Obelisk muss bleiben: Erregte Diskussionen im Kulturforum

Hoffnung verbreitete Jörg Sperling, 1. Vorsitzender des documenta-Forums bei einer engagierten Diskussion rund um den Verbleib des Obelisken in Kassel.

Kassel. „Die Höhe der Bezahlung ist den Künstler erst an dritter Stelle wichtig. Wichtiger ist ihm, dass der Obelisk auf dem Königsplatz bleibt und die Diskussionen, die er auslöst.“

Für den nötigen Schwung in der Diskussion zu der auch das Kulturnetz Kassel geladen hatte, sorgte Obelisk-Skeptiker Dr. Harald Kimpel.

Kassel habe schon genug Obelisken. Ein weiterer auf dem ohnehin schon verhunzten Königsplatz sei überflüssig. Durch die Bahnschienen sei es außerdem nicht möglich, ihn auf der „königlichen Mitte“ aufzustellen. In dieser Meinung wurde er von einem AfD-Politiker bestärkt, der den Obelisken schon im Vorfeld als „entstellte Kunst“ bezeichnet hatte. Auf diese Unterstützung legte Kimpel offensichtlich wenig wert.

Christen provozieren

Für Dechant Harald Fischer dagegen klar: „Den Preis müssen wir hier nicht diskutieren. Konzentrieren wir uns auf die Inhalte. Die Flüchtlingsproblematik stand im Mittelpunkt der documenta 14. Der Obelisk ist dabei eine hervorragend gelungene Inszenierung. Dass das Macht-Symbol der Pharaonen nicht in der königlichen Mitte steht, passt dazu. Christen in Polen, Ungarn, in den USA – aber auch bei uns – werden von ihm provoziert. Christus hat gesagt: Wie ihr mit den Schwächsten in Eurer Gesellschaft umgeht, zeigt, ob Ihr meine Botschaft verstanden habt. Zu der weltoffenen Stadt Kassel passt die Botschaft: Ich war ein Fremdling und Ihr habt mich aufgenommen.“

Künstler Lutz Freyer bestätigte erst einmal, dass der Obelisk aus zwanzig Zentimeter dicken Betonwänden mit Stahlarmierung im Inneren Jahrzehnte überdauern könne. Ganz wichtig: Freyer zeigte auf, dass Obelisken früher immer im Doppelpack aufgestellt worden seien. In Kassels Mitte sei das jetzt genauso. Aus Freyers Sicht müsse man den versenkten Aschrottbrunnen des Künstlers Hoheisel vor dem Rathaus als Obelisken werten.

Standortdebatte

„Über den Standort brauchen wir gar nicht zu diskutieren“, war sich Ex-Bürgermeister Ingo Gross sicher. „Wer das tut, sagt nur, der muss weg. Es war schon schlimm genug, dass der Himmelstürmer aus dem Zentrum ins Abseits vor dem Kulturbahnhof gestellt wurde.“

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