Offenes Trauercafé in Kassel

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Gemeinsam lachen und weinen: In dem offenen Trauercafé im Stadtteil-Zentrum Wesertor können sich Hinterbliebene austauschen und aufbauen.

Kassel. Wer eine geliebte Person verloren hat, weiß oft nicht wohin mit seinem Schmerz. Auch mit einem engen sozialen Netz fühlen sich manche Trauernde einsam. Sie fühlen sich ausgegrenzt und unverstanden, weil Familie und Freunde mit der Situation überfordert sind. Damit diesen trauernden Menschen auch zugehört wird, gibt es seit zwei Monaten ein offenes Trauercafé im Stadtteilzentrum Wesertor.

"Hier dürfen Menschen ihren Gefühlen freien Lauf lassen, sich mitteilen, geborgen fühlen und weinen", erzählt Evemarie Stephan-Ambacher. Die Notarin gründete zusammen mit vier Bekannten aus dem Evangelischen Senioren- Werk das Trauercafé. Jeden zweiten Samstag im Monat gibt es ein gemeinsames Frühstück und im Anschluss die Möglichkeit, sich mit anderen Hinterbliebenen auszutauschen."Unsere Umwelt verdrängt  Trauer. Man trägt keine  Trauerkleidung mehr und zeigt seinen Schmerz nicht mehr nach außen", so Klaus Berres, der  mit 23 Jahren seine Verlobte bei einem Verkehrs-Unfall verlor.Trotzdem brauche der Mensch Zuspruch und eine Anlaufstelle um sich über seine Sorgen auszutauschen. Es müsse mehr Trauer-Arbeit stattfinden, damit Hinterbliebene nicht alleine sind. "Deshalb leisten wir hier wertvolle Arbeit", sagt Berres.

"Kontrapunkt zur Spaß-Gesellschaft"

Niemand sei gezwungen sich aktiv am Gespräch zu beteiligen. Auch Schweigen könne helfen, die Trauer zu verarbeiten. "Wir geben keine Ratschläge, wie der richtige Weg aussieht, einen Verlust zu verarbeiten, aber wir gehen diesen Weg gemeinsam", so Angelika Ewig. Mit-Gründerin Hildegard Jauch ergänzt: "Wir bewerten nichts und niemanden. Alles was gesagt wird, bleibt auch hier."

Im Trauercafé sind Menschen jeglicher Konfession und Weltanschauung willkommen. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange der Verlust her ist. "Bei manchen bricht die Trauer erst später aus. Viele müssen trotz schweren Verlustes weiterhin im Job oder in der Familie funktionieren. Wir bieten diesen Menschen eine Gemeinschaft an", sagt Evemarie Stephan-Ambacher über das niederschwellige Angebot. Bewusst habe man den Samstagvormittag gewählt, denn "gerade am Wochenende fühlen sich Hinterbliebene oft allein und fallen in ein tiefes Loch", so Stephan-Ambacher weiter.

Für die Zukunft wünschen sich die fünf Ehrenamtlichen eine rege Beteiligung, damit besonders Hinterbliebene, die nach einem Sterbefall ganz alleine sind, wieder Zugehörigkeit  finden. "Wir alle hier sind Menschen mit viel Lebenserfahrung und begegnen anderen Menschen, wie sie sind", sagt Evemarie Stephan-Ambacher abschließend.

+++Das Konzept+++

Das Trauercafé im Stadtteilzentrum Wesertor, Wesertorstraße 26, öffnet jeden zweiten Samstag im Monat von 10 bis 12 Uhr seine Türen. Nach einem gemeinsamen Frühstück (hierfür wird ein Kostenbeitrag von 2,50 Euro erbeten) kann gemeinsam geredet, geschwiegen, gelacht oder geweint werden.Die nächsten Termine sind:9. Mai, 13. Juni, 11. Juli und 8. August.  Weitere Infos bei Klaus Berres unter Tel. 0561-208425.

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