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,Ohne Kraftfahrer würden wir nicht versorgt‘

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Christiane Raub ist Inhaberin der Spedition Raub in Baunatal. Sie hat den Betrieb von ihren Eltern übernommen. © Privat

In der Speditions- und Logistikbranche: Fachkräftemangel und Schwierigkeiten „vernünftige“ Azubis zu bekommen sind nur zwei von vielen Problemen / Interview mit Christiane Raub

Baunatal In zahlreichen Branchen sucht man aktuell händeringend nach Fachkräften. So auch in der Speditions- und Logistikbranche. Doch das ist nicht das einzige Problem, mit der die Branche zu kämpfen hat. Wir sprachen mit Christiane Raub, Inhaberin der gleichnamigen Spedition in Baunatal.

Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg, steigende Energiekosten und Personalengpässe bei einer konstant hohen Nachfrage nach Güterverkehrsdienstleistungen… die Speditions- und Logistikbranche befindet sich aktuell in schwerem Fahrwasser. Was sind für Sie die Hauptprobleme in der aktuellen Situation?

In der Corona Krise haben die Betriebe ihre Substanz aufgebraucht um diese Ausfälle durch Lockdown, Quarantäne der Mitarbeiter und Lieferengpässe zu verkraften und auszusitzen!

Viele Betriebe haben diese Zeit noch nicht verkraftet und können derzeit noch nicht voll arbeiten und Umsatz generieren.

Aktuell müssen wir eine dramatische, in der Geschichte so bisher noch nicht da gewesene, Zeit verkraften. Erst Corona und danach der Krieg in Europa – wir haben alle dadurch extreme Preissteigerung zu verzeichnen.

Die Versorgungslage der deutschen Wirtschaft ist empfindlich angeschlagen – teilweise unterbrochen. Engpässe an Materialen führen zu Kostenexplosionen. Eine außergewöhnliche, schwierige Zeit – für alle.

Jeder von uns nimmt wahr, wie Energiepreise signifikant steigen.

Die Löhne und Gehälter müssen steigen und ich habe 6,8 Prozent mehr gezahlt, obwohl noch nichts verhandelt, ist von Verdi – bei den gestiegenen Energiekosten, kann man nicht warten bis andere mal was ändern – ich habe gleich reagiert und gehandelt. Allerdings hat der Großteil meiner Mitarbeiter eine kalte Progression – wo der Staat gefordert ist dies unverzüglich zu ändern. Viele Mitmenschen verstehen nicht, was, wie und wann eine kalte Progression zustande kommt, und halten ihren Chef dafür verantwortlich – was nicht stimmt. Diese Unwissenheit erzeugt zusätzlich noch Unfrieden!

Das Wort „Fachkräftemangel“ hört man gefühlt in jeder zweiten Nachrichtensendung. Wie schaut es da in Ihrer Branche aus? Haben sie ebenfalls Nachwuchsprobleme? Falls „ja“, wie könnte man diesen entgegenwirken? Welche potentiellen Maßnahmen gibt es?

Fachkräftemangel – ja ein großes Problem! Das Problem ist vielschichtig. Das Problem fängt im Elternhaus an und geht in der Schule weiter. Die Schüler konnten durch die Pandemie keine Praktika machen, was sicherlich auch erwähnt werden muss.

Der Beruf als Kraftfahrer im Güterfernverkehr ist ein Beruf, der im Alltag nicht leicht ist, dennoch brauchen wir diese Berufsgruppe genauso wie einen Fliesenleger, Elektriker, Dachdecker oder Installateur.

Das Image der handwerklichen Berufe ist mit folgenden Aussagen behaftet: Verdienste nichts, du hast nur dreckige Hände, ist was für Dumme, uncool, da muss man ja körperlich arbeiten usw.

Alle Waren, die wir direkt oder indirekt zum Leben brauchen, werden transportiert und der Beruf zum Kraftfahrer ist ein versorgungsrelevanter Beruf der Gesellschaft.

Leider hat dieser Beruf ein schlechtes Ansehen in der Gesellschaft, genau wie viele der anderen Handwerklichen Berufe, obwohl wir alle ohne Kraftfahrer aufgeschmissen wären. Ohne Kraftfahrer würde unsere Gesellschaft nicht versorgt. Dieser ist wichtiger Bestandteil zum Erhalt der Infrastruktur des Landes.

Was ist es, was den Beruf des Berufskraftfahrers ausmacht? Und mit welchen Schwierigkeiten/Hürden hat der Berufskraftfahrer zu kämpfen?

Trotz der Verantwortung und Verpflichtung die man als Kraftfahrer hat, ist dieser Beruf von der der Gesellschaft nicht vollwertig anerkannt. Dass man trotz all dem seinen Verpflichtungen nachkommen sollte auch im Bezug auf Verkehrssicherheit, Lenk und Ruhe – Zeiten und der Voraussetzungen des Betriebes gerecht zu werden, ist somit kein leichtes Unterfangen.

Der Beruf als Kraftfahrer im Güterverkehr erfordert viele Kenntnisse und technisches Verständnis/ Geschick. Dieser Beruf gehört zu den anspruchsvollen Berufen – schon alleine durch die Führerscheine zum Fahren eines 40-Tonner-Zuges Das ist ein Beruft für eine gutausgebildete Fachkraft.

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Christiane Raub mit ihrem Büroteam: (v.l.) Eike Hochhaus, Torsten Schmitt und Fabian Beier. © Nina Skripietz

Der Weg ans Steuer... eine Zukunft als Profi-Trucker beginnt mit einer dreijährigen anerkannten Ausbildung zum Berufskraftfahrer m/w/d sammelt man Praxiserfahrung im Betrieb, lernt Theorie in der Berufsschule und macht die Führerscheine B und CE in der Fahrschule. Mit 17 könnte den Pkw Führerschein und mit 18 den Lkw-Führerschein absolvieren. Beide Führerscheine werden vom Ausbildungsbetrieb übernommen.

