Handwerkskammer präsentiert Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage

Haben ihre Gäste in die Mitte genommen. Geschäftsführer Uwe Pairan und Ursula Sandin, Geschäftsführerin der Schütz Bauservice GmbH, mit Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann und HWK-Präsident Frank Dittmar.
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Haben ihre Gäste in die Mitte genommen. Geschäftsführer Uwe Pairan und Ursula Sandin, Geschäftsführerin der Schütz Bauservice GmbH, mit Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann und HWK-Präsident Frank Dittmar.

Regionales Handwerk erholt sich ist - Sorgen bereitet die wirtschaftliche Großwetterlage.

Kassel „Der im Frühjahr begonnene Erholungsprozess im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk hat sich auch im dritten Quartal fortgesetzt,“ kommentierte Präsident Frank Dittmar die Ergebnisse der jüngsten Herbst- Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel, die bei 820 Mitgliedsbetrieben durchgeführt wurde. Die vorsichtig optimistische Einschätzung wurde allerdings von einem dicken „Aber“ begleitet. Zum einem hätten nicht alle Handwerksbranchen von der guten Entwicklung profitieren, zum anderen wirke sich die wirtschaftliche und politische Großwetterlage auch auf Nordhessen aus. „Anlass zur Sorge sind die deutlichen Preissteigerungen und Lieferengpässe, der Fachkräftemangel sowie die sich eintrübende Gesamtkonjunktur“, so Frank Dittmar. „Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturerwartungen deutlich gesenkt und rechnen für 2021 nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2,4 statt 3,7 Prozent“.

Überbordende Bürokratie hemmt Unternehmergeist

Auch die zunehmende Bürokratie entwickle sich immer mehr zu einem Hemmschuh. „Das hält zunehmend engagierte Menschen im Handwerk davon ab, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen“, so Alexandra Kaske-Diekmann, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Kassel. „Wir wollen arbeiten und nicht nur dokumentieren - so oder ähnlich hören wir das in stark zunehmenden Maße“, bestätigt Handwerkskammer-Volkswirt Dr. Matthias Joseph, der die Ergebnisse der Herbstumfrage in den Räumlichkeiten der Schütz Bauservice GmbH in Kassel vorstellte und erläuterte. Laut HWK-Untersuchung hat sich die Stimmung im heimischen Handwerk weiter leicht verbessert. Insgesamt 82,5 Prozent der Befragungsteilnehmer zeigten sich mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Fast jeder zweite Betrieb 47,4 Prozent; Vorjahr: 44,1 Prozent) bewertete sie mit gut, weitere 35,1 Prozent VJ: 39 Prozent) mit befriedigend. Andererseits gaben immer noch 17,5 Prozent der aktuellen Situation schlechte Note VJ: 16,9 Prozent).

Die Geschäftserwartungen der Betriebe sind leicht verhalten, was nicht nur mit der bevorstehenden kalten Jahreszeit zu tun hat: 13,9 Prozent erwarten bis Ende des Jahres eine Verbesserung der Lage, während 18,1 Prozent eine Verschlechterung befürchten. Dr. Joseph: „Leider sind die Branchenunterschiede auch im aktuellen Herbstquartal sehr groß. Viel Unzufriedenheit gibt es nach wie vor im Gewerbe für personenbezogene Dienstleistungen, zu dem beispielsweise die Friseure und Kosmetiker gehören, die unter den hohen Hygienestandards in Folge der Corona-Epidemie leiden. Auch bei den Kfz-Betrieben, die einer sehr verhaltenen Nachfrage gegenüberstehen, ist die Unzufriedenheit groß.“ Einen deutlichen Stimmungseinbruch gibt es auch bei den industriellen Zulieferern. Hintergrund ist hier die schwächelnde Industrieproduktion, die sich im Zulieferhandwerk deutlich bemerkbar macht.” Alle übrigen Branchen haben wenig Grund zur Klage, im Gegenteil: Der Positivtrend bei den Gesundheitshandwerken hält an und auch die Bäcker und Fleischer zeigen sich wegen der guten Nachfragesituation zufrieden. Das Bau- und Ausbaugewerbe hat dagegen schon wieder sein Vorkrisenniveau erreicht. Die Auftragslage bleibt auf sehr hohem Niveau, die Betriebsauslastung ist bei vielen Betrieben im Grenzbereich. Quer durch alle Branchen verlief die Umsatztätigkeit in den Betrieben sehr zufriedenstellend, jeder vierte Betrieb meldete Zuwächse bei den Erlösen. Die Auftragseingänge, der wichtigste Frühindikator der konjunkturellen Entwicklung, legten gegenüber dem Vorjahr ebenfalls zu. Auch die durchschnittliche Auftragsreichweite hat sich auf neun Wochen ausgedehnt, was für den Kunden allerdings längere Wartezeiten bedeutet. Im Baugewerbe liegen die Auftragsreserven sogar bei nahezu 12 Wochen.

Mit der größeren Nachfrage stieg die Auslastung: Die durchschnittliche Betriebsauslastung liegt aktuell bei 80,9 Prozent, fast 40 Prozent der Betriebe sind voll ausgelastet, andererseits melden 17 Prozent eine Auslastung von unter 60 Prozent. „Im Ergebnis fallen die Geschäftserwartungen unserer Handwerksbetriebe nur vorsichtig optimistisch aus. Einerseits sind in vielen Betrieben die Auftragsbücher gut gefüllt, andererseits gibt es negative Konjunkturimpulse durch hohe Preissprünge, Materialknappheit, Lieferengpässe sowie Produktionsprobleme in der Industrie. Sollte es hier nicht einen baldigen Stopp dieser Entwicklung geben, kann es zu einem schnellen Ende der aktuell guten Konjunktur kommen - und zwar über alle Handwerksbranchen hinweg”, bilanziert Dittmar die Herbstumfrage der Kammer.

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