Ordnungsamt und Polizei machen Kasseler Partymeile dicht

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Corona-Abstand? In Kassel war das Samstagnacht egal!

Eigentlich sollten laut Stadt-Konzept weniger Besucher zur Feiermeile kommen. Doch das Gegenteil war der Fall...

Kassel. Es war schon im Vorfeld fragwürdig, was die Stadt Kassel für Samstagabend eigentlich zugunsten der Gastronomen entschieden hatte. Denn am Schluss waren die Gastwirte wieder die Leidtragenden. Weil das Ordnungsamt die Kneipen schließen ließ, als man merkte: Das Konzept geht nicht auf!

Um große Menschentrauben auf den Gehwegen zu verhindern und vor dem Hintergrund der derzeit unkritischen 7-Tage-Inzidenz (Die vom Land Hessen bestätigte 7-Tage-Inzidenz lag in der Stadt Kassel am Sonntag bei 15,9. Damit befindet sich die Stadt Kassel nach wie vor in der ersten Stufe des Corona-Eskalationskonzeptes des Landes Hessen) hatte die Stadt Kassel entschieden, die Friedrich-Ebert-Straße am Samstagabend zwischen Karthäuser Straße und Annastraße in beiden Richtungen vorübergehend für den Auto- und Nahverkehr zu sperren.

Die Gastronomiebetriebe konnten dafür ab 20 Uhr ihre Wirtschaftsgärten mit Außenbestuhlung erweitern. Damit sollte den Menschen - die an den Wochenenden zuvor sowieso diesen beliebten Anlaufpunkt aufsuchten und auf den Gehwegen zuweilen dicht gedrängt beieinander standen - mehr Abstandsmöglichkeiten gegeben werden. Das funktionierte laut Pressemitteilung der Stadt Kassel bis Mitternacht auch ganz gut.

Nach Mitternacht füllte sich die Friedrich-Ebert-Straße allerdings zunehmend. Weil in der Folge die Abstandsregeln nicht mehr so eingehalten wurden wie vorgesehen, entschied die Stadt Kassel in Abstimmung mit der Polizei, auch die noch geöffneten Betriebe zu schließen. Parallel wurden die Besucherinnen und Besucher per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, den Bereich der abgesperrten Friedrich-Ebert-Straße zu verlassen. Ein Großteil der Menschen kam den Durchsagen auch nach.

Wie Anwohner berichten, lief aber nicht alles so glatt ab: Die Autoposer nutzten schon am frühen Abend die Goethestraße als Ausweichstrecke und ließen dort ihre Motoren aufheulen. "Dass es in den letzten Jahren nur noch Feierlärm und Geschrei an den Wochenenden auf der Friedrich-Ebert-Straße gab, ist nichts Neues. Was aber vergangenen Samstag während einer weltweiten Pandemie an Menschenmassen möglich war, kann man sich kaum vorstellen. Es war einfach nur erschreckend", sagt Paul K., der in der Goethestraße wohnt. Und: Nachdem die Feiernden die Kneipenmeile verlassen hatten, zogen sie lautstark durch die angrenzenden Straßen. "Als ich am Fenster stand, hörte ich eine Gruppe männlicher Jugendlicher immer wieder das Wort 'Gruppenvergewaltigung' schreien und ein Mädchen, das hysterisch dazu lachte", erklärt Paul K. weiter.

Zahlreiche Nachtschwärmer konnten es auch nicht verstehen, dass von der Stadt eine Chill & Grill-Veranstaltung auf einem großen Bootshaus-Gelände an der Fulda von Seiten der Stadt abgesagt wurde, sich auf der Kneipenmeile aber große Menschenansammlungen bilden durften.

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