Außerdem erlernt man: Wirtschaftliches Fahren, Fahrzeugpflege und Wartung, Fahrtenplanung, Ladungssicherung, Fahrphysik und Technik-Know-how und das richtige Verhalten mit Kunden.

Nach Ende des dritten Ausbildungsjahres ist man ...Profi-Trucker mit Brief und Siegel von der IHK – danach kann man übernommen werden und einen sicheren Arbeitsplatz mit Bezahlung als Fachkraft haben.

Die Berufe werden in den Berufsvorbereitungsinformationen nicht erklärt und vorgestellt. Vielleicht sollten viel mehr Praktika absolviert werden und die jungen Leute sollten die Berufe kennenlernen dürfen. Ich biete jederzeit Praktika an und empfehle jedem sich diesen Beruf anzusehen und mitzumachen, um rauszufinden, ob es der Berufswunsch wird.

Der Kraftfahrer arbeitet an einem technisch anspruchsvollen Arbeitsplatz, der teils in der Automobilbereich noch nicht vorhanden ist und dass man den Beruf des Kraftfahrers nicht auf die Fehler weniger reduzieren sollte. Der Beruft erfordert ein hohes Maß an technischem Verständnis und dadurch die Verantwortung an der Teilnahme im öffentlichen Straßenverkehr.

Als Inhaberin einer Spedition, habe ich die langjährigen Angestellten gebeten, Ihr Fachwissen an zukünftige Praktikanten und Auszubildende weiterzugeben und diese zu unterstützen, sich Ihren Traumberuft zu ermöglichen.

Sie suchen auch Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung, beziehungsweise Sie bilden diese aus. Was erwartet einen „Speditionskaufmann-Azubi“, der bei der Spedition Raub lernt?

Wir bilden Speditionskaufleute aus und arbeiten nach den „7R“!

Damit die Berufskraftfahrer mit der optimalen Zeit und Strecke die Güter, in unserem Fall „Neumöbel“, zustellen können, benötigen Sie ein Team hinter sich was die Kraftfahrer unterstützt, optimal plant und betreut - das sind wir - die Speditionskaufleute!

Ein Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen arbeitet nach den „7 R“ : das richtige Produkt- in der richtigen Menge- zur richtigen Zeit- am richtigen Ort- in der richtigen Qualität- zu den richtigen Kosten - mit dem richtigen Servicebereitzustellen.

Was macht ein Speditionskaufmann?

Nach der Ausbildung zum Speditionskaufmann bist Du dafür zuständig, den Versand von Waren entlang der gesamten Lieferkette zu koordinieren. Dies beginnt mit der Beratung der Kunden über das Dienstleistungsangebot der Spedition, auch über Art der Lagerung seiner Güter kann der Kunde entscheiden. Seine Wahl hat entscheidenden Einfluss auf den Gesamtpreis, der anschließend kalkuliert werden muss. Ist die Ware bereit für den Versand, gehört es zu den Speditionskaufmann-Aufgaben, den Terminplan zu entwerfen und dafür zu sorgen, dass die Waren ordnungsgemäß zu Ihrem Bestimmungsort verbracht werden. Die Warenan- und -ausgabe sowie Lagerlogistik gehört zu dem Berufsbild und lockert den Beruft auf!

Wie wird man Speditionskaufmann?

Die Ausbildung zum Speditionskaufmann ist vor einiger Zeit durch die Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen ersetzt worden. Umgangssprachlich wurde aber der Speditionskaufmann als Titel beibehalten. Um als solcher zu arbeiten, musst Du eine bundesweit einheitlich geregelte Ausbildung zum Speditionskaufmann absolvieren, die drei Jahre dauert. Bei guter Leistung hast Du die Möglichkeit, Deine Speditionskaufmann-Ausbildung zu verkürzen. Wenn Du bereits eine erste Ausbildung absolviert hast, hast Du außerdem die Möglichkeit, eine Umschulung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen zu machen. Diese dauert dann nur zwei Jahre.

In jedem Fall besuchst Du aber während Deiner Ausbildung zum Speditionskaufmann einerseits die Berufsschule und arbeitest andererseits in einem Betrieb mit, um alle Speditionskaufmann-Aufgaben kennenzulernen. Eine formale Zugangsvoraussetzung für die Speditionskaufmann-Ausbildung gibt es dabei nicht, es kann aber trotzdem nicht schaden, wenn Du einen Realschulabschluss mitbringst.

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EXTRA INFO

Was ist eine kalte Progression?

Kalte Progression ist die absolute und relative Erhöhung der Steuerschuld in einem progressiven Einkommensteuersystem durch eine Einkommenssteigerung, während gleichzeitig die Kaufkraft aufgrund der Inflation nicht im gleichen Ausmaß mitgestiegen ist. So wird durch die allgemeine Einkommensentwicklung das Steueraufkommen automatisch gesteigert. Erhält ein Steuerpflichtiger eine Einkommenssteigerung, rutscht er in eine höhere Progressionsstufe. Liegt die Einkommenssteigerung unterhalb der Inflationsrate, hat der Steuerpflichtige allerdings nicht an Kaufkraft gewonnen.

Wie wirkt sich kalte Progression auf den Lohn aus?

Derzeit treffen kalte Progression und hohe Inflation zusammen, wodurch die Bürgerinnen und Bürger beim Einkauf deutlich spüren, dass sie sich weniger leisten können als bisher - also einen realen Lohnverlust haben. Um diesen Effekt abzufedern, hat die Regierung nun ein Entlastungspaket geschnürt.

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