Raubkunst in Kassel: Silberbecher von den Nazis gestohlen

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Überbringer des Bechers: Kunst- und Kulturminister Boris Rhein, Provenienzforscher Günther Kuss, die Nachfahren des Bestohlenen Dr. Lieberg Familie Bowie, Prof. Dr. Bernd Küster (Direktor Museumslandschaft Hessen Kassel) und Dr. Uwe Hartmann vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste, Magdeburg.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein gab den geraubten Silberbecher nun an den Enkel des Kasseler Kunstliebhabers Dr. Walter Moritz Lieberg zurück.

Kassel. Ein von den Nationalsozialisten geraubter Silberbecher ist zurück bei seinen Eigentümern: Kunst- und Kulturminister Boris Rhein hat jetzt das Gefäß aus dem 18. Jahrhundert an den Enkel des verstorbenen Kunstliebhabers Dr. Walter Moritz Lieberg überreicht.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Die Nationalsozialisten mit ihren ungeheuerlichen Verbrechen machten auch vor der Kunst nicht Halt: Sie beraubten Sammler ihrer Werke, die sie oft über Jahrzehnte hinweg mit viel Sachverstand und Leidenschaft zusammengestellt hatten. Es ist für mich ein besonderer Moment, den Nachkommen eines Kunstliebhabers zu treffen, dem solches Unrecht widerfahren ist, und ihm den Becher zurückzugeben.“

In den vergangenen zwei Jahren haben Provenienzforscher Kunstwerke der Museumslandschaft Hessen Kassel auf Raubkunst hin untersucht. Eigentlich hatten sie dabei die Gemälde im Blick, die die damaligen Staatlichen Kunststammlungen zwischen 1933 und 1945 erworben hatten. Im Archiv der Museumslandschaft aber entdeckte der Forscher Günther Kuss Unterlagen, die einen Silberbecher aus der Sammlung Angewandte Kunst in den Fokus der Untersuchung rückten.

Sie dokumentieren, dass Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen im Februar 1939 die Kasseler Wohnung des jüdischen Emigranten Dr. Walter Moritz Lieberg durchsucht und Kunstwerke entwendet hatten. Diese schanzten sie den Kunstsammlungen zu – zum „Schutz des deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung“, wie es im NS-Jargon hieß.

Nach dieser Entdeckung machte sich die MHK auf Spurensuche. Sie fanden heraus, dass Dr. Lieberg 1941 mit seiner Frau in die USA ausgewandert war und dort 1975 starb. Die Forscher konnten seine Kinder ausfindig machen, die von der Existenz des Silberbechers nichts wussten. Sie freuten sich, ein Erinnerungsstück an ihren Vater zurückzubekommen und schlugen vor, dass Liebergs in Wien lebender Enkel, Jason Bowie, den Becher entgegennehmen solle.

„Es ist wichtig, dass wir uns unserer Vergangenheit stellen und das geschehene Unrecht aufarbeiten. Dafür setzt sich die Hessische Landesregierung ein: Zum Beispiel haben wir 2015 eine zentrale Stelle für Provenienz-Forschung am Museum Wiesbaden eingerichtet, die gezielt in den musealen Beständen des Landes nach NS-Raubgut sucht“, so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein.

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