Prof. Dr. Noah über Jenkes Operationen: "Das TV-Experiment ginge durch keine Ethik-Kommission"

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Für immer jung - aber zu welchem Preis? Das TV-Experiment von Jenke von Wilmsdorff ging unter die Haut und wurde auch in den Medien und untern Ärzten heiß diskutiert. Wir sprachen mit Kassels Schönheitschirurg Prof. Dr. Magnus Ernst Noah.

Kassel. Für "JENKE." hat sich Jenke von Wilmsdorff einem Experiment gestellt (siehe Video unten), das unter die Haut geht. Der aus dem TV bekannte Reporter wollte in 100 Tagen um 20 Jahre jünger werden. Die eine Seite seines Gesichts ließ er von Schönheitschirurgen richten, die andere behandelten Kosmetiker. Im Laufe der Sendung sprach er zusätzlich auch mit jungen Influencern über ewige Schönheit, Perfektion und Schönheitsoperationen zur Optimierung.

Besonders Ärzte diskutierten im Nachhinein der Ausstrahlung der Sendung die Ergebnisse. Wir sprachen mit Prof. Dr. Magnus Ernst Noah, bekannter plastischer Chirurg aus Kassel (wir berichteten hier und hier), über seine Einschätzung.

"Das Experiment ist natürlich außergewöhnlich und auch für uns Ärzte spannend zu sehen. Normalerweise ginge so etwas durch keine Ethik-Kommission. Von der reinen Behandlung her fanden wir Ärzte uns wieder, erstaunlich fand ich dagegen zu sehen, dass die Kosmetik nicht viel weniger gebracht hat - wobei man natürlich dazusagen muss, dass Herr von Wilmsdorff zwei Mal am Tag 45 Minuten extremen Aufwand betreiben musste. Das ist im normalen Alltag natürlich nicht unbedingt zu leisten", so Prof. Dr. Noah zum TV-Experiment.

Auch die Gesprächsrunde von jungen Influencern fand der Chirurg nett gemacht. "Der Umgang mit Schönheit und optimierenden Operationen war gut reflektiert. Auch wie Jenke sich selbst fragt 'Was mache ich hier eigentlich?' war zuträglich für die Sendung, ebenso die erschreckenden Beispiele einer jungen Frau, die süchtig nach Botox ist und für die es 'wie Zähneputzen' zum Alltag dazugehört."

Die Sendung zeigt im Anschluss, wie verändert Jenke von Wilmsdorff tatsächlich ist - und ob er sich tatsächlich schöner findet, jünger und somit zufriedener ist. "Ich erkenne mich selbst nicht wieder." 

Das 'Potpourri' an Anwendungen und Operationen, die man im Normalfall so nie durchführen würde, liegt laut Sendung bei 30.000 Euro. Ein großer Batzen Geld für das Gefühl, sich im Spiegel nicht mehr widerzuerkennen.

Doch wie läuft es im Normalfall? "Ich hatte noch nie einen Patienten, der Hälfte Hälfte wollte", erzählt Noah lachend. "Wenn ein Patient zu uns kommt, dann kommt er problemorientiert. Die Harmonie ist das entscheidende. Und abstruse Vorstellungen oder Wünsche wird ein seriöser Arzt nicht erfüllen und radikal darüber aufklären, was und wie geht - und was nicht. Solche Patienten kommen aber wirklich selten."

So hat auch jedes Alter seine Eingriffe, die besonders stark nachgefragt sind. Spaß-Ops gibt es dagegen nicht bei ihm. Große Brüste, neue Nase, 'nächstes Jahr komm ich dann mal zum Fettabsaugen', bis die Patienten schließlich so aussehen, wie „alle“ - das gibt es nicht. Denn "Jeder Eingriff erfordert genaue , drastische und schonungslose Aufklärung und Bedenkzeit" so Dr. Noah.

Ob Influencer und Schönheitsideale aus den Sozialen Medien Einfluss auf die Patientenwünsche nehmen?

Dr. Noah dazu: "Ja, definitiv. Die Insta-Lippe, Cat Eyes - das sind Schlagwörter, die Influencer manchmal mit Kunden-Auftrag nutzen. Ärzte wollen Marken setzen bei Eingriffen wie 4-Muskel-Technik, innerer BH, das Ein-Finger-Dekolleté - alles nicht wissenschaftlich fundiert, sondern Marketing!"

Ein Abebben der Trendwelle 'Selbstoptimierung' sieht Dr. Noah nicht, denn "Sport, Wellness, Diät... die Menschen sind körperbewusst und gerade in der Pandemie merken wir, welch ein Geschenk es ist, wenn wir gesund sind."

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