"Der Obelisk muss weg" - SPD, CDU und AfD beschließen den Abriss

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Noch steht der Obelisk auf dem Kasseler Königsplatz.

In einer Stadtverordnetenversammlung waren sich die Parteien nun einig. Das documenta Forum kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Kassel. Schwarze Stunde für das Stadtparlament. In einer chaotischen, langatmigen Abstimmungsreihe beschloss das Stadtparlament letztendlich mit den Stimmen der SPD, der CDU und der AfD, dass der Obelisk so schnell wie möglich vom Königsplatz verschwinden soll. „Bitte sagen Sie mir, warum Sie es nicht aushalten können, wenn der Obelisk bis zur Fertigstellung des Standortes am Holländischen Platz auf dem Königsplatz bleibt“, bat Beig (Grüne) die roten Koalitionspartner immer wieder. Eine vernünftige Antwort darauf gab es von der SPD nicht. Die gab es dafür vom Fraktionsvorsitzenden der CDU von Rüden: „Wir möchten verhindern, dass im Laufe von zwei drei Jahren ein Gewöhnungseffekt eintritt und die Menschen nicht mehr wollen, dass der Obelisk entfernt wird.“

Auf den voll besetzten Rängen im Plenarsaal wollten es die Zuschauer nicht glauben. Immer wieder mussten Sie von der Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich um Ruhe gebeten werden. Ja, Friedrich drohte sogar damit, einzelne Störenfriede aus dem Saal zu verweisen. Wie groß das Entsetzen über den Entschluss des Stadtparlaments ist, lässt sich aus den Worten von Jörg Sperling (documenta-Forum) entnehmen: „Das documenta Forum Kassel ist sehr besorgt über die Wirkung des beschlossenen Abrisses des „Fremdlinge und Flüchtlinge Monumentes“ von Olu Oguibe. Wir sind enttäuscht und verärgert über die Entscheidung in der Stadtverordnetenversammlung. Damit ist eine wesentliche Chance vertan, die documenta Stadt Kassel in der Weltöffentlichkeit im Umgang mit Kunst als vorbildlich erscheinen zu lassen. Die nationale und internationale Presse sowie die kunstinteressierte Öffentlichkeit wird in Kassel eine Stadt sehen, die, nach kontroverser Diskussion, umstrittene Kunstwerke an zentraler Stelle der Stadt nicht duldet.

Das letzte Angebot des Künstlers an die Verantwortlichen in der Stadt, den Obelisken vor das geplante documenta Institut zu setzen und bis zu dessen Fertigstellung eine Duldung auf dem Königsplatz zu erreichen, war ein fairer Kompromiss. Mit einer Ablehnung hat die Stadtverordnetenversammlung einen traurigen Meilenstein im Umgang mit Kunst im Stadtraum gesetzt und den rechtspopulistischen Haltungen zur Flüchtlingsthematik Vorschub geleistet. Mit dem Abbau des Obelisken verschwindet eine wichtiges sichtbares Zeichen der Diskussion über die Menschlichkeit im Umgang mit Geflüchteten in Kassel. Dies ist Wasser auf die Mühlen der Gegner dieses Kunstwerkes und der Zuwanderungspolitik. Die Stadtverordnetenversammlung hat mit ihrer Entscheidung die Kommentatoren der nationalen und internationalen Presse bestätigt, die bereits anmerkten, dass der Umgang mit dem Kunstwerk einer documenta Stadt nicht gut ansteht.“ Worüber man jetzt noch mit dem Künstler verhandeln will, war der chaotischen Sitzung nicht zu entnehmen. Einen Standort für den Obelisken kann man ihm nicht anbieten.

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