Weg mit dem Plastik: Kasseler Studentin hat nachhaltige Zahnbürste entwickelt

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Hat eine nachhaltige Zahnbürste aus Keramik entwickelt: Lisa-Marie Schmidt

Die Weltmeere sind voll von Plastikmüll. Und gerade Dinge aus dem Alltag können echte Dreckschleudern sein - wie zum Beispiel die herkömmliche Zahnbürste. Lisa-Marie Schmidt aus Kassel hat deswegen eine nachhaltige Zahnbürste entwickelt.

Von Çigdem Özdemir

Kassel. Plastik ist überall. Laut NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. – landen jährlich etwa zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Wie man verantwortungsbewusster mit dem eigenen Hausmüll umgehen kann, überlegte sich die Kasseler Produktdesign-Studentin Lisa-Maria Schmidt. Sie gestaltete eine Wechselkopfzahnbürste aus Keramik.

Entstanden ist ihr Produkt im Semesterprojekt „Keramik to GO“, betreut von Prof. Robert Suk (Projektprofessur Produktdesign). Bei diesem Projekt sollten Studierende nachhaltige Alternativen zu Produkten entwickeln, um dem weltweit wachsenden Plastikmüllberg entgegenzuwirken. Lisa-Maria kam ihre zündende Idee während des Zähneputzens: „Früher gab es die Wechselkopfzahnbürste, bei der nur die Borsten ausgetauscht wurden. Ich habe mich gefragt, wieso gerade jetzt, wo das Thema Nachhaltigkeit dringlicher als je zuvor ist, diese Zahnbürste in Vergessenheit geraten ist“, erklärt die Studentin. Zahnärzte empfehlen, mindestens alle drei Monate die Zahnbürste zu wechseln. Von dieser Prognose ausgehend, werden allein in Deutschland jedes Jahr Abermillionen an Zahnbürsten produziert, genutzt und entsorgt.

Lisa-Maria Schmidt studiert an der Kunsthochschule Kassel Produktdesign (Diplom).

„Hier wird eine gewaltige Menge an Rohstoffen eingesetzt, die am Ende im Müll landen. Durch die Keramik-Wechselkopfzahnbürste könnten wir bis zu 70 Prozent des Plastikmülls einsparen, der durch herkömmliche Zahnbürsten verursacht wird“, so Schmidt. „Der Bürstenkopf besteht zwar weiterhin aus Kunststoff, da Keramik die Zähne und das Zahnfleisch beschädigen kann. Aber anstatt die Zahnbürste komplett zu entsorgen, kann das Handteil problemlos in der Spülmaschine gereinigt werden.“

Bambuszahnbürsten sind nicht nachhaltig

Für ihre Zahnbürste hätte die Gestalterin auch ein anderes nachhaltiges Material einsetzen können. Aber nicht alles, was als nachhaltig etikettiert wird, ist auch umweltfreundlich: Um Plastik zu vermeiden, setzen einige Hersteller beispielsweise auf Bambuszahnbürsten. Die Borsten dieser Bürsten bestehen jedoch meist aus Nylon-4 und werden somit aus Erdöl gewonnen. Aber selbst wenn Bio-Kunststoff verwendet wird, gibt es Probleme – der ist zwar prinzipiell abbaubar, aber nicht so schnell, dass die Zahnbürste in der Biotonne entsorgt werden kann: „Die Borsten aus der Bürste werden umständlich herausgezogen und im Restmüll entsorgt.

Außerdem haben Erfahrungsberichte gezeigt, dass die Bambuszahnbürste schnell schimmelt und somit nicht mehr hygienisch genutzt werden kann“, gibt Schmidt zu bedenken. Um ihre Produktidee zu realisieren, hat die Gestalterin zunächst viele Zahnbürsten aus verschiedenen Materialien und Formen geprüft. „Ich wollte schauen, wie sich die Gestaltung auf die Handhabung ausübt“, so Schmidt. Zudem habe sie sich intensiv mit medizinischen Zahnarztbestecken beschäftigt. Wichtig sei ihr, dass ihre Zahnbürste ergonomisch gut geformt sei: „Ich habe versucht, diverse Studienergebnisse in meine Gestaltung mit einfließen zu lassen. Die Bürste sollte dort, wo Daumen und Zeigefinger aufliegen, rund sein, sodass sie durch kleine Rotation auf und ab bewegt werden kann, um die Zähne effektiv zu reinigen“, erklärt Schmidt.

Mit ihrem Zahnbürste will Schmidt eine Brücke zwischen Material, Form und Funktion schlagen. Entstanden ist das Produkt im Semesterprojekt „Keramik to GO“.

Mit ihrem Entwurf will sie eine Brücke zwischen Material, Form und Funktion schlagen und mit der Haptik des Porzellans und besonderen Formdetails eine ergonomisch-zeitlose Bürste entwerfen: „Ich wollte einen Gegenstand entwickeln, den man gerne benutzt und der sich in der Hand gut anfühlt“, sagt Schmidt. Die Studentin hat zwei wichtige Kooperationen für ihr Projekt geschlossen.

Durch ihren Professor Robert Suk entstand die Zusammenarbeit mit der Rosenthal GmbH, da Prof. Suk dort gleichzeitig Design-Direktor ist. Von Rosenthal bekommt Schmidt nun die Keramik für die Herstellung ihrer Zahnbürste. Eigeninitiativ stellte sie zudem der Firma Braun® / Oral-B ihr Konzept vor: „Das Unternehmen war bereit, mein Projekt zu betreuen und stellte mir den Bürstenkopf zur Verfügung“, freut sich die Produktdesignerin. Ihre Wechselkopfzahnbürste (20 cm lang) wird zurzeit von Rosenthal produziert. Für ihren Prototyp hat die Studentin noch kein Patent angemeldet.

„Es würde mich unheimlich freuen, wenn man meine Zahnbürste irgendwann kaufen könnte“, hofft Schmidt. In ihrer Diplomarbeit möchte die Designerin an diesem Thema weiterarbeiten.

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