Ratten-Festmahl aus der Haus-Toilette

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Schnell ans Buffet! Nachschub kommt direkt durch die Toilette.

Sie tummeln sich tausendfach im 830 Kilometer langen Kanalsystem der Stadt Kassel: Ratten! Ihre Nahrungsgrundlage sind die Essensreste aus der Haus-Toilette.Der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser will mit einer Kampagne für Aufklärung sorgen.

Kassel.  Auch im Kanal wird gefeiert in diesen Tagen: gerade erst wurden die Reste vom Kartoffelsalat und andere Weihnachtsleckereien serviert, da steht mit den Raclette-Überbleibseln schon der nächste Schmaus für die stetig wachsende Ratten-Familie an. „Speisereste über die Toilette zu entsorgen, ist das attraktivste Nahrungsangebot, das man einer Ratte machen kann“, sagt Karsten Köhler, Pressesprecher von Kasselwasser. Rechtzeitig zu den Feiertagen hat das Unternehmen eine Kampagne unter dem Titel „Don´t feed the rat“ gestartet. Mit besprühten Kanaldeckel, Postkarten sowie Plakaten soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden. In 2018 wird es ein „Pixie“-Buch für Kinder und vieles mehr zum Thema „Was darf nicht ins Klo?“ geben. „Speisereste gehören in die Biotonne“, erklärt Karsten Köhler. Das zu vermeidende Nahrungsangebot für die Nager umschließt auch das Füttern bzw. Verstreuen von Futter an Vögel oder Eichhörnchen. Lieber im hängenden Futterhäuschen anbieten. Zugängliche Näpfe für Igel oder Katzen sind ebenso zu vermeiden, denn überall, wo ein Futternapf über längere Zeit aufgestellt wird, oder wo Lebensmittel an die Tierwelt ausgelegt werden, werden auch Ratten angelockt.

Weniger Nahrung, weniger Ratten

Gelbe Säcke, die längere Zeit zugängig gelagert werden, oder Komposthaufen, auf denen man alte Nahrungsmittel entsorgt, locken ebenfalls die Nager an. „Es gibt nur eine Möglichkeit, die Population zu beeinflussen: weniger Nahrungsangebot. Es gilt die Gleichung: Je geringer das Nahrungsangebot, desto weniger Ratten in Wohngebieten“, sagt Köhler. Kasselwasser bekämpft Ratten und Schädlinge als Vorsorgemaßnahme und zum Gesundheitsschutz der eigenen Mitarbeiter im Bereich der 830 Kilometer der öffentlichen Kanäle, auf dem Grundstück des Klärwerkes und auf den Grundstücken der Regenüberlauf- und Regenrückhaltebecken.

Warum sollen keine Essensreste in die Toilette und warum sollen Ratten bekämpft werden? Der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser hat eine Kampagne gestartet.

Denn Ratten können Krankheiten übertragen. Die Rattenbekämpfung dient dem Ziel, der Infektionsgefahr (Leptospirose) bei Einwirkung von Rattenurin auf verletzten Körperteilen entgegenzuwirken. Die Schädlingsbekämpfung erfolgt mit Festködern, die Kasselwasser nur im geschlossenen Abwasserbereich einsetzen darf. Die Köder sind mit Blutgerinnungshemmer versehen und sorgen für einen schmerzfreien Tod des Schädlings. Beim städtischen Eigenbetrieb sind alle Kanalbetriebsarbeiter (20 Personen) mit der Qualifikation zur Schädlingsbekämpfung ausgestattet – 119 Einsatztage werden pro Jahr für die Schädlingsbekämpfung aufgewandt.

Die Erkenntnis der Experten: „Es ist Unsinn, zu glauben, man könne die Ratten ausrotten. Das ist nicht möglich. Die Schädlinge gibt es so lange es die Menschheit gibt. Hält man die Stadt sauber, also gibt es ein geringes Nahrungsangebot für Ratten, werden es automatisch weniger – und umgekehrt.“

Verantwortung

Grundsätzlich sind die Grundstückseigentümer bzw. die Grundstücksverantwortlichen für die Schädlingsbekämpfung auf den befallenen Grundstücken selbst verantwortlich. Das Ordnungsamt koordiniert bei der Schädlingsbekämpfung:

 – Kasselwasser im Bereich der 830 km öffentliche Kanäle, auf dem Grundstück des Klärwerkes und auf den Grundstücken der Regenüberlauf- und Regenrückhaltebecken.

– Umwelt- und Gartenamt auf den Kasseler Grünflächen.

– Straßenbaulastträger im Bereich der öffentlichen Straßen.

– Stadtreiniger auf den eigenen Grundstücken, Müllentsorgungsbereichen etc.

– Private Grundstückseigentümer

Verbreitung

Man kann keine klaren Gebiete benennen. In Gebieten, wo Speisereste eher über die Toilette entsorgt werden, werden Ratten genauso oft gesichtet, wie dort, wo man exakte Mülltrennung betreibt und z.B. Komposthaufen und gelbe Säcke entsorgt. Es gibt keine quartiersbezogenen Population von Ratten innerhalb Kassels.

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