Pfand nicht in den Müll: Modellprojekt soll Sammeln von Flaschen organisieren

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Kassel. Pfandsammlern helfen: Während Grüne einen Sammelbehälter vorschlagen, denkt Stadt Kassel an das Marburger Projekt "Pfandsache".

Kassel. Der Griff in den Mülleimer kostet Überwindung. Es ist schwer, die angewiderten Blicke der anderen zu ignorieren, die Scham hinter sich zu lassen  – und die Hand in den Abfall anderer einzutauchen. Nur um seinen Lebensunterhalt um ein paar Euro aufzubessern.

Um dieser menschenunwürdigen Situation entegegenzuwirken und gleichzeitig mehr für die Umwelt und das Erscheinungsbild der Stadt zu tun, hat die Kasseler Grüne-Fraktion vorgeschlagen, in Kassel einen Flaschen-Sammelbehälter als Modellprojekt zu starten. "Ich bin darauf in Hamburg beim Spazierengehen gestoßen. Es wäre nicht nur für Flaschensammler angenehmer und sicherer. So könnte mehr Müll verwertet werden", erklärt Stadtverordnete Christine Hesse. Doch die Stadt Kassel sieht mit dem angefragten Modellprojekt gleich mehrere Probleme verbunden – von den Kosten von knapp 500 Euro pro Behälter abgesehen. "Erreicht man mit dem System die Menschen, die bisher in den Papierkörben nach Pfandflaschen gesucht haben? Oder entwickelt sich damit vielmehr eine neue Sammelleidenschaft unter z.B. Schulkindern? In dem Fall könnten die bisherigen Flaschensammler mehr Nachteile haben als bisher", erklärt Stadtsprecher Sascha Stiebing auf Anfrage des EXTRA TIP. Außerdem stelle sich die Frage, wer die Standplätze sauber hält.

"Ich finde es schade, dass Bürgermeister Kaiser sich dagegen ausgesprochen hat", sagt Christine Hesse. Denn dass es nicht viel kosten muss, zeigt "Lemonaid". Das Hamburger Projekt ruft Selbstbastler auf: Eine Kiste des Getränkeherstellers "Lemonaid" wird aufgesägt und mit Kabelbindern und Metallringen an Laternenpfählen und anderen geeigneten Stellen befestigt. So hängen schon in Hannover, Bremen, Oldenburg und Berlin dutzende Pfandkisten. Laut dpa-Info seien die Reaktionen sehr unterschiedlich: Manche Städte hielten die Behälter für unangebracht, andere würden sie dulden.

Kommt Marburger Modell?

Allerdings habe Bürgermeister Jürgen Kaiser auf ein Marburger Modell verwiesen, das für die Stadt Kassel denkbar wäre: "Pfandsache" (siehe EXTRA INFO). Hier werden Anmeldungen entgegen genommen und Abhollisten erstellt – so kommen nicht nur Angebot und Nachfrage zusammen, sondern auch die Vernetzung zu lokalen Akteuren wird übernommen. Zwar gibt es bereits die Möglichkeit, sich unter pfandgeben.de anzumelden – jedoch agiert die Seite bundesweit mit wenig Lokalbezug. "Der Stadt und auch den Straßenreinigern erscheinen Projekte sinnvoller, die einen Direktkontakt zwischen Pfandgeber und Pfandsammler herstellen", sagt Stiebing. Mit dem direkten Kontakt könne gezielter unterstützt werden. Auch der soziale Aspekt werde umgesetzt "und im öffentlichen Raum findet keine ‘wilde’ Sammlung statt, die negative Begleiteffekte hat". Trotzdem ist das Sammelbehälter-Projekt nicht ganz zu den Akten gelegt: So zieht der Asta der Uni Kassel in Erwägung, ein solches Modellprojekt auf dem Uni-Gelände als Test voranzutreiben. Für ein Gespräch waren weder der Asta noch die Pressesprecher der Uni Kassel zu erreichen.

+++ EXTRA INFO +++

Das Marburger Modell

"Pfandsache” schafft einen organisatorischen Rahmen für die Pfandsammler Marburgs, damit diese ihre Tätigkeit als Dienstleistung gegenüber Dritten anbieten können. Anstatt an Bushaltestellen, Straßenecken und Parks Mülleimer durchsuchen zu müssen, soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, dem Sammeln wirtschaftlicher und sicherer nachzugehen. Pfand kann über eine Website, Facebook oder Telefon zur Abholung angegeben werden.

Aus Plastikflaschen wird in Istanbul Hundefutter

Da hat sich der türkische Tierschutz aber etwas einfallen lassen: Mit einem Automaten werden in Istanbul nicht nur Flaschen und anderer Plastikmüll verwertet, sondern auch Straßenhunde und streunende Katzen gefüttert. Einfach oben die Plastikflasche einwerfen – und unten füllen sich die beiden Näpfe. Mit diesem Modell könnten auch in der Region z.B. Tierheime unterstützt werden. Das YouTube-Video hat bereits über eine Million Klicks.

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