Prüfbericht: Geschäftsführung für documenta-Defizit verantwortlich

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Zuversichtlich bei der Eröffnung, schwer getroffen nach dem Ende der documenta: Ein Prüfbericht lastet die Verantwortung für das Millionendefizit auch der Geschäftsführerin Annette Kulenkampff (hier mit dem künstlerischen Leiter Adam Szymczyk) an.

Es war ein herber Rückschlag für die Weltkunstausstellung in Kassel. Sie endete mit einem Millionendefizit. Ein geheimer Prüfbericht nennt die verantwortlichen. Und die Staatsanwaltschaft erklärt ihre erweiterten Ermittlungen mit einem "begründeten Anfangsverdacht." 

Kassel. Der Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfer zu Millionen-Defizit der documenta liegt seit Monaten vor. Doch er ist geheime Verschlusssache: Nur vier Exemplare existieren - eines hat der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle, eines jeweils die hessischen Ministerien für Kultur und Finanzen, eines hat die Staatsanwaltschaft. Und der Inhalt des Berichts ist der Strafverfolgungsbehörde so brisant, dass sie jetzt ihre Ermittlungen ausgeweitet haben.

 Das berichtet die Rheinische Post (Düsseldorf). Und zitiert die Staatsanwaltschaft: "Nach der Prüfung beigezogener Berichte einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wurden nunmehr weitere Ermittlungen aufgenommen, das heißt, ein so genannter Anfangsverdacht bejaht."

Es geht um das Defizit der Kunstschau im vergangenen Jahr, das sich laut Abschlussbericht auf 5,4 Millionen Euro belaufen soll. Die Zeitung, der nach eigenen Angaben Teile der Präsentation des Abschlussberichts vorliegen, berichtet auch über das Zustandekommen des Defizits: Die Kunstschau in Kassel habe ein Plus von 2,1 Millionen Euro erwirtschaftet, die Ausstellung in Athen dagegen ein Minus von 7,5 Mio. Euro. Schuld an dem Finanzdesaster habe vor allem die Geschäftsführung - also Geschäftsführerin Annette Kulenkampff.

"Der Abschlussbericht - von dem lediglich vier Exemplare existieren sollen - ist gespickt mit Belegen für teilweise eklatante Versäumnisse der Geschäftsführung, vertreten durch die Geschäftsführerin Annette Kulenkampff, im Umgang mit öffentlichen Geldern." Danach haben, so der Bericht, "unzureichende Controlling-Maßnahmen und -Systeme" zu einer "zu späten Feststellung der Höhe der defizitären Entwicklung geführt. Bedeutsame Gegenmaßnahmen konnten ab Mai/Juni 2017 dann nicht mehr eingeleitet werden", wie es heißt.

Viele Entscheidungen der Geschäftsführung seien danach am Aufsichtsrat vorbei getroffen worden. Eine Finanzplanung, die alle zwei Monate dem Aufsichtsrat vorgelegt wurde, enthielt keine sonst übliche wie auch notwendige Prognose für das gesamte Wirtschaftsjahr. Ein Beispiel für die Versäumnisse: Der Vertrag mit dem Museum EMST in Athen sei von Geschäftsführung und dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Bertram Hilgen abgeschlossen worden  - keine Information an den Aufsichtsrat selbst. Und weiter heißt es in dem Zeitungsbericht: Insgesamt ist die Zahl der im Bericht aufgelisteten Fehler beträchtlich: Die Finanzplanung sei nicht professionell gewesen, erforderliche Finanzstatus-Berichte blieben aus, es gab Vertragsabschlüsse ohne Information an den Aufsichtsrat. Für den hohen Anspruch der alle fünf Jahre stattfindenden Kunstausstellung ist das ein Armutszeugnis. " Annette Kulenkampff, so die Zeitung, habe die Vorwürfe zurückgewiesen. In einer Stellungnahme heißt es unter anderem, dass die "Feststellung einer defizitären Entwicklung" aus Sicht der Geschäftsführerin "nicht ,zu spät' erfolgte, sondern die Documenta war mit nicht vorhersehbaren Entwicklungen konfrontiert, die zu erhöhten Kosten führen".

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