Polizei-Internet-Experte: Handy-Nutzer sind oft zu sorglos

+
Vorsicht: Ein „Trojaner” auf dem Handy kann sensible Daten auslesen.

Das Abwickeln sensibler Vorgänge über die mobilen Geräte macht sie zu einem lohnenden Angriffsziel für Kriminelle.

Kassel. Waffenkäufe und Drogenhandel, Erwerb von Falschgeld oder gehackten Kartendaten: Nicht nur die Welt scheint immer ein wenig schlimmer zu werden, auch die schier grenzenlosen Möglichkeiten des Internets haben ihre Schattenseiten. Während für oben genannte Delikte das internationale Gangstertum im sogenannten "Darknet” seinen Tummelplatz gefunden hat, surfen viele Opfer im eigentlichen Internet.

"Hier werden weitaus mehr Straftaten verübt”, weiß Polizeihauptkommissar Oliver Kranki, Präventionsbeauftragter der nordhessischen Polizei für den Bereich Internetkriminalität. Das begehrteste Diebesgut: die digitale Identität, also Passwörter von Bank-Kunden oder Online-Shoppern. "An die Internet-Nutzerdaten gelangen die Täter über Trojaner oder Phishing Attacken. Die gestohlenen Daten werden über illegale Verkaufsplattformen veräußert oder für die eigenen kriminellen Zwecke genutzt”, weiß Oliver Kranki. Haben die Täter beispielsweise Kontoanmeldeinformationen – E-Mail-Adresse und Passwort – erhalten, können sie Waren im Internet kaufen oder Überweisungen tätigen.

"Es herrscht immer noch eine gewisse Arglosigkeit”, sagt Polizeihauptkommissar Oliver Kranki. Vielen sei nicht bewusst, dass sie mit ihrem modernen Handy nicht nur ein Telefon, sondern einen Computer bei sich tragen.

Handy ist "Haustür” zu sensiblen Daten

Wer dann noch Programm-Updates versäume, Spam-Mails anklicke oder dubiose Apps aufs Handy lade, "könne auch daheim die Haustür offen stehen lassen”, zieht Oliver Kranki einen Vergleich mit der realen Welt. Denn das Abspeichern persönlicher Informationen und das Abwickeln sensibler Vorgänge über die mobilen Geräte (u. a. das Abspeichern von Daten in der Cloud) macht sie zu einem lohnenden Angriffsziel für Kriminelle. Ein wesentlicher Aspekt ist, dass mobile Endgeräte im Gegensatz zum klassischen PC in der Regel ständig online sind und die jeweiligen Nutzer mittlerweile einen Großteil ihrer digitalen Aktivitäten über diese Geräte abwickeln. "Dieser Trend steigert die Bedeutung und Attraktivität mobiler Endgeräte für Cyberkriminelle”, so die Einschätzung des Bundeskriminalamts zur aktuellen Lage.

Der Weg zu mehr Sicherheit

1. Verschlüsseln Sie ihr Handy mit einem Code. Tippen Sie dabei die Zahlen ein und verwenden kein "Wisch-Muster”, das sich auf der Oberfläche ablesen lässt und viele Zahlenkombinationen ausspart.2. Verwenden Sie sichere Passwörter in jedem Account (Anleitung siehe unten)3. Speichern Sie diese nicht auf ihrem Zugangsgerät4. Wechseln Sie diese regelmäßig!5. Geben Sie Internetseiten per Hand ein und nicht durch Klicks auf in Emails genannter Links6. Überlegen Sie gut, welche Daten und Fotos Sie in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Urlaubsfotos haben schon Einbrechern den Weg geebnet!

Das sichere Passwort

Tatsächlich sind "passwort” oder "1234” noch häufig verwendete Zugangs-Schlüssel sorgloser Nutzer. Wie man ein sehr sicheres Passwort erfindet – und sich auch merken kann – erklärt PolizeihauptkommisarOliver Kranki.

