Polizei präsentiert Kriminalstatistik: Weniger Straftaten - höhere Aufklärungsquote

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Präsentierten die Kriminalstatistik 2017:V.l.: Gerald Hoffmann, Leiter Abteilung Einsatz, Polizeipräsident Konrad Stelzenbach und Jürgen Wolf, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Polizeipräsident Konrad Stelzenbach, Gerald Hoffmann und Jürgen Wolf haben heute die Kriminalstatistik für Nordhessen präsentiert.

Kassel. Im Polizeipräsidium Nordhessen ist im Vergleich der letzten zehn Jahre die geringste Anzahl der erfassten Straftaten bei gleichzeitiger Steigerung der Aufklärungsquote festzustellen. Im Berichtszeitraum 2017 sind insgesamt 42.416 Delikte zur Anzeige gebracht worden, was im Vorjahresvergleich einen Rückgang um rund 1.700 Straftaten bedeutet. 25.960 Fälle konnten aufgeklärt werden. Damit ist die Aufklärungsquote der Polizei um 0,5 Prozent gestiegen und liegt nun bei 61,2 Prozent.

Mit einer Ausnahme im Jahr 2014, ist somit in den letzten zehn Jahren ein kontinuierlicher Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen. „Trotz dieses Trends beim Rückgang der Straftaten werden wir unsere Anstrengungen nicht reduzieren, sondern alles dafür tun, um unsere Bürger weiterhin vor Straftaten zu schützen und viele Täter dingfest zu machen“, sagt Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. „Auch die Prävention wird weiterhin einen großen Raum der polizeilichen Arbeit einnehmen, um die Bürger über Kriminalitätsphänomene aufzuklären und vor Kriminellen zu schützen“, so der Polizeipräsident weiter.

Stadt Kassel: 1000 Straftaten weniger als im Vorjahr

Wie im gesamten Dienstbezirk lässt sich auch für die Stadt Kassel der Trend rückläufiger Fallzahlen verzeichnen. Mit über 1.000 Straftaten weniger sind für diesen Bereich 18.382 Delikte registriert worden. Somit entfällt etwas weniger als die Hälfte der gesamten Straftaten in Nordhessen auf die Stadt Kassel. Die Zahl der aufgeklärten Delikte blieb mit 60,5% im Vorjahresvergleich annähernd hoch (60,3%). Dies entspricht 11.122 geklärten Straftaten.

Im Kasseler Kreisgebiet sind die Zahlen im zurückliegenden Jahr etwas rückläufig. Mit 7.138 registrierten Delikten sind gut 300 weniger zur Anzeige gebracht worden als im Jahr 2016. Die Aufklärungsquote erreichte hier mit 57,8% denselben Wert wie im Vorjahr.

Im zurückliegenden Jahr 2017 wurden etwa 36 Prozent aller in der PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) erfassten Straftaten im Diebstahls-Sektor registriert, jede fünfte Straftat war ein Vermögensdelikt. Ähnlich groß war mit knapp 20 Prozent der Anteil der „sonstigen Delikte nach dem StGB“, knapp jede achte Tat war ein sog. Rohheitsdelikt (Raub, Körperverletzung). Lediglich 1,5 Prozent der Straftaten entfielen auf die Sexualdelikte und nur knapp 0,1 Prozent waren in der Obergruppe der „Straftaten gegen das Leben“ zu verzeichnen, die aufgrund der Schwere der Tat eine eigene Kategorie darstellen.

Weniger Tötungsdelikte

In der Deliktsobergruppe der Straftaten „gegen das Leben“ weist die Statistik mit 37 Fällen (davon 23 Versuche) einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (47) auf.

Diese Obergruppe erfasst Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, die fahrlässige Tötung (ohne Delikte im Straßenverkehr) und die Delikte des Schwangerschaftsabbruchs. Statistisch gab es in fünf Fällen im Dienstbezirk des Polizeipräsidiums Ermittlungsverfahren wegen Mordes (davon drei Versuche), in 23 Fällen wegen Totschlags (20 Versuche) und acht Fälle von fahrlässiger Tötung. Nordhessen: 37 (23 Versuche) Stadt Kassel: 21 (15 Versuche) Landkreis Kassel: 4 (2 Versuche) Auf Grund der langen und aufwändigen Ermittlungen bei den Tötungsdelikten ist hier eine Verschiebung der PKS-Zahlen unvermeidbar, da die Verfahren oft erst mehrere Monate später an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden und somit auch erst im Folgejahr in die Statistik einfließen.

