur sowie vier digitale Vorstudien. Die Arbeit integriert sich in das Sammlungskonzept der Städtischen Kunstsammlungen, in dem bereits Modelle verschiedener anderer documenta Außenskulpturen vorhanden sind.

Miriam Cahns „vater kind kind“: Die in der documenta-Halle ausgestellten Gemälde und Zeichnungen der Schweizerin stehen unter dem Titel „könnteichsein“ und zeigen Personen, die Gewalt ausüben oder auf die Gewalt ausgeübt wird. Das Thema der Flucht wird auf differenzierte Weise angesprochen. Mit dem Ankauf wird eine weibliche Position die Sammlung der Gegenwartsmalerei in der Neuen Galerie um eine wichtige Arbeit ergänzen.

Edi Hilas „Boulevard 3“

Edi Hilas „Boulevard 3“: Der Künstler setzt sich in seinen Werken mit der Geschichte und Gesellschaft seines Landes auseinander, unter anderem mit den Auswirkungen des Faschismus in Albanien oder dem Übergang von der kommunistischen Diktatur zur Demokratie. Das dargestellte Gebäude zeigt den ehemaligen Regierungssitz der italienischen Faschisten, der heute von der Universität Tirana genutzt wird.

Nevin Aladağs „Music Room Athens“

Nevin Aladağs „Music Room Athens“: Die Arbeit setzt sich mit der Frage der kulturellen Identität auseinander und kann repräsentativ für den Schwerpunkt der Performance der d 14 stehen. Möbelstücke wurden auf Flohmärkten und in Trödelläden in Athen erworben und zusammen mit Instrumentenmachern zu Musikinstrumenten umgebaut. Es sollen 7 der 15 Arbeiten, die im Musikzimmer in Athen ausgestellt waren, erworben werden.

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