1. Nehmen sie die Anfangsbuchstaben (oder Ende) der ersten Zeile ihres Lieblingslieds oder Gedichts

--> Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen, am Himmel hell und klar

--> DMiadgSpaHhk

2. Fügen sie ihre Lieblingszahl hinzu (z.b: 89)89DMiadgSpaHhk89

3. Erweitern Sie das Passwort um zwei Sonderzeichen%89DMiadgSpaHhk89&

4. Indivisualisieren Sie das Passwort für verschiedene Accounts:%89DMiadgSpaHhk89&Go(Google)%89DMiadgSpaHhk89&Am(Amazon)

Cybercrime

Cybercrime stellt Strafverfolgungsbehörden vor große Herausforderungen, kennt keine Landesgrenzen, Mauern oder abgeschlossene Türen: Sie findet dort statt, wo Menschen Computer und Smartphones nutzen. 2015 wurden über 45.000 Cybercrime-Fälle von der Polizei erfasst. "Der hieraus entstandene Schaden beläuft sich auf über 40 Millionen Euro”, so das Bundeskriminalamt bei der Vorstellung des Bundeslagebild "Cybercrime”. Das Dunkelfeld ist groß: Polizeiliche Statistiken bilden nur einen kleinen Ausschnitt der tatsächlichen Dimension von Cybercrime ab. Die Täter gehen dabei dezentral vor, kommen in kleinen Gruppen online zusammen, begehen Straftaten und trennen sich wieder. Aber auch längerfristige Zusammenschlüsse im Sinne klassischer Organisierter Kriminalität nehmen zu. Wurde in Deutschland im Jahr 2013 noch gegen sechs OK-Gruppierungen ermittelt, waren es in 2015 schon 22.

Unter dem Schlagwort "Crime-as-a-service" bieten die Täter zwischenzeitlich ihr Know-how auch anderen Kriminellen an, quasi Kriminalität auf Bestellung. Personen ohne technische Kenntnisse können auf diese Weise Cybercrimedelikte, wie DDos-Attacken, Datendiebstähle oder Ransomware-Infektionen begehen. Besonders perfide ist die Variante der Krypto-Ransomware. Die Dateien der Opfer werden dabei verschlüsselt, der Rechner ist nicht mehr nutzbar und ein Countdown auf dem Computerbildschirm zeigt an, wann Dateien – beispielsweise Fotos und Musik – gelöscht werden, sollte das Opfer kein Lösegeld zahlen.

Auf den digitalen Schwarzmärkten (Underground Economy) werden aber nicht nur kriminelle Dienstleistungen angeboten. Aufgrund der Anonymisierungsmöglichkeiten und der Zugangsmöglichkeiten mit ausschließlich spezieller Software, sind diese Online-Marktplätze bei Kriminellen immer beliebter. Neben Rauschgift und Falschgeld werden auch gestohlene Kreditkartendaten oder Waffen gehandelt und verkauft.

"Bei der Bekämpfung der Cybercrime kombinieren wir Ermittlungsansätze der digitalen und der analogen Welt", so BKA-Präsident Münch. "Verdeckte Ermittler gewinnen auch im Netz Informationen. Immer wieder identifizieren wir illegale Online-Marktplätze im Darknet und überführen deren Betreiber. Das Internet ist kein strafverfolgungsfreier Raum. Für eine effektive Bekämpfung der Cybercrime ist es wichtig, dass jede Straftat angezeigt wird. Die Analyse der Straftaten liefert uns weitere Ermittlungsansätze und hilft, die Präventionsarbeit zu verbessern. Bei unserer Arbeit setzen wir auf ein starkes nationales und internationales Netzwerk zwischen Behörden, Wirtschaft und Wissenschaft."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Flucht vor Streife endet für berauschten Audifahrer in Sackgasse

Einen Führerschein hatte der junge Mann nicht
Flucht vor Streife endet für berauschten Audifahrer in Sackgasse

Kassel: Erbeuteter Minibackofen wird Wohnungseinbrecher zum Verhängnis

als die Polizei kam, kochte sich der 41-Jährige im geklauten Backofen bereits sein Essen.
Kassel: Erbeuteter Minibackofen wird Wohnungseinbrecher zum Verhängnis

Tuning-Träume: Impressionen von der Essen Motor Show

Aus ganz Europa reisen derzeit Tuning-Enthusiasten nach Essen, um neue Trends zu erleben.
Tuning-Träume: Impressionen von der Essen Motor Show

Gastro in der Kasseler Orangerie meldet Insolvenz an – Betrieb läuft weiter

So viele Events - und doch so wenig Geld übrig: Die Gastronomie im Schloss Orangerie wird nun von einem vorläufigen Insolvenzverwalter geführt.
Gastro in der Kasseler Orangerie meldet Insolvenz an – Betrieb läuft weiter

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.