Polizeihund "Aick" stoppte den irren Messer-Mann

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Kassel. Weil ein Mieter durchdrehte, mussten Beamte eine Wohnung in Rothenditmold stürmen. Der tapfere Diensthund wurde durch Messerstiche verletzt.

 Kassel. Die Situation war äußerst brenzlig:  Am Montag vergangener Woche griff ein 36-Jähriger zum Messer und  ging damit auf andere Hausbewohner in der Gudensberger Straße im Stadtteil Rothenditmold los.Nur durch schnelles Ausweichen gelang es einem 24-Jährigen, der Messerattacke des aufgebrachten Angreifers auszuweichen.

Gegen 17.30 Uhr trafen die alarmierenden Polizeibeamten auf den aggressiven  Mann. Der Versuch, ihn mittels Pfefferspray zu stoppen, gelang nicht "Das Spray zeigte nicht die gewünschte Wirkung, der Mann  konnte in seine Wohnung fliehen und hat sich dort verschanzt”, erklärt Polizei-Pressesprecher Wolfgang Jungnitsch die Situation auf lokalo24.de-Anfrage. Hintergrund der Auseinandersetzung sollen schon länger dauernde  Konflikte gewesen sein, die am Montag schließlich eskalierten.Die Polizeibeamten forderten Verstärkung an – und wurden durch ein weiteres Team, dem auch der Diensthund "Aick” (ein vierjähriger belgischer Schäferhund) angehört, vor Ort unterstützt. Die Polizei brach  die Wohnungstür auf – "dahinter stand der 36-Jährige, mit  einem Messer in jeder Hand bewaffnet, schon angriffsbereit den Beamten gegenüber”, beschreibt Jungnitsch die Situation.

Statt der Schusswaffe wählten die Beamten den Hundeeinsatz. "Wäre der nicht vor Ort gewesen, wäre den Kollegen möglicherweise nichts anderes übrig geblieben, als den Angriff mit der Schusswaffe zu stoppen”, sagt Jungnitsch.So erwischte es "Aick” , der zielgenau seine Zähne in den rechten Arm des Angreifers grub. Der wiederum schaffte es, einen Stich in den Hals des Hundes zu setzen, bevor der auch den anderen Arm des Messer-Manns erwischte und den menschlichen Kollegen so die Festnahme den nun Entwaffneten ermöglichte.Während der Mann nach der medizinischen Versorgung seiner Wunden in eine psychatrische Anstalt gebracht wurde, musste Aick die Nacht in der Tierklinik verbringen. "Ein paar Zentimeter weiter und es wäre Aus gewesen mit ihm”, sagt Wolfgang Jungitsch über die Verletzungen des Tieres. So steht er wieder im Dienst, wird aber von seinem Hundeführer noch geschont. Bis zu seinem nächsten Einsatz.

Hund oder Waffe?

"Wir sind verpflichtet, immer den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten”, erklärt Polizei-Sprecher Wolfgang Jungnitsch.  Dazu gilt die Wahl des mildesten Mittels, um "unmittelbaren Zwang* auszuüben. Das kann das einfache Niederringen eines Angreifers sein. Aber auch "Hilfsmittel der körperlichen Gewalt” sind beschrieben. Dazu zählen: insbesondere Fesseln, Dienstfahrzeuge, Wasserwerfer, technische Sperren, Diensthunde und Dienstpferde. Pfefferspray wurde bei der deutschen Polizei Anfang 2000 als Einsatzmittel eingeführt – ein milderes Zwangsmittel als Schlagstock oder Schusswaffengebrauch. Für letzteren ist die hesssische Polizei mit der P 30 von "Heckler & Koch” außgerüstet –  sie löste die bisherige Dienstwaffe "Sig Sauer P6” ab.

* Rechtsbegriff, der die hoheitliche Einwirkung auf Personen oder Sachen mittels körperlicher Gewalt, Hilfsmittel der körperlichen Gewalt oder Waffen durch zuständige und befugte Amtsträger umfasst.

Das "RSG":Das Reizstoffsprühgerät (RSG) ist in der polizeilichen Ausführung nicht auf dem freien Markt erhältlich. Die Reichweite beträgt 2,5 bis 4 Meter. Der Wirkstoff führt zu Husten und Atemnnot, Brennen auf der Haut und Juckreiz. Durch die Schwellung der Schleimhäute schließen sich die Augenlider sofort – für fünf bis zehn Minuten. Alle Symptome treten sofort oder nach wenigen Sekunden auf.

Die "P 30” der Polizei: Kaliber 9mm Para, 15-Schuss-Magazin.

Der "EKA":Der 3-teilige "Einsatzstock kurz ausziehbar” (EKA), auch Teleskopschlagstock genannt, wiegt 535 Gramm und ist 50 Zentimeter lang. Aufgrund seiner Wucht ist er nur gegen Arme, Beine und auf Muskelmasse einzusetzen. Er lässt sich bauartbedingt unauffällig, z.B. hinter dem Rücken ausziehen. Ist er aus einsatztaktischen Gründen erforderlich, kann er abschreckend und geräuschvoll durch eine schnelle Ausfahrbewegung in die volle Länge gebracht werden.

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