Anzahl der Sexualdelikte gestiegen

In Nordhessen stieg die Anzahl der Sexualdelikte im vergangenen Jahr um 151 Straftaten auf 636 (485) an. Diese Zunahme ist unter anderem mit der Einführung des neuen Straftatbestandes des § 184i StGB -Sexuelle Belästigung- zu erklären. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Diskussionen im Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln ist dieser Straftatbestand eingeführt worden. Den größten Anstieg verzeichneten die zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen mit einem Plus von 26 Delikten. Insgesamt kamen 118 Vergewaltigungen zur Anzeige, davon 12 Versuche. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp 88 Prozent.

Etwa ein Drittel (198) aller angezeigten Sexualdelikte ereigneten sich in Kassel. Ebenso liegt der Anteil der Vergewaltigungen mit 41 Taten in der Stadt bei etwas über einem Drittel. In fast 80 Prozent der Fälle konnten Täter ermittelt werden.

Deutlich weniger Wohnungseinbrüche

Den höchsten Rückgang verzeichnete die Polizei mit einem Minus von 783 Fällen bei den Wohnungseinbrüchen. (1.599 / 816).  Dies entspricht einem Rückgang um knapp die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Hier trägt die Aufklärungsarbeit in der Kriminalprävention offenbar Früchte. So lag die Versuchsquote erstmals seit Jahren mit 50,5 Prozent über der Hälfte der angezeigten Straftaten. Ebenso wurden professionelle Täter bzw. Tätergruppen durch die Polizei aus dem Verkehr gezogen, so dass die Einbruchzahlen reduziert werden konnten. Gelegenheitseinbrecher, die nicht über das nötige Know-how verfügen, scheitern oft an den Sicherungseinrichtungen. Die hohe Aufklärungsquote des letzten Jahres konnte beim Einbruch in Wohnungen allerdings nicht erreicht werden und lag bei 14 Prozent. Ein Grund hierfür ist aber auch, dass in der Statistik des letzten Jahres ein festgenommener und mittlerweile verurteilter Serientäter Wohnungseinbrüche begangen hatte, die sich als geklärte Fälle massiv in den Werten niederschlugen.

Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze

Neben den Drogendelikten werden in dieser Straftatenobergruppe beispielsweise auch Wirtschaftsdelikte, ausländerrechtliche Verstöße sowie Waffen- und Sprengstoffdelikte beleuchtet. In der Stadt Kassel verzeichnete die Polizei einen leichten Rückgang in dieser Gruppe. Im Bereich der Rauschgiftdelikte gab es jedoch einen Anstieg um 275 Delikte, weshalb auch die Sonderermittlungsgruppe BAO Stern gegründet wurde, die vermehrt im Quartier Jägerstraße kontrolliert.

Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer leicht gesunken

Die Anzahl der Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße, bei denen mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt wurde, lag bei 2.269 (2.346) Fällen. Bei Betrachtung der Straftatenobergruppen ist festzustellen, dass Diebstähle, Rohheitsdelikte sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte die am häufigsten begangenen Delikte sind. Innerhalb der Rohheitsdelikte wiederum sind die Körperverletzungen mit einer Anzahl von 309 (462) enthalten und machen in dieser Gruppe somit den größten Anteil aus. Die Zahl der Menschen, die durch tatverdächtige Flüchtlinge zum Opfer wurden, lag bei 704 (778 im Vorjahr).

Fazit des Polizeipräsidenten

„Die diesjährigen Zahlen zeigen, dass wir weiterhin bei der Bekämpfung der Kriminalität auf einem guten Weg sind“, sagt Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. „Gleichwohl wissen wir, dass die Kriminalitätsentwicklung oftmals unberechenbar ist und wir uns immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen." Eine wichtige Komponente für eine erfolgreiche Kriminalitätsbekämpfung sind aber auch die Wahrnehmungen der Bürger. „Seien Sie stets aufmerksam und wachsam und melden verdächtige Beobachtungen umgehend der Polizei über den Notruf 110“, sagt Konrad Stelzenbach.

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