Polizisten stürmten aus Omnibus: Razzia in der Jägerstraße

1 von 24
Razzia in der Jägerstraße
2 von 24
Razzia in der Jägerstraße
3 von 24
Razzia in der Jägerstraße
4 von 24
Razzia in der Jägerstraße
5 von 24
Razzia in der Jägerstraße
6 von 24
Razzia in der Jägerstraße
7 von 24
Razzia in der Jägerstraße
8 von 24
Razzia in der Jägerstraße

Am Montagabend haben Polizei, Zoll und Ordnungsamt Lokalitäten in der Kasseler Jägerstraße durchsucht. Mit der Razzia soll die Drogenkriminalität in dem Quartier eingedämmt werden.

Der Bus, der um 18.30 Uhr die Untere Königsstraße entlangfuhr, sah auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Linienbus aus. Die improvisierte Haltestelle war an der Jägerstraße. Statt Passanten stiegen Ordnungskräfte der Polizei, Zoll und Ordnungsamt aus.

Fünf Läden, darunter ein Wettbüro und Gaststätten, wurden daraufhin kontrolliert, die Jägerstraße zu beiden Seiten gesperrt. 142 Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Jägerstraße aufhielten, wurden kontrolliert. Mit der Maßnahme soll die Drogenkriminalität in diesem Quartier weiter bekämpft werden.

Allein 2017 gab es laut Polizeipressesprecher Matthias Mänz rund 30 Razzien in diesem Gebiet der Innenstadt. 2017 wurde auch die "AG Stern" zur Bekämpfung der Kriminalität in der Innenstadt gegründet. Die Razzia am Montagabend war die erste große Razzia in diesem Jahr.

Fünf Strafverfahren, die Festnahme eines mit Haftbefehl gesuchten Mannes sowie verschiedene Verfahren wegen gewerberechtlicher Verstöße sind das vorläufige Ergebnis der gemeinsamen Kontrollen.

Anwohner: Fühle mich hier nicht bedroht, aber Straße ist ein Drecksloch

Ein 21-jähriger Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, findet die Razzia unfair. "Von 100 Leuten ist vielleicht einer dabei, der Dreck am stecken hat. Das ist so doch völlig übertrieben, ich fühle mich diskriminiert", sagte er. Er fühle sich in der Jägerstraße nicht bedroht oder hält die Gegend für gefährlich, allerdings sei die Gegend "ein Drecksloch, das muss man schon sagen".

Hintergrund

Bereits in der Vergangenheit führte die Kasseler Polizei in dem Quartier Razzien durch, nicht zuletzt wegen den im Jahr 2017 offen zutage tretender Konflikte innerhalb des Milieus. Aufgrund dabei gewonnener Erkenntnisse konnten anschließend mehrere umfangreiche Rauschgiftverfahren durch die "AG Stern" geführt und das kriminelle Milieu aufgehellt werden, was in der Folge zu Festnahmen mehrerer "Hintermänner", größeren Drogenfunden sowie Verurteilungen mit langjährigen Haftstrafen führte. Da die Polizei auch weiterhin Rauschgift- und Beschaffungskriminalität in diesem Bereich feststellt, wird sie neben den intensiven Ermittlungen zukünftig dort auch weiterhin deutliche Präsenz zeigen.

Mehrere Festnahmen am gestrigen Abend

Bei der Razzia am gestrigen Montagabend überprüften die Einsatzkräfte in dem abgesperrten Bereich 42 Personen in vier Lokalitäten sowie auf der Straße weitere 100 Personen, überwiegend Männer. Gegen einen 52-Jährigen mit türkischer Staatsangehörigkeit lag ein Haftbefehl vor. Er war bereits vor mehreren Jahren wegen einer räuberischen Erpressung in Kassel zu 555 Tagen Freiheitsstrafe verurteilt worden, hatte sich aber seitdem offenbar im Ausland aufgehalten. Er sitzt nun in Haft. In einer Lokalität fand ein Rauschgiftspürhund der Polizei ein Tütchen mit einer kleineren Menge Marihuana. In diesem Fall wurde ein Verfahren wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

Bei einem in Kassel wohnenden 18-Jährigen aus Syrien fanden Beamte mehrere verschreibungspflichtige Tabletten. Wie sich ermitteln ließ, hatte er diese offenbar in einem Krankenhaus in Bad Wilhelmshöhe gestohlen. Gegen ihn wird nun wegen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und Diebstahls ermittelt. In einer anderen Gaststätte stellten die Beamten mehrere Waffen, darunter eine Spielzeug-Schusswaffe, ein Baseballschläger und einen Dolch sicher. In diesem Fall wird nun ein Verstoß gegen das Waffengesetz geprüft. In insgesamt elf Fällen fanden die Einsatzkräfte in verschiedenen Lokalitäten erlaubnisfreie Waffen, die jedoch gefahrenabwehrrechtlich sichergestellt wurden und nun durch das Ordnungsamt mit Blick auf die Gaststättenbetreiber hinsichtlich gewerberechtlicher Bestimmungen überprüft werden. Zwei der überprüften Personen waren zudem in laufenden Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft zur Ermittlung ihres Aufenthalts gesucht.

Zoll und Ordnungsamt decken weitere Verstöße auf

Auch die Bediensteten des Zolls und des Kasseler Ordnungsamtes deckten bei der gestrigen Razzia Verstöße auf. Durch den Zoll wurde in einem Fall ein Verfahren wegen Verdachts der Schwarzarbeit und in einem anderen Fall ein Verfahren wegen Verdachts der Urkundenfälschung und eines damit einhergehenden Aufenthaltsverstoßes eingeleitet. Die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts leiteten aufgrund der gestrigen Kontrollen Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen zwei Gaststättenbetreiber wegen gewerberechtlicher Verstöße hinsichtlich Lebensmittel- und Hygienvorschriften sowie Glückspielvorschriften ein.

Gegen 21 Uhr war die Kontrolle beendet. Die währenddessen gewonnenen Erkenntnisse und festgestellten Sachverhalte werden derzeit durch die beteiligten Behörden ausgewertet und möglicherweise weitere Verfahren eingeleitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

20.000 Euro Sachschaden durch zwei Brände in Kleingartenanlage

Kassel-Nord. In der Nacht zum Mittwoch kam es zu zwei Bränden von Gartenhütten auf dem Gelände eines Kleingartenvereins in der Kasseler Nordstadt
20.000 Euro Sachschaden durch zwei Brände in Kleingartenanlage

Gescheiterter Raubüberfall auf Tankstelle in Bettenhausen: Polizei veröffentlicht Täterfotos

Nach dem versuchten Raubüberfall auf eine Tankstelle in der Sandershäuser Straße in Kassel-Bettenhausen am Sonntag, 1. Dezember, veröffentlicht die Polizei nun Fotos der …
Gescheiterter Raubüberfall auf Tankstelle in Bettenhausen: Polizei veröffentlicht Täterfotos

Vollsperrung der A7 aufgehoben: Bergungsarbeiten abgeschlossen

Nach dem tödlichen Unfall auf der A 7 am heutigen Morgen ist die Vollsperrung in Richtung Süden soeben aufgehoben worden.
Vollsperrung der A7 aufgehoben: Bergungsarbeiten abgeschlossen

Betrunkener Autofahrer bei Alleinunfall im "großen Kreisel" verletzt

Ein offenbar betrunkener Autofahrer ist gegen 3 Uhr in der Nacht zum heutigen Mittwoch auf dem Platz der Deutschen Einheit mit seinem Auto von der Fahrbahn abgekommen
Betrunkener Autofahrer bei Alleinunfall im "großen Kreisel" verletzt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.