ÖPNV verbessern

Posch: Busse auf dem Land sind zu oft leer

Kassel. Dieter Posch war Wirtschaftsminister in Hessen. Hat sich als Verkehrsminister für die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur eingesetzt – für die Autobahnen A 44 und A 49. Jetzt will er als Kommunalpolitiker den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum verbessern.

ET: Hätten Sie das nicht als Minister wirkungsvoller machen können?

Posch: Nein, damals ging es darum, die ländlichen Regionen nicht gegenüber dem Ballungsraum finanziell zu vernachlässigen. Aber, und insoweit gibt es Fehler, wir hätten früher und schneller die strukturellen Unterschiede zwischen Stadt und Land im Auge haben müsssen.

ET: Worin bestehen denn die Unterschiede?

Posch: Fehlentwicklungen im ÖPNV versuchen wir in der Regel mit hohen Subventionen auszugleichen. Im Nordhessischen Verkehrsverbund werden lediglich 32 % der Ausgaben durch Einnahmen gedeckt, der Rest, also mehr als die Hälfte, subventioniert der Steuerzahler, während im Rhein Main Gebiet in weiten Bereichen bei S und U-Bahnen schwarze Zahlen geschrieben werden. Der ländliche Raum ist hingegen sehr dünn besiedelt, so das es z.B. zwischen kleinen Dörfern überhaupt nicht genügend Menschen zu befördern gibt und diese Busse meistens leer und bei denen die Einnahmen aus Werbung an den Bussen höher als die Fahrgeldeinnahmen sind.

ET: Wie sieht die Lösung aus?

Posch: Wir brauchen ein Grundliniennetz, das Mittel- und Oberzentren miteinander verbindet.

ET: Was heißt das?

Posch: Dass die größeren Städte und Gemeinden z.B. Wolfhagen,Eschwege, Rotenburg etc.und die dazwischen liegenden Gemeinden in einem möglichst engen Takt mit Bussen angefahren werden und ergänzend die kleinen weiter abliegenden Dörfer und Stadtteile mit einer Art Landtaxi bedarfsgerecht, das bedeutet auf Anruf, die Fahrgäste abholt.

ET: Und warum nimmt man da nicht einfach Taxen?

Posch: Weil der Gesetzgeber das so nicht erlaubt!! Taxis gehören nicht zum öffentlichen Personennahverkehr, die Fahrpreise sind auch deshalb wesentlich teurer, weil sie nicht so subventioniert werden dürfen, wie das bei Bussen der Fall ist.

ET: Das könnte man doch ändern.

Posch: Ja, aber der Gesetzgeber hat immer nur die Mengenbeförderung in großen Städten im Auge. Und das ist ja auch im Prinzip richtig. Es geht darum, in den Ballungsräumen den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiv zu machen. Bloß in den extrem ländlichen Räumen funktioniert das nicht. Hier schätze ich den Kostendeckungsgrad auf Teilstrecken teilweise mit gerade mal zehn Prozent ein, weil es nur wenige „ Beförderungsfälle“ gibt. Wir wollen, und das geht, in Melsungen einen entsprechenden Modellversuch machen.

ET: Waran hakt das noch?

Posch: Wir haben noch nicht die passenden Fahrzeuge und müssen die noch laufenden Verträge mit den Busunternehmen respektieren.

ET: Fahrzeuge bekommen Sie doch sicherlich von VW in Baunatal!

Posch: Leider nein. MOIA eine Tochter des VW Konzerns entwickelt derzeit moderne Mobilitätskonzepte Aber zunächst nur in den Großstädten. Der ländliche Raum interessiert da nicht. Wir sollen uns gedulden.

ET: Was ist zu tun?

Posch: Der Gesetzgeber ist gefragt. Die Automobilindustrie darf nicht so tun, als gäbe es nur in den Großstädten Fahrgäste. Irgendwann werden wir im ländlichen Raum vielleicht die letzten Kunden von herkömmlichen Fahrzeuge sein, da wir sie weiterhin benötigen werden.

Rubriklistenbild: © Soremski

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