Rechtsradikale genau beobachten

Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel an Ministerpräsident Volker Bouffier.

Sehr geehrter Ministerpräsident Volker Bouffier, die letzte Landtagssitzung vor den Wahlen habe ich mal wieder als einziger Journalist aus Kassel genutzt, um mir Ihre Regierungserklärung anzuhören.

Natürlich war mir klar, dass Sie mit Stolz auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hinweisen werden. Es war mir klar, dass Sie die Höchstzahl der Menschen in sozialabgabepflichtigen Arbeitsverhältnissen, die niedrigste Arbeitslosenzahl in der Geschichte des Landes, die Investition von Rekordsummen in die Bildung, den Straßenbau, den Schienenverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr feiern werden.

Schüler werden sich freuen, dass sie für einen Euro am Tag durch ganz Hessen touren können. Die Kriminalität steht auf den niedrigsten Stand seit vierzig Jahren.

Auch für die Flüchtlinge hat Hessen eine Menge getan. Tausende haben mittlerweile Deutsch gelernt. Ein Drittel wurde bereits in den Arbeitsmarkt integriert. Aus Sicht des Mittelstandes, des Handwerks wäre es besonders schön, wenn diejenigen, die eine Lehre absolviert haben, anschließend nicht abgeschoben werden. Ich finde den Weg Hessens richtig, in erster Linie diejenigen abzuschieben, die straffällig geworden sind.

Es ist richtig, dass Sie, Herr Ministerpräsident, sich um diejenigen kümmern, die sich Sorgen machen, wenn sie an die große Anzahl derjenigen denken, die sich bei uns in Sicherheit gebracht haben oder auf eine bessere Zukunft hoffen.

Aber das war eigentlich schon im Vorfeld klar. Ich wollte wissen wie sie sich zu unseren Rechtsradikalen stellen. Und da waren Sie absolut eindeutig. Und im Gegensatz zu unserem obersten Verfassungsschützer völlig einfach zu verstehen. Eine Partei, die nur von Tabubrüchen lebt, die nur provoziert, steht bei Ihnen vor verschlossenen Türen.

Uns Journalisten haben Sie noch einmal auf einen Facebook-Eintrag der AfD-Kreistagsfraktion im Hochtaunuskreis hingewiesen: „Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Presseverlage gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten die Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken, denn wenn die Stimmung kippt, ist es zu spät.“

Danke für den Hinweis, Herr Bouffier. Gehen Sie davon aus, dass wir die rechtsradikalen Umtriebe ganz genau beobachten. Da brauchen wir auch nicht die dilettantischen Hinweise des obersten Verfassungsschützers, der hoffentlich bald Geschichte ist. Das gilt auch den hoffnungslos überforderten Bundesinnenminister, der weder in Chemnitz, noch in Köthen gewesen ist. Er passt in der Tat besser in ein ruhiges Hochtal in Bayern.

Mit demokratischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

P.s. Irgendwie bin ich ein wenig stolz darauf, dass Hessen das Bundesland ist, in dem die wenigsten Straftaten und Anschläge gegen Flüchtlingseinrichtungen verübt worden sind. Ich hoffe, das wird so bleiben.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

„Corona-Spaziergang“ in Kassel: Beide Lager treffen aufeinander - Versammlung aufgelöst
Kassel

„Corona-Spaziergang“ in Kassel: Beide Lager treffen aufeinander - Versammlung aufgelöst

In Stadt und Landkreis Kassel konnten ab dem späten Nachmittag wieder Personen, die den Corona-Maßnahmen kritisch gegenüberstehen, bei Veranstaltungen in verschiedenen …
„Corona-Spaziergang“ in Kassel: Beide Lager treffen aufeinander - Versammlung aufgelöst
Auto erfasst junge Mutter auf Überweg: 25-Jährige schwer verletzt, ihr vierjähriger Sohn erleidet Schock
Kassel

Auto erfasst junge Mutter auf Überweg: 25-Jährige schwer verletzt, ihr vierjähriger Sohn erleidet Schock

Am Montagnachmittag erfasste eine 34-jährige Autofahrerin eine Fußgängerin auf einem Fußgängerüberweg in der Niester Straße in Kaufungen.
Auto erfasst junge Mutter auf Überweg: 25-Jährige schwer verletzt, ihr vierjähriger Sohn erleidet Schock
Sperrung ab Donnerstag: Vorarbeiten für Großbaustelle an den „Drei Brücken“ beginnen
Kassel

Sperrung ab Donnerstag: Vorarbeiten für Großbaustelle an den „Drei Brücken“ beginnen

Für die Erneuerung der „Drei Brücken“ über die Wolfhager Straße in Kassel wird es erstmals am Donnerstag zu deutlichen Einschränkungen im Verkehrsablauf kommen.
Sperrung ab Donnerstag: Vorarbeiten für Großbaustelle an den „Drei Brücken“ beginnen
Polizei nimmt offenbar verwirrten Randalierer mit Messer in Kasseler Café fest: Der beißt einen Beamten
Kassel

Polizei nimmt offenbar verwirrten Randalierer mit Messer in Kasseler Café fest: Der beißt einen Beamten

Am Samstagabend riefen Mitarbeiter eines Cafés am Kasseler Friedrichsplatz gegen 20.50 Uhr die Polizei wegen eines scheinbar verwirrten Mannes, der dort randalierte und …
Polizei nimmt offenbar verwirrten Randalierer mit Messer in Kasseler Café fest: Der beißt einen Beamten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.