Origineller Gutschein: Im Berliner Keller gibt's auf den Deckel

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Wo Thomas Wszola und Beate Lämmerhirt sonst frisches Bier aus dem Zapfhahn sprudeln lassen, haben sie in Zeiten von Corona alles mit Tüchern abgedeckt.

„Der Berliner Keller bekommt einen auf den Deckel“ – mit dieser Botschaft werben Thomas Wszola und Beate Lämmerhirt in den sozialen Medien, damit ihre Kultkneipe in der Tannenkuppenstraße die Coronakrise überdauern kann.

Kassel. Wie viele andere Gaststätten und Bars musste auch das Betreiberpaar seine Kneipe Mitte März vorerst schließen. „Zuerst dachte ich das ist jetzt der Untergang, nun geht es bergab“, sagt die Wirtin. „Da unser Standort etwas außerhalb liegt, leben wir zu 50 Prozent von unseren Stammgästen, die momentan nicht mehr kommen können. Das ist eine Katastrophe“, ergänzt Thomas Wszola. Doch sein Sohn Franz, der bei der Hamburger Kreativagentur Jung von Matt arbeitet, kümmert sich nicht nur um den Internetauftritt der Kneipe, sondern hat auch eine rettende Idee:

Alle, die den Berliner Keller in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchten, können sich per WhatsApp oder Facebook einen persönlichen Bierdeckel kaufen. Diese Gutscheine mit einem wählbaren Wert von 10, 20 oder 30 Euro werden nach dem Kauf in der Kneipe hinterlegt und können eingelöst werden, sobald wieder geöffnet ist. Als erster Kasseler Standort hat sich der Berliner Keller außerdem für das Hamburger Gastro-Projekt ‚Pay now eat later‘ registriert. Ins Deutsche mit ‚zahl jetzt, iss später‘ übersetzt, können auf dieser Plattform nach dem gleichen Prinzip vorab Gutscheine für die Kneipe im Vorderen Westen erstanden werden.

„Hoffen auf ein baldiges Wiedersehen!“ – Die Gutscheine können per WhatsApp-Nachricht an 0561-39899 und über Facebook erworben werden.

Die liebevoll bemalten Gutscheine sind bis Ende 2021 gültig und werden derzeit fleißig ausgestellt. „Nach einer Woche haben wir schon elf Deckel gesammelt und können durch die Einnahmen einen Teil der laufenden Kosten decken“, freut sich Beate Lämmerhirt. Aber nicht nur der erfolgreiche Deckelverkauf zeigt Thomas Wszola und seiner Frau, wie treu ihnen ihre Stammgäste seit zwölf Jahren sind und wie sehr die Gäste ihren Lieblingskeller erhalten möchten. Neben zahlreichen Besuchern aus der direkten Nachbarschaft, aus Harleshausen oder Vellmar kommen auch regelmäßig Stammtischgruppen und zwei Dartvereine. Letztere haben fernab der Deckelaktion reichlich gespendet, damit sie nach der Pandemie wieder ihre Dartmeisterschaften im Berliner Keller ausrichten können.

„Montags und donnerstags kommt auch immer eine Seniorenrunde zum Knobeln. Mehrere haben direkt angerufen und gefragt, ob und wie lange zu ist“, sagt Thomas Wszola. Das Betreiberpaar hat sich allerdings auf eine längere Schließzeit ihres seit über 70 Jahren bestehenden Lokals eingestellt. „Da können wir nur hoffen, dass wir uns alle wieder sehen“, meint der ehemalige Kraftfahrer